3 Min | Perspektiven

Die unangenehme Wahrheit über Klimawandel und Anlagerenditen


Anleger können den Klimawandel nicht länger ignorieren. Die Diskussion über seine Existenz ist Geschichte. Der Klimawandel ist da und verändert unser Leben substanziell.

Auch unsere Art zu investieren verändert er bereits erheblich. Deshalb werden wir bis Ende 2020 bei allen Fonds, die wir bei Schroders verwalten, Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Governance- (ESG-) Kriterien berücksichtigen.

Doch bis jetzt waren wir nie in der Lage, das Maß, in dem sich Erderwärmung auf die Anlageergebnisse auswirkt, genau zu quantifizieren.  

VIDEO

1:43

Deshalb sind die Ergebnisse unserer jüngsten Analyse so bemerkenswert. Sie sollte als Weckruf dienen, weil sie die Auswirkungen, die der Klimawandel künftig auf unsere Anlagen haben dürfte, deutlich sichtbar macht. 

Unser Ökonomenteam bei Schroders erstellt jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Multi-Asset Investment Team 30-Jahres-Prognosen für die Anlagerenditen an den internationalen Aktien- und Anleihemärkte. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt.

Unsere Analyse umfasst die physischen Kosten, die CO2-Steuern und die Verluste, die dadurch entstehen, dass ein Teil der Öl- und Gasreserven nicht gefördert wird. Den Ergebnissen zufolge könnte der Klimawandel für eine stärkere Fokussierung der Anleger auf die Industrieländer sorgen und die Renditen in den Schwellenländern schmälern, auch wenn sie möglicherweise attraktiv bleiben.

Das für Anleger in der Schweiz, in Kanada und in Großbritannien eher irritierende Ergebnis ist, dass der Klimawandel den Renditen an ihren inländischen Aktienmärkten in den nächsten 30 Jahren sogar Auftrieb verleihen könnte. Das liegt kurz gesagt daran, dass ein milderes Klima die Produktivität in diesen relativ kalten, aber entwickelten Märkten verbessern dürfte.

Das Ergebnis beruht jedoch auf weiteren Faktoren wie auf den potenziellen Kosten für die Minderung der Belastung durch steigende Temperaturen. In einer relativ kohlenstoffarmen Volkswirtschaft wie der britischen ist diese Belastung geringer als in manchen anderen Ländern.

Laut unserer Analyse würden sich die annualisierten inflationsbereinigten Renditen am Schweizer Aktienmarkt in den nächsten 30 Jahren ohne den Klimawandel auf 4,1 % belaufen, mit dem Klimawandel jedoch auf 5,4 %. In Kanada liegen diese Werte bei jeweils 4,4 % und 5,4 % und in Großbritannien bei jeweils 5,7 % und 6,0 %. Die Prognose für den MSCI World Index erhöht sich infolge des Klimawandels geringfügig von 3,7 % p. a. auf 3,8 % p. a.

Um zu verstehen, was das heißt, muss man sich den enormen kumulativen Effekt dieser Renditeunterschiede über 30 Jahre vor Augen führen: 10.000 US-Dollar, die man heute zu 4,1 % p. a. in den Schweizer Aktienmarkt investiert, wären im Jahr 2050 rund 33.000 US-Dollar wert. Unter Berücksichtigung des Klimawandels wären es rund 48.000 US-Dollar.

Auch wenn diese Analyse für diese Länder ein positives Bild ergibt, bedeutet das keineswegs, dass man nichts gegen den Klimawandel unternehmen sollte.

Nichts gegen den Temperaturanstieg zu tun, könnte in diesem Jahrhundert verheerende Folgen für alle Länder haben. Wir nehmen an, dass die Länder eine CO2-Steuer einführen werden. Sie wird jedoch wahrscheinlich zu spät kommen und zu gering ausfallen, um zu bewirken, dass das Ziel des Pariser Klimaabkommens, den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht wird.

Am stärksten werden in den nächsten 30 Jahren die wärmsten Länder, vor allem die Schwellenländer, unter dem Klimawandel leiden.

Indien, ein Land, das aufgrund der steigenden Temperaturen Produktivitätseinbußen hinnehmen muss, dürfte hier am stärksten leiden. Dazu kommt, die Kohlenstoffpreise hoch ausfallen könnten.

Laut Prognosen werden die inflationsbereinigten Renditen am indischen Aktienmarkt in den nächsten 30 Jahren bei 6,2 % p. a. liegen (ohne Klimawandel). Bezieht man den Klimawandel mit ein, belaufen sich die prognostizierten Renditen auf 2,3 % p. a.

Das heißt: 10.000 US-Dollar, heute investiert, wären in 30 Jahren ohne Klimawandel etwa 60.000 US-Dollar und mit Klimawandel rund 20.000 US-Dollar wert. Der prognostizierte Endbetrag sinkt also bei Einberechnung des Klimawandels um zwei Drittel.

Zu den übrigen besonders stark betroffenen Märkten zählen Singapur und Australien, und in den Schwellenländern insgesamt sinken die prognostizierten Renditen erheblich.  Die 30-Jahres-Prognose für Schwellenländeraktien sinkt von 6,3 % p. a. auf 4,4 % p. a., wenn man den Klimawandel berücksichtigt.

Natürlich basieren all diese Prognosen auf zahlreichen Annahmen, und erhebliche Abweichungen von unseren Renditeangaben sind möglich. Trotzdem zeigen sie, wo die wahrscheinlichen Gewinner und Verlierer des Klimawandels zu finden sein werden.

Die Botschaft ist klar: Die voraussichtlichen langfristigen Performanceunterschiede zwischen den Regionen bedeuten, dass ein aktiver Ansatz für den Umgang mit den Risiken des Klimawandels nicht länger nur eine Möglichkeit, sondern eine Notwendigkeit ist.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.

 

Deshalb sind die Ergebnisse unserer jüngsten Analyse so bemerkenswert. Sie sollte als Weckruf dienen, weil sie die Auswirkungen, die der Klimawandel künftig auf unsere Anlagen haben dürfte, deutlich sichtbar macht. 

Unser Ökonomenteam bei Schroders erstellt jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Multi-Asset Investment Team 30-Jahres-Prognosen für die Anlagerenditen an den internationalen Aktien- und Anleihemärkte. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt.

Unsere Analyse umfasst die physischen Kosten, die CO2-Steuern und die Verluste, die dadurch entstehen, dass ein Teil der Öl- und Gasreserven nicht gefördert wird. Den Ergebnissen zufolge könnte der Klimawandel für eine stärkere Fokussierung der Anleger auf die Industrieländer sorgen und die Renditen in den Schwellenländern schmälern, auch wenn sie möglicherweise attraktiv bleiben.

Das für Anleger in der Schweiz, in Kanada und in Großbritannien eher irritierende Ergebnis ist, dass der Klimawandel den Renditen an ihren inländischen Aktienmärkten in den nächsten 30 Jahren sogar Auftrieb verleihen könnte. Das liegt kurz gesagt daran, dass ein milderes Klima die Produktivität in diesen relativ kalten, aber entwickelten Märkten verbessern dürfte.

Das Ergebnis beruht jedoch auf weiteren Faktoren wie auf den potenziellen Kosten für die Minderung der Belastung durch steigende Temperaturen. In einer relativ kohlenstoffarmen Volkswirtschaft wie der britischen ist diese Belastung geringer als in manchen anderen Ländern.

Laut unserer Analyse würden sich die annualisierten inflationsbereinigten Renditen am Schweizer Aktienmarkt in den nächsten 30 Jahren ohne den Klimawandel auf 4,1 % belaufen, mit dem Klimawandel jedoch auf 5,4 %. In Kanada liegen diese Werte bei jeweils 4,4 % und 5,4 % und in Großbritannien bei jeweils 5,7 % und 6,0 %. Die Prognose für den MSCI World Index erhöht sich infolge des Klimawandels geringfügig von 3,7 % p. a. auf 3,8 % p. a.

Um zu verstehen, was das heißt, muss man sich den enormen kumulativen Effekt dieser Renditeunterschiede über 30 Jahre vor Augen führen: 10.000 US-Dollar, die man heute zu 4,1 % p. a. in den Schweizer Aktienmarkt investiert, wären im Jahr 2050 rund 33.000 US-Dollar wert. Unter Berücksichtigung des Klimawandels wären es rund 48.000 US-Dollar.

Auch wenn diese Analyse für diese Länder ein positives Bild ergibt, bedeutet das keineswegs, dass man nichts gegen den Klimawandel unternehmen sollte.

Nichts gegen den Temperaturanstieg zu tun, könnte in diesem Jahrhundert verheerende Folgen für alle Länder haben. Wir nehmen an, dass die Länder eine CO2-Steuer einführen werden. Sie wird jedoch wahrscheinlich zu spät kommen und zu gering ausfallen, um zu bewirken, dass das Ziel des Pariser Klimaabkommens, den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht wird.

Am stärksten werden in den nächsten 30 Jahren die wärmsten Länder, vor allem die Schwellenländer, unter dem Klimawandel leiden.

Indien, ein Land, das aufgrund der steigenden Temperaturen Produktivitätseinbußen hinnehmen muss, dürfte hier am stärksten leiden. Dazu kommt, die Kohlenstoffpreise hoch ausfallen könnten.

Laut Prognosen werden die inflationsbereinigten Renditen am indischen Aktienmarkt in den nächsten 30 Jahren bei 6,2 % p. a. liegen (ohne Klimawandel). Bezieht man den Klimawandel mit ein, belaufen sich die prognostizierten Renditen auf 2,3 % p. a.

Das heißt: 10.000 US-Dollar, heute investiert, wären in 30 Jahren ohne Klimawandel etwa 60.000 US-Dollar und mit Klimawandel rund 20.000 US-Dollar wert. Der prognostizierte Endbetrag sinkt also bei Einberechnung des Klimawandels um zwei Drittel.

Zu den übrigen besonders stark betroffenen Märkten zählen Singapur und Australien, und in den Schwellenländern insgesamt sinken die prognostizierten Renditen erheblich.  Die 30-Jahres-Prognose für Schwellenländeraktien sinkt von 6,3 % p. a. auf 4,4 % p. a., wenn man den Klimawandel berücksichtigt.

Natürlich basieren all diese Prognosen auf zahlreichen Annahmen, und erhebliche Abweichungen von unseren Renditeangaben sind möglich. Trotzdem zeigen sie, wo die wahrscheinlichen Gewinner und Verlierer des Klimawandels zu finden sein werden.

Die Botschaft ist klar: Die voraussichtlichen langfristigen Performanceunterschiede zwischen den Regionen bedeuten, dass ein aktiver Ansatz für den Umgang mit den Risiken des Klimawandels nicht länger nur eine Möglichkeit, sondern eine Notwendigkeit ist.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.