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Q&A: Gegen zerstörerische Entwaldung vorgehen – warum und wie?


Da etwa 80 % der Biodiversität in unseren Wäldern zu finden ist, stellt Entwaldung eine ernsthafte Bedrohung dar.

Sie hat auch breitgefächerte Auswirkungen auf den Klimawandel, Menschenrechte und sogar die weltweite Gesundheit, wie wir durch die Corona-Pandemie anhand des vermuteten Zusammenhangs mit Zoonosen (Erklärung weiter unten) erfahren mussten.

Wäre die entwaldete Landfläche in den Tropen ein eigener Staat, dann wäre sie die Nation mit den dritthöchsten Kohlenstoff-Emissionen der Welt.

Entwaldung gehört ganz klar zu den wichtigsten Themen unserer Zeit. Deshalb konzentriert sich Schroders auf die Analyse und ein aktives Engagement in diesem Bereich.

Was sind die Ursachen?

Zu den Ursachen der Entwaldung zählen mehr Weideland für Rinder, mehr Ackerland für Sojabohnen und Palmöl sowie Baumplantagen für die Holzgewinnung. Die tropischen Regenwälder speichern mehr Kohlenstoff als jede andere Art von Wald und beherbergen die größte Artenvielfalt. Sie sind auch dem größten Druck durch landwirtschaftliche Großkonzerne ausgesetzt, wobei der Großteil der tropischen Abholzung in Brasilien und Indonesien stattfindet.

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Was sind die Hauptauswirkungen?

Zu den Auswirkungen zählen der Verlust von Kohlenstoffsenken, verringerte Niederschläge und ein erhöhtes Dürrerisiko sowie Auswirkungen auf die Menschenrechte, wie etwa die Vertreibung indigener Völker, die Rechte von Arbeitnehmern und Probleme für die öffentliche Gesundheit.

In Brasilien, wo die Entwaldung fast die Hälfte der Kohlenstoff-Emissionen des Landes ausmacht, verzeichnet die Amazonas-Region bereits weniger Regenfälle und kürzere Vegetationsperioden.

Komplexe Zusammenhänge zwischen der Zerstörung von Lebensräumen, den Eingriffen des Menschen, veränderter Landnutzung und dem Verlust der biologischen Vielfalt stehen laut dem Weltbiodiversitätsrat in Verbindung mit einer erhöhten Prävalenz von Zoonose-Erkrankungen.

Zoonosen sind Krankheiten, die zwischen verschiedenen Tierarten übertragen werden, und auch von Tieren auf den Menschen. Dazu gehören Borreliose, Tollwut und Coronaviren.

Welche Produkte stehen in Verbindung mit zerstörerischer Entwaldung?

Mehr als die Hälfte der weltweiten Emissionen, die mit Entwaldung in Verbindung stehen, gehen laut dem Weltklimarat zurück auf die Gewinnung von Rohstoffen.

Rindfleisch und Leder sowie Palmöl sind die Rohstoffe, die den größten Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Verbindung mit Entwaldung haben.

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Welche Länder sind die wichtigsten Produzenten dieser Rohstoffe?

In der nachfolgenden Tabelle sind die von der Gewinnung dieser Rohstoffe verursachten Emissionen nach Herkunftsland aufgeführt. In Brasilien dominieren Rinder-bezogene Produkte und die Sojabohnen-Produktion, während in Indonesien Palmöl und Kautschuk den größten Anteil an den entwaldungsbedingten Emissionen haben.

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Wer sind die größten Importeure und Exporteure?

Nur allein der Blick auf das Produktionsland offenbart angesichts der globalen und eng vernetzten Lieferketten nur einen Bruchteil des Gesamtbildes. Eine Analyse der entwaldungsbedingten Emissionen im internationalen Handel zeigt, dass Indonesien, aufgrund des hohen Eigenverbrauchs in Brasilien, der größte Exporteur dieser Rohstoffe ist. China ist der größte Importeur, gefolgt von der Europäischen Union und Indien.

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Welche Sektoren und Branchen sind besonders exponiert?

Der Basiskonsumgütersektor – beispielsweise bei Haushaltsprodukten und persönlichen Pflegeprodukten sowie Lebensmitteln – ist besonders exponiert durch papierbasierte Produkte für Verpackungen. Der Nicht-Basiskonsumgütersektor – beispielsweise bei Automobil-Zulieferern, Textilien, Hotels und Freizeit – ist besonders exponiert durch Leder und Kautschuk, Zellstoff und Holz sowie Nahrungsmittel für Restaurants. Der Sektor Grundstoffe ist besonders exponiert durch Holz und Papier für Behälter und Verpackungen.

Was sind unsere Prioritäten für Research und Engagement?

Unsere Prioritäten für Research und Engagement in Bezug auf Entwaldung konzentrieren sich auf die folgenden Punkte: Selbstverpflichtungen und Richtlinien von Unternehmen, Unternehmensführung und Risikomanagement, Lieferketten-Zuordnung und -Nachweisbarkeit, Zertifizierung und Zielsetzung sowie Offenlegung im Einklang mit Best Practices.

Worauf werden wir besonders achten?

Wir werden Unternehmen besonders dazu anhalten, die Offenlegung von Wald-und-Forst-bezogenen Risiken zu verbessern. Wir möchten das Bewusstsein von Unternehmen bestärken, den Wissensaustausch über Best Practices fördern und in allen exponierten Branchen die Transparenz erhöhen. Wir werden versuchen, in diesem Bereich genau zwischen den Spitzenreitern und den Nachzüglern zu differenzieren, um Anleger bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Wie werden wir zwischen Vorreitern und Nachzüglern unterscheiden?

Wir haben eine Scorecard zusammengestellt, die als Maßinstrument dafür dient, wie stark Unternehmen gegenüber Wald-und-Forst-bezogenen Risiken exponiert sind und wie sie mit diesen Risiken umgehen, mithilfe öffentlich verfügbarer Daten aus verschiedenen Quellen. Diese Scorecard ist ein quantitativer Indikator für das Engagement und die Performance eines Unternehmens, auf deren Basis wir dann mit einer Reihe von Schlüsselunternehmen einen kontinuierlichen Dialog aufbauen können.

 

 

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