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Wo man Schutz vor steigender Inflation findet


Im Zuge von Covid-19 haben die Anleger damit begonnen zu debattieren, ob die seit langem schlummernden Inflationsrisiken bald wieder zum Vorschein treten werden.

Anweisungen, zu Hause zu bleiben, und laufende Staatsausgaben haben den Verbrauchern zusätzliche Ersparnisse beschert und einen Nachholbedarf erzeugt, was zusammengenommen letztendlich zu einem Ausgabenschub führen könnte.

Gleichzeitig sind als Folge von Lockdowns viele Unternehmen geschlossen, Kapazitäten in einigen Wirtschaftssektoren wurden zerstört und Teile der Lieferkette zerbrachen. Wenn die Nachfrage schneller steigt als sich die Angebotsseite erholt, könnten die Preise anziehen.

Die Märkte werden sich langsam dieser Möglichkeit bewusst. Die Inflationserwartungen, gemessen an der Renditedifferenz zwischen nominalen und inflationsgeschützten US-Staatsanleihen, haben sich von ihren Tiefständen in der Pandemie stark erholt. Sie liegen jetzt knapp über dem im vergangenen Jahrzehnt vorherrschenden Durchschnitt von 2 %.

Anleger sollten die schädlichen Auswirkungen der Inflation auf den Wert ihres Vermögens nicht unterschätzen. Rapide Preissteigerungen verringern die Kaufkraft einer Währung sowie die Menge an Waren und Dienstleistungen, die man mit Geld kaufen kann.

Dieser Schaden kann durch Investitionen gemindert werden, obwohl Ihr Kapital einem Risiko ausgesetzt ist, und verschiedene Anlageklassen bieten in unterschiedlichem Maße Schutz vor dem Inflationsrisiko. Traditionelle Portfolios wie jene, die Aktien und Anleihen halten, sind potenziell am stärksten gefährdet. 

Wie würde sich eine steigende Inflation auf die Märkte auswirken?

Inflation kann für Inhaber von Vermögenswerten gut sein, wenn ihre Werte schneller als das allgemeine Inflationsniveau steigen. Sie kann jedoch für jeden Anleger mit Engagements in festverzinslichen Anlagewerten schädigend sein.

Anleihen sind daher ein eindeutiges Opfer. Ihre festen Zinszahlungen verlieren an Wert, da sich die Gesamtkosten für Waren und Dienstleistungen beschleunigen und infolgedessen die Renditen höher und die Anleihepreise niedriger werden, um dies auszugleichen.

Es ist unwahrscheinlich, dass kurzfristige Schatzwechsel (T-Bills) zu besseren Ergebnissen führen. Die US-Notenbank hat angekündigt, dass die Zinssätze mindestens für die nächsten drei Jahre nahe Null bleiben werden, um das neue Ziel eines durchschnittlichen Inflationsziels von 2 % zu erreichen, was wiederum Zinserhöhungen als Reaktion auf einen Anstieg der Inflation unwahrscheinlich macht.

Aktien klingen daher möglicherweise verlockender, da ein Preisanstieg theoretisch einem Anstieg der nominalen Einnahmen entsprechen und daher die Aktienkurse ankurbeln sollte. Dies kann jedoch unter Umständen durch einen Rückgang der Gewinnmargen aufgrund eines Anstiegs der Inputkosten der Unternehmen unterlaufen werden.

Darüber hinaus wird der Markt diese künftigen Cashflows häufig stärker diskontieren, wenn die Inflation steigt, um die Tatsache zu kompensieren, dass sie im heutigen Geld weniger wert sind.

Bei ansonsten gleichbleibenden Parametern ist der Abzinsungssatz für Erträge umso höher, je höher die Inflation ist, und desto niedriger ist das KGV, das die Anleger zu zahlen bereit sind (siehe Grafik unten).

Beispielsweise könnte, auch wenn es dafür keine Garantie gibt, ein Anstieg der aktuellen jährlichen US-Inflationsrate auf 4 % zu einem KGV von 17 führen. Das wäre ein Rückgang von 45 % gegenüber aktuellen Bewertungsniveaus.

Welche Vermögenswerte bieten den beständigsten Inflationsschutz?

Eine Inflationsabsicherung ist eine Anlage, die Schutz vor Preissteigerungen bietet. Wie oft erreichen verschiedene Anlageklassen dies? Und variiert das mit der Höhe und Richtung der Inflation?

Genau das zeigen wir in der folgenden Tabelle: den Prozentsatz der rollierenden 12-Monats-Perioden seit 1973, in denen die Anlagerenditen die US-Inflationsrate im jeweiligen Inflationsregime überstiegen. Die Farben geben an, wie häufig ein Vermögenswert die Inflation von Rot (schlecht) über Gelb (durchschnittlich) bis Grün (gut) übertrifft.

Historisch gesehen lag der Sweet Spot für US-Aktien bei niedriger, steigender Inflation (wo wir uns derzeit befinden). Die Wertentwicklung von US-Aktien lag zu 90 % der Zeit über der Inflation. T-Bills schnitten am schlechtesten ab und übertrafen die Inflation nur zu 36 % der Zeit, während US-Staatsanleihen mit einer Erfolgsquote von nur 57 % ebenfalls Probleme hatten.

Wenn die Inflation jedoch hoch war (im Durchschnitt über 3 %) und anstieg, entwickelten sich Aktien und Staatsanleihen zu mehr als die Hälfte der Zeit unterdurchschnittlich. Im Gegensatz dazu lagen Rohstoffe und US-REITs (Real Estate Investment Trusts) an der Spitze und übertrafen die Inflation zu 83 % bzw. 67 % der Zeit.

Dies ist aus intuitiver Sicht schlüssig. Rohstoffe (z. B. Grundstoffe und Energie) sind eine Quelle der Inputkosten für Unternehmen sowie eine Schlüsselkomponente der Inflationsindizes. Per Definition werden sie sich also gut entwickeln, wenn die Inflation steigt.

Ebenso bieten Immobilienvermögen durch die Weitergabe von Preiserhöhungen bei Mietverträgen und Immobilienpreisen zum Teil eine Inflationsabsicherung.

US TIPS (Treasury Inflation Protected Securities) zeigten dagegen eine etwas enttäuschende Erfolgsquote von 63 %. Dies kann daran liegen, dass über eine kurze Haltedauer die Preisauswirkungen von Bewegungen in den realen (inflationsbereinigten) Renditen deren inflationsgebundenes Einkommen dominieren können.

Zum Beispiel würde ein Anstieg der Realrendite bei 10-jährigen TIPS heute von 1 % ihren Marktwert um rund 7 % verringern und den bestehenden Eigentümern einen Marktwertverlust bescheren.

Obwohl Gold häufig als Absicherung gegen Ängste vor Währungsabwertungen angepriesen wird, ist dessen Erfolgsbilanz nicht viel besser. Es übertraf die Inflation nur zu 64 % der Zeit, weniger als REITs und Rohstoffe.

Der Preis für den Inflationsschutz

Die Aufnahme eines inflationsabsichernden Vermögenswerts in ein Portfolio geht allerdings mit Kosten einher, da dadurch das Risikoprofil eines Portfolios erhöht werden kann. Obwohl REITs und Rohstoffe mehr wünschenswerte inflationsabsichernde Eigenschaften aufweisen, dürfte dies auf Kosten volatilerer Portfoliorenditen gehen.

TIPS hingegen sind historisch gesehen weniger volatil. Diese impliziten Kosten sollten nicht ignoriert und bei Entscheidungen zur Vermögensaufteilung berücksichtigt werden.

Anleger müssen entscheiden, wie viel Inflationsschutz sie wünschen und welche impliziten Kosten sie tolerieren möchten. Unabhängig davon, welches Inflationsszenario sich ergibt, steht für traditionelle Aktien- und Anleiheinvestoren einiges auf dem Spiel, und sie können es sich nicht leisten, selbstgefällig zu sein.

Den vollständigen Bericht (in englischer Sprache) zu diesem Thema finden Sie nachstehend als PDF.


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