Momentaufnahme

Die Anleiherenditen sind höher, aber sind sie hoch genug?


Die Renditen von Staatsanleihen sind stark angestiegen, und dies hatte für den restlichen Anleihemarkt spürbare Folgen. Aber wie hoch der Renditezuwachs war, hängt davon ab, welchen Teil man betrachtet.

Und nur ein geringfügiger zusätzlicher Zuwachs der längerfristigen Renditen würde die Anleger dank wichtiger Veränderungen in der Struktur des Anleihemarkts mit Verlusten belasten. Trotz höherer Renditen ist ihr Polster gegen Verluste noch immer hauchdünn. Aber auch an anderer Stelle könnte es relatives Wertpotenzial geben.

Eine kräftige Renditenerhöhung

Letztes Jahr um diese Zeit erzielten kurzlaufende US-Staatsanleihen Renditen von lediglich 0,1 %. Heute zeigen Sie eine Rendite von 2,7 %, da der Markt eine Reihe aggressiver Zinserhöhungen der US-Notenbank eingepreist hat. Die Renditen bei längeren Laufzeiten sind ebenfalls gestiegen, aber nicht in gleichem Umfang, von 2,1 % auf 3,1 %. Diese Zahlen beziehen sich auf Anleihen mit einer Laufzeit von 1–5 Jahren bzw. Anleihen mit einer Laufzeit von über 15 Jahren.

Da die Kreditrisikoaufschläge sich ebenfalls erhöhen, sind die Renditen von Unternehmensanleihen noch kräftiger gewachsen als die von Staatsanleihen. Und auch die Renditen von Schwellenländeranleihen (Hartwährung, Lokalwährung und Unternehmensanleihen) haben zugelegt.

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Aber nehmen Sie sich in Acht vor einer erhöhten Sensitivität gegenüber Bewegungen bei den Renditen

Einer der wichtigsten Trends an den Anleihemärkten der letzten Jahrzehnte war die erhöhte Sensitivität der Kurse gegenüber Veränderungen der Renditen. Als sich 2008 die gesamte Renditekurve der US-Staatsanleihen um 1 % nach oben verschob, erlebten die Anleger am breiten Markt der US-Staatsanleihen einen Wertverlust dieser Anlagen um etwa 5,6 %. Heute wären es 7,0 %.

Dies ist am beunruhigendsten für Anleger in Anleihen mit längerer Laufzeit, deren Kurse empfindlicher auf Renditebewegungen reagieren. Und die noch empfindlicher geworden sind.

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Es ist wichtig, zu beachten, dass diese Sensitivität in beide Richtungen geht. Anleihen mit längerer Laufzeit würden einen größeren Kursgewinn verzeichnen als andere und als in der Vergangenheit, falls die Renditen noch weiter fallen würden.

Sicherheitsmarge

Obwohl die Renditen zugelegt haben, sind sie immer noch niedrig. In Verbindung mit der größeren Sensitivität von Anleihen gegenüber Renditebewegungen wäre nur ein kleiner weiterer Renditeanstieg nötig, um viele Anleger auf Verlusten sitzen zu lassen. Dies gilt insbesondere für längerfristige Anleihen. Ein Renditezuwachs längerfristiger Staatsanleihen um 0,2 % oder längerfristiger Unternehmensanleihen um 0,3 % wäre alles, was dafür nötig wäre.

Aber durch den steilen Anstieg der kurzfristigen Renditen werden sie nun zu einem interessanten Angebot. Ihre Renditen haben weiter zugelegt, und es gibt nur noch sehr wenige Unterschiede zwischen kurz- und langfristigen US-Staatsanleihen.

Der Markt preist nun auch aggressiv eine Wahrscheinlichkeit von über 70 % ein, dass die US-Notenbank die Zinsen bis Ende 2022 um mindestens 2,5 % anhebt. Geschieht dies nicht, könnten die Renditen für politisch sensiblere kurzfristige Anleihen fallen und ihre Kurse in die Höhe treiben.

Und auf der anderen Seite der Gleichung müssten die Renditen um einiges mehr steigen, damit die Anleger Geld verlieren. Im Vergleich zu langfristigen Anleihen und Barmitteln hat sich das Anlageszenario für kurzfristige Anleihen stark verbessert.

Unternehmensanleihen mit längeren Laufzeiten haben weiterhin einen etwas größeren Vorteil gegenüber kürzeren Laufzeiten, aber dieser hat sich deutlich verringert. Und auf dem aktuellen Niveau können Anleihen mit kürzeren Laufzeiten auch einen viel größeren Renditeanstieg verkraften, bevor sie anfällig für Verluste sind. Das gleiche gilt für Hochzins- und Schwellenländeranleihen – obwohl sie mit zusätzlichen Kredit- und Währungsrisiken verbunden sind.

Viele Menschen kaufen langfristige Anleihen aus anderen Gründen als der Rendite – zum Beispiel Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften, die ihre Haftungsrisiken steuern, und Anleger, die hoffen, dass sie sich gut entwickeln, wenn es einen Ausverkauf bei Aktien gibt. Für diejenigen, die sich eher an Renditen orientieren und bereit sind, flexibler vorzugehen, eröffnen sich jedoch anderswo Möglichkeiten.

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