3 Min | Perspektiven

Die „Homebody Economy“ – Investieren in Ihr digitales Heim


Es steht außer Frage, dass britische Aktien derzeit nicht gerade auf Begeisterung stoßen. Keine Likes, keine Shares, keine Freundschaftsanfragen. Die bemerkenswert düstere Stimmung rund um diesen Markt hat sogar Anleger aus dem Vereinigten Königreich erfasst, die Anlagen in ihrem Land doch positiver gegenüberstehen sollten.

Diese flauen Gefühle sind nicht nur auf das Unwohlsein zurückzuführen, das die Pandemie ausgelöst hat. Obwohl die britische Wirtschaft bis zu einem gewissen Grad vom Dienstleistungssektor geprägt ist, leidet sie nicht als einzige unter den negativen Auswirkungen von COVID-19.

Tatsächlich konzentrieren sich die staatlichen Hilfsprogramme wie „Eat Out to Help Out" (zu Deutsch: auswärts essen, um zu helfen) auf die besonders verwundbaren Dienstleistungsbereiche der Wirtschaft.

Liegt es vielleicht am Brexit? Im letzten Jahr, als sich internationale Anleger noch vor dem Austrittstermin von britischen Aktien abwandten, war die Stimmung ähnlich gedrückt. Nachdem klar geworden war, dass mit dem Brexit nicht das Ende der Welt hereinbrechen würde, erholten sich britische Mid-Cap-Aktien kräftig.

Jetzt sind wir wieder an diesem Punkt. Der aktuellsten monatlichen Umfrage der Bank of America zufolge sehen Fondsmanager britische Aktien so düster wie seit zwei Jahren nicht, was sich in entsprechenden Untergewichtungen niederschlägt.

Wird sich die Geschichte wiederholen? Das kann niemand garantieren. Doch erscheint es durchaus angemessen anzunehmen, dass die derzeitigen Ängste abklingen werden, sobald das politische Säbelrasseln in den Verhandlungen mit der EU in ein Abkommen mündet, und dass sich die britischen Aktienkurse in der Folge erholen werden.

Ein Diagramm von Peel Hunt beleuchtet die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. Es verdeutlicht die Konsenserwartung der Analysten, dass die Gewinne je Aktie in bestimmten Märkten steigen werden. Der FTSE 250 dürfte sich weit schneller erholen als andere wichtige Märkte, wie unten gezeigt.

Die in diesem Dokument enthaltenen Prognosen stellen keine verlässliche Grundlage für eine Anlageentscheidung dar, sind nicht garantiert und werden nur per Datum dieses Dokuments bereitgestellt. Prognosen und Annahmen können von externen Faktoren beeinflusst werden und Änderungen unterliegen.

Bewertungen sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Britische Small- und Mid Caps werden gegenüber vergleichbaren globalen Aktien anhand einer Mischung aus Bewertungsmaßstäben (z. B. auf Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Basis) mit einem Abschlag von etwa 25 % gehandelt.

Unabhängig davon, ob das Vertrauen zurückkehrt, konzentrieren wir uns auf ein bestimmtes Marktmerkmal – die „Homebody Economy“.

Warum die „Homebody Economy“ floriert

Anleger in den USA sind mit dem Begriff „Home Economy“ durchaus vertraut, in anderen Teilen der Welt eher weniger. Dieser Begriff beschreibt die Tatsache, dass wir alle seit den Lockdown-Maßnahmen verstärkt zu Hause einkaufen, studieren, arbeiten und uns unterhalten. 

„Homebody“ wird nicht mehr abwertend gebraucht, sondern der Begriff spiegelt einen weitverbreiteten, zunehmenden Trend wieder, eine Kraft, mit der zu rechnen ist. Das Wichtigste dabei ist, dass schnell wachsende britische Technologie- oder technologiegestützte Unternehmen und ihre Wegbereiter weitreichende Anlagemöglichkeiten bieten.

In meiner Welt als Anleger, der sein Hauptaugenmerk auf mittelgroße FTSE-250-Unternehmen oder Mid Caps legt, sehe ich bestimmte Branchen und Sektoren fest in diesem Bereich verankert.

Die neuen Trends sind Ihnen sicherlich schon aufgefallen: Ein Beispiel ist der Haustierboom, der vermutlich der neuen Normalität geschuldet ist, zwei oder drei Tage pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Die zunehmende Beliebtheit der Haustierhaltung erweist sich als Segen für Unternehmen wie Pets at Home, einen Großsupermarkt für Haustierhalter, dessen Fililalen meist an den Stadträndern zu finden sind.

Auch der Gaming-Bereich wächst im großen Stil. Da das Pendeln wegfällt und die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen, geben viele ihr Geld für Unterhaltung aus. Deshalb florieren nicht nur PC-Spiele, sondern auch Brett- und Tischspiele.

Spiele wie Warhammer, ein Strategiespiel, das bisher eher Jugendliche ansprach, erleben in letzter Zeit wahre Höhenflüge. Der Eigentümer, The Games Workshop, streicht die Gewinne ein.

Wohnungsrenovierung ist ein weiterer aufstrebender Trend. Er ist der Tatsache geschuldet, dass viele nach längerem Aufenthalt in ihren vier Wänden feststellen mussten, dass diese einer dringenden Überholung bedurften. Folglich verzeichnen Einzelhandelsunternehmen in Gewerbeparks wie die Möbelhauskette DFS oder Dunelm, ein Anbieter von erschwinglichen Haushaltswaren und Möbeln, eine steigende Nachfrage. 

Diese vermehrte Arbeit im Homeoffice ist jedoch nur dank guter Konnektivität und zuverlässiger Technologie möglich. Wer von zu Hause arbeitet, ist den Launen der Technologie ausgesetzt. Deshalb florieren inmitten des digitalen Homebody-Booms Unternehmen, die entsprechende Infrastruktur und Unterstützung anbieten.

Beispiele sind unterbewertete britische Technologieunternehmen wie Computacenter (das seine Gewinnprognosen laufend nach oben korrigiert) und Softcat.

Andere Trends sind hingegen weniger deutlich. Die zunehmende Aktivität an den Aktienmärkten ist für Online-Handelsunternehmen sehr hilfreich. Sie ist auf ein Bevölkerungssegment zurückzuführen, das über mehr Zeit (und Privatsphäre!) verfügt, um das Internet zu durchstöbern. Eine Rolle spielten auch die Einsparung von Reisekosten und die Inspiration durch die atemberaubende Rallye von Aktien wie Apple, Amazon und Tesla.

Digital fortgeschrittene britische Online-Finanzunternehmen, die auf Differenzgeschäfte setzen, wie IG Group und CMC Markets, erfreuen sich eines wachsenden Publikums.

Und wie steht es um die Aktien von Büroraumanbietern? Auch diese können von der zunehmend digitalisierten Welt profitieren. IWG, die größte flexible Büroraum-Plattform, ist gut aufgestellt, um auf die neue Situation zu reagieren, in der Beschäftigte zum Teil im Homeoffice und dann wieder im Team im Büro arbeiten.

Viel hängt davon ab, welche dieser Trends sich als dauerhaft erweisen werden. Die Regierung fordert uns auf, in die Büros zurückzukehren. Doch die Veränderungen, die bereits im Gange waren, wurden durch die Pandemie beschleunigt.

Geschickte Anleger sehen sich nun vor der Aufgabe, die Entwicklung richtig einzuschätzen. Nur wenn ihnen dies gelingt, können sie die Gewinner und die Verlierer auf lange Sicht identifizieren.


Wichtige Hinweise:

Schroders hat in diesem Dokument eigene Ansichten und Meinungen zum Ausdruck gebracht. Diese können sich ändern.

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Die in diesem Dokument aufgeführten Prognosen basieren auf statistischen Modellen, die auf einer Reihe von Annahmen basieren. Prognosen unterliegen einem hohen Grad an Unsicherheit bezüglich zukünftiger Wirtschafts- und Marktfaktoren, welche die tatsächliche zukünftige Wertentwicklung beeinflussen können. Die Prognosen werden Ihnen zu informativen Zwecken mit Stand des heutigen Datums zur Verfügung gestellt. Unsere Einschätzungen können sich je nach den zugrunde liegenden Annahmen wesentlich ändern – beispielsweise aufgrund von Änderungen der Wirtschafts- und Marktbedingungen. Wir übernehmen keine Verpflichtung, Sie über Aktualisierungen oder Änderungen unserer Daten zu informieren, wenn sich Wirtschafts- und Marktbedingungen sowie Modelle oder andere Faktoren ändern.