Momentaufnahme - Märkte

Gehen durch Private Equity wirklich Arbeitsplätze verloren?

Private Equity hängt der Ruf an, Unternehmen in Söldnermanier auszuschlachten und dabei nebenbei noch Arbeitsplätze zu vernichten. Dies zeigt unseres Erachtens nicht das ganze Bild.

28.11.2019

Duncan Lamont

Duncan Lamont

Head of Research and Analytics

Private Equity wird oft die Rolle des bösen Buben der Finanzwelt zugeschrieben. Es sei der pure kaltblütige Kapitalismus. Hollywood porträtiert die Branche gerne mit Charakteren, die Unternehmen Schulden aufladen, Arbeiter entlassen und Vermögenswerte abziehen.

Für viele dürfte die erste Begegnung mit Private Equity der von Richard Gere gespielte Charakter Edward Lewis im Blockbuster „Pretty Woman“ aus den 1980er-Jahren gewesen sein. Die Strategie von Lewis bestand darin, Unternehmen zu kaufen und sie dann aggressiv zu zerschlagen (für die Story des Films nicht weiter von Bedeutung). Dieses Bild wird durch die Medien oft verstärkt. So titelte die Financial Times unlängst:

Private-Equity-Übernahmen börsennotierter Unternehmen treffen einer Studie zufolge Arbeitsplätze am härtesten.1

In dem Artikel heißt es, dass im Durchschnitt 13 % der Jobs verloren gingen. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass sich diese Zahl konkret auf börsennotierte Unternehmen und nicht auf alle Private-Equity-Übernahmen bezieht. Im digitalen Zeitalter wird aber unsere Aufmerksamkeit auf die Schlagwörter „Private-Equity-Übernahmen“ und „trifft Arbeitsplätze“ gelenkt – und nicht unbedingt auf die Details. Im sechsten Absatz erfahren wir dann Folgendes:

Andere Arten von Firmenkäufen führen zu positiven Ergebnissen für die Belegschaft. Die Beschäftigung steigt um zwölf Prozent, wenn ein Finanzinvestor ein privates Unternehmen übernimmt. Sie steigt auch bei Verkäufen von einem Finanzinvestor an den anderen.

Die Studie, auf die sich der Artikel bezieht2, macht ferner deutlich, dass der Anteil der börsennotierten Unternehmen an den gesamten Private-Equity-Übernahmen nur 10 % betrug. Ein weit größerer Prozentsatz – nämlich 43 % – entfällt auf Übernahmen privater Unternehmen, die dem Artikel zufolge zu erheblichen Beschäftigungsgewinnen führen. Weitere 22 % entfallen auf Verkäufe zwischen Private-Equity-Firmen, die laut den Schlussfolgerungen des Artikels ebenfalls neue Arbeitsplätze geschaffen haben.

Das ganze Bild

Eine 2012 durchgeführte Studie von Schroder Adveq3 – dem Private-Equity-Arm von Schroders – lieferte weitere Belege dafür, dass Private Equity eine positive Wirkung haben kann. Die Studie untersuchte die Beschäftigungszahlen der 460 europäischen Portfoliounternehmen, in die Schroder Adveq zwischen 2000 und 2011 investiert war, im Vergleich zu den Zahlen im Jahr 2012 (oder dem Beschäftigungsniveau zum Zeitpunkt des Exits, falls das Unternehmen das Portfolio verlassen hatte).

Es zeigte sich, dass Schroder Adveq mit seinen kleinen Buy-out-Investitionen in Europa die Beschäftigung um 33 % steigern konnte, während die großen und mittleren Käufe einen Zuwachs von 23 % mit sich brachten. Selbst Investitionen, die vor der Finanzkrise von 2008/2009 getätigt wurden, hatten bis 2012 zu einem Beschäftigungsgewinn von knapp 20 % geführt. Und dies zu einer Zeit, in der europaweit die Arbeitslosigkeit stark anstieg.

Die Financial Times hätte demnach genauso gut titeln können, dass Private-Equity-Übernahmen privater Unternehmen neue Arbeitsplätze schaffen. Viele Teilbereiche von Private Equity schaffen einen ungeheuren gesellschaftlichen Wert. Denken wir nur an die Venture-Capital-Branche, deren Beitrag zum Aufbau der Weltklasse-Unternehmen von morgen hier nicht einmal ansatzweise gesprochen wurde.  

Die Studie schließt mit folgender Feststellung:

Unsere Ergebnisse zeigen, dass es im Private-Equity-Kontext höchst irreführend ist, von sozialen Auswirkungen zu sprechen. Denn die tatsächliche Wirkung solcher Übernahmen variiert stark nach Transaktionstyp und mit den Marktbedingungen.

Wir sind generell ein großer Freund von einfachen Erklärungen, doch selten liegen die Dinge so klar auf der Hand. So gibt es – wie überall – Akteure mit guten und weniger guten Absichten. Private Equity ist dabei nicht kategorisch der „Bad Boy“, als der die Branche gerne dargestellt wird.

„Private equity takeovers of listed companies hit jobs hardest“, FT, Oktober 2019

2 „The Economic Effects of Private Equity Buyouts“, S. Davis, J. Haltiwanger, K. Handley, J. Lerner, B. Lipsius und J. Miranda, 2019

3 „Benefits of Private Equity for the European Economy“, Adveq (jetzt Schroder Adveq), 2013

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Duncan Lamont, CFA, Leiter Research und Analyse und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.