Perspektiven

Wie beeinflusst das Corona-Virus die Energiewende?


Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 hat die Wirtschaft und unser Alltagsleben dramatisch verändert. Das volle Ausmaß und die Dauer der Ausnahmesituation sind nach wie vor nicht absehbar und hängen sowohl von der zukünftigen Ausbreitung von Covid-19 als auch von den weltweiten politischen Gegenmaßnahmen ab. Klar ist allerdings, dass sich das Wirtschaftswachstum – zumindest kurzfristig – stark abschwächen wird.

Im Hinblick auf die Energiewende sehen wir die Unternehmen mit drei Hauptrisiken konfrontiert: die gesunkene Nachfrage der Verbraucher, Schwierigkeiten entlang der Lieferkette und die Folgen von Unsicherheit und Reisebeschränkungen. Wir möchten jedoch hervorheben, dass der heftige Ausverkauf am Aktienmarkt im Februar und März Chancen bei jenen Aktien eröffnet hat, deren Bewertungen davor überzogen waren. 

Vor allem aber sind wir nach wie vor von den langfristigen Chancen der Energiewende überzeugt. Wenn die Welt den Temperaturanstieg auf unter 2 °C beschränken möchte, so wie dies im Pariser Klimaabkommen 2015 festgelegt wurde, kommt der Energiewende eine entscheidende Rolle zu. Hierbei handelt es sich um eine langfristige Anlagemöglichkeit, die das gesamte Energiesystem in den nächsten 30 Jahren und darüber hinaus grundlegend verändern wird.

Was sind die drei größten Covid-19-Risiken von Aktien, die von der Energiewende profitieren?

Der Wirtschaftsabschwung wird die Nachfrage der Verbraucher dämpfen.

Erstens dürfte der Wirtschaftsabschwung negative Auswirkungen auf die Nachfrage in wichtigen Endmärkten haben, darunter Elektrogeräte, Elektrofahrzeuge und Energietechnik für Wohngebäude. Darunter würden kurzfristig zweifellos jene Unternehmen leiden, die auf den Märkten für Elektroausrüstung und Batterien aktiv sind.

Risiken rund um Lieferketten und Logistik

Das zweite Hauptrisiko betrifft die Lieferkette und die logistischen Risiken von Unternehmen aus den unterschiedlichen Teilsektoren der Energiewende.

China beherrscht die weltweiten Lieferketten und nimmt insbesondere bei der Produktion von Solaranlagen und Lithium-Ionen-Batterien eine Vormachtstellung ein. Da die chinesische Regierung die Bewegungsfreiheit im Land eingeschränkt hat, konnte die Produktion in chinesischen Fabriken nach dem chinesischen Neujahr nur in begrenztem Umfang wieder hochgefahren werden. In vielen anderen Ländern wurde die Produktion inzwischen ebenso stillgelegt.

Gleichzeitig wurden die globalen Transportnetze eingeschränkt. Die logistischen Schwierigkeiten aufgrund der Lockdowns haben nicht nur zu einem geringeren Produktionsvolumen in den Fabriken geführt. Viele Werke bekommen auch keine Rohstoffe und Bauteile geliefert.

Wir sind der Ansicht, dass Entwickler im Bereich der erneuerbaren Energien am stärksten von der Unterbrechung der Lieferketten betroffen sein könnten. Denn wenn keine Geräte geliefert werden, könnte dies den Bau von Anlagen weltweit verzögern. Es könnte auch dazu führen, dass die Preise von Bauteilen steigen – ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Rentabilität von Projekten geht.

Dieses Risiko hat sich bereits bemerkbar gemacht. Das volle Ausmaß etwaiger Auswirkungen wird jedoch davon abhängen, wie hoch die Produktionsausfälle aufgrund des Virus sein werden und ob sie sich in den nächsten Monaten fortsetzen. Viele Projektentwickler, insbesondere in den USA, dürften bereits Lieferungen erhalten haben, die für ihre Bauprojekte im Jahr 2020 bestimmt sind.

Folgen von Unsicherheit und Reisebeschränkungen

Das letzte Risiko steht im Zusammenhang mit der weltweit gestiegenen Unsicherheit und den Reisebeschränkungen. Zusammen könnten diese zwei Kräfte dazu führen, dass neue Projekte für erneuerbare Energien verzögert oder verschoben werden.

2020 sollte ein Rekordjahr für weltweite Windkraft- und Solaranlagen werden – und neue Anlagen aus China waren für dieses Szenario von zentraler Bedeutung. Aufgrund der Reisebeschränkungen und der Schwierigkeiten bei der Sicherung von Investitionen für Bauprojekte ist es jedoch wahrscheinlich, dass Projekte sich verzögern.

Auch hier gilt, dass das volle Ausmaß etwaiger Auswirkungen davon abhängt, welche politischen Gegenmaßnahmen weltweit ergriffen werden.

Welchen Einfluss hatte dies auf die Bewertungen?

Auch wenn wir den weiteren Verlauf des Virus nicht prognostizieren können, sind wir uns nach wie vor der Risiken bewusst und stehen im engen Kontakt mit Unternehmen, um die potenziellen Auswirkungen zu verstehen.

Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass sich die Bewertungen nach dem Markteinbruch trotz der Unsicherheit verändert haben.

Anfang Februar machten die Bewertungen in Teilen des Energiewende-Sektors allmählich einen überzogenen Eindruck, zumindest kurzfristig. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass die Bewertungen von an der Energiewende beteiligten Unternehmen drastisch eingebrochen sind, als sich der weltweite Ausbruch von Covid-19 im März verschärfte.

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Die Bewertungen sind inzwischen nicht mehr so überzogen. Dies hat Chancen bei hochwertigen Unternehmen eröffnet, die wir zuvor auf Risiko-Ertrags-Basis als zu teuer erachtet hatten.

Energiewende nach wie vor ein langfristiges Thema

Es ist uns bewusst, dass die kurzfristigen Risiken rund um das Corona-Virus hoch sind, insbesondere im Hinblick auf die Gewinneinbrüche im Jahr 2020. Der langfristige Wert und das Potenzial von Unternehmen, die an der Energiewende beteiligt sind, haben sich in unseren Augen jedoch nicht wesentlich verändert.

Auch wenn das Corona-Virus das Weltgeschehen beherrscht, hat dies nichts daran geändert, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden müssen und das Tempo des Klimawandels gebremst werden muss. Tatsächlich bestehen die einzigen positiven Nebenwirkungen des Corona-Virus darin, dass es Anzeichen für eine bessere Luftqualität gibt, da die Luftverschmutzung aufgrund der geringeren Wirtschaftstätigkeit in vielen Regionen nachgelassen hat. Wenn wir die Luftqualität langfristig verbessern und gleichzeitig zu einer normalen Wirtschaftsaktivität zurückkehren möchten, sind Investitionen in die Energiewende unabdingbar. 

 

 

Definitionen:

Das EV/EBITDA-Verhältnis ist eine Bewertungskennzahl. Dabei wird der Wert eines Unternehmens (EV) mit seinem Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) verglichen. Der Unternehmenswert entspricht der Marktkapitalisierung eines Unternehmens zuzüglich seiner ausstehenden Nettoschulden. Das EBITDA ist eine Kennzahl für die Cash-Generierung eines Unternehmens vor Fremdkapitalzinsen.

 


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