Perspektiven

Hat die COP26 die Energiewende vorangetrieben?


Die vergangenen Wochen standen im Zeichen der Klimakonferenz COP26 in Glasgow, bei der Politiker aus aller Welt Pläne zur Reduzierung schädlicher Emissionen und zur Begrenzung des Temperaturanstiegs diskutierten.

Es gab viele Ankündigungen und Versprechen. Wir konzentrieren uns hier auf die wichtigsten Ankündigungen für Anleger, die in die Energiewende investieren.

Netto-Null-Ziele

Der Fokus auf Netto-Null ist sehr positiv. Auf früheren Konferenzen wurde nur von einer Emissionsreduktion gesprochen, weshalb das ehrgeizigere Ziel der Netto-Null-Emissionen ein Schritt nach vorn ist. Das ist wichtig, denn nur durch die endgültige Eindämmung schädlicher neuer Emissionen kann der globale Temperaturanstieg verhindert werden.

Die EU, die USA und China hatten bereits vor der COP26 Netto-Null-Ziele festgelegt. Indien hat sich ihnen nun angeschlossen. Das Land hat sich allerdings erst das Jahr 2070 zum Ziel gesetzt – für die USA und die EU läuft die Frist schon 2050 ab. Indien hat sich außerdem zu einer erneuerbaren Energieerzeugung von 500 GW bis 2030 verpflichtet. Dies würde 50 % der Energieversorgung des Landes ausmachen.

Das ist aus Klimasicht ermutigend. Die IEA gab auf der COP26 an, dass die bisherigen Zusagen – wenn sie wie geplant umgesetzt werden – die globale Erwärmung bis 2100 auf 1,8 °C begrenzen könnten. Versprechen sind jedoch noch keine Realität, und die Länder müssen noch viel mehr tun, um ihre Netto-Null-Ziele zu erreichen.

Aus Investitionssicht besteht eine wirklich spannende Gelegenheit, Unternehmen zu finden, die dazu beitragen können, den Übergang zu Netto-Null über die angegebenen Ziele hinaus zu beschleunigen.

Methan

Was die Methanemissionen betrifft, so wurden auf der COP26 einige wichtige Fortschritte erzielt. Eine Allianz aus 90 Nationen hat sich verpflichtet, Methanemissionen bis 2030 um 30 % zu reduzieren. Dieses Ziel ist unverbindlich und umfasst weder China, Indien noch Russland. Dennoch sind diese Bemühungen zu begrüßen.

Dies ist wichtig, da die Auswirkung von Methan auf die Klimaerwärmung deutlich größer ist als die von CO2, obwohl CO2 länger in der Atmosphäre verbleibt.

Das wird Auswirkungen auf einige der großen Ölkonzerne haben, die Methan als Teil ihrer Öl- & Gasausgabe produzieren. Die USA haben beispielsweise den Methane Emissions Reduction Action Plan angekündigt, in dessen Rahmen die Environmental Protection Agency neue Vorschriften zur Ausweitung und Stärkung der Reduzierung der Methanemissionen für neue Öl- und Gasanlagen vorschlagen wird.

Fossile Brennstoffe

Ein weiteres wichtiges Thema war der Kohleausstieg. Mehr als 40 Länder – darunter einige große Kohleverbraucher wie Polen – haben sich zum Kohleausstieg verpflichtet. Auch hier haben sich einige wichtige Akteure nicht beteiligt. So verweigerten China und die USA ihre Unterschrift.

In einer separaten Zusage haben 20 Länder, darunter auch die USA, zugestimmt, die öffentliche Finanzierung für fossile Brennstoffprojekte im Ausland bis Ende 2022 einzustellen. Solche Projekte verbrennen fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas, ohne dass Technologien zur Abscheidung der CO2-Emissionen eingesetzt werden.

Enttäuschend ist, dass auf der COP26 nur begrenzt über erneuerbare Energietechnologien diskutiert wurde.

Einige COP-Teilnehmer und -Beobachter waren enttäuscht, dass der Glasgow-Klimapakt (der von allen Ländern vereinbarte endgültige Konferenztext) nur davon sprach, die Subventionen für Kohle und fossile Brennstoffe allmählich zu reduzieren, anstatt sie ganz einzustellen. Dies kann jedoch als Fortschritt gewertet werden, da Kohle und fossile Brennstoffe im endgültigen Abkommen zum ersten Mal explizit erwähnt werden.

Wir würden argumentieren, dass die Formulierung selbst vielleicht weniger wichtig ist als die Handlungen, die folgen werden. Hier können sowohl Verbraucher als auch Unternehmen die treibenden Kräfte des Wandels sein.

Klimafinanzierung

Die USA, die EU und Großbritannien haben 8,5 Mrd. US-Dollar zugesagt, um Südafrika beim Kohleausstieg zu helfen.

Insgesamt gab es jedoch nur geringe Fortschritte beim Thema Finanzierung. Die Industrieländer haben ihr versprochenes Ziel einer jährlichen Klimafinanzierungsrate von 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr für die Schwellenländer immer noch nicht erreicht, und werden dies auch für weitere drei Jahre nicht tun.

Das ist enttäuschend, nicht zuletzt, weil die Begründung der Klimafinanzierung im Hinblick auf die Erzielung von Renditen heute wesentlich wasserdichter ist als in der Vergangenheit. Wir haben im Laufe der vergangenen 20 Jahre große Innovationen im Bereich Klimawandel und Klimatechnologie erlebt, wodurch diese Technologien jetzt kosteneffektiv sind.

Infolgedessen macht es immer weniger Sinn, in Schwellenländern noch in neue fossile Brennstoffkapazitäten zu investieren, wenn man direkt in erneuerbare Energien investieren könnte.

Verkehr

Ein globales Abkommen zum Verkehr wurde auf der COP erneut verfehlt, aber es gab einige positive Entwicklungen.

Rund 30 Länder haben sich auf einen Rahmen geeinigt, der dazu beitragen soll, emissionsfreie Fahrzeuge bis 2030 überall erschwinglich und zugänglich zu machen. Großbritannien hat sich außerdem verpflichtet, den Verkauf neuer Diesel-Lkw bis 2040 einzustellen.

Darüber hinaus haben 19 Regierungen ihre Absicht bekundet, die Einrichtung von „grünen Schifffahrtskorridoren“ – also emissionsfreien Schifffahrtsrouten zwischen zwei Häfen – zu unterstützen. Dazu gehören der Einsatz emissionsfreier Schiffstechnologien und die Einrichtung alternativer Kraftstoffe und Ladeinfrastruktur in den Häfen.

CO2-Märkte

Wir hatten auf Fortschritte beim Thema CO2-Märkte gehofft. Dies ist ein Thema, das nach der Pariser COP21 im Jahr 2015 ungeklärt war, daher sind die Entwicklungen hier ermutigend.

Auf der COP26 wurden Regeln vereinbart, um einen Markt für Einheiten zu schaffen, die Emissionsreduktionen darstellen, mit denen Länder handeln können. Die Regeln sind ziemlich vorläufig, stopfen aber einige der Schlupflöcher, über die sich viele Klimaexperten Sorgen gemacht hatten.

Wie geht es weiter?

Wir glauben, dass es drei Katalysatoren gibt, die für Anlagechancen in der Energiewende sorgen: Kosten, Verbrauchernachfrage und Politik. Die Kosten erneuerbarer Technologien sinken weiter, was eine breitflächige Einführung ermöglicht. Auch das Bewusstsein der Verbraucher für Klimafragen wächst, was eine steigende Nachfrage zufolge hat.

Aus politischer Sicht wären mehr Details von der COP26 sicherlich wünschenswert gewesen. Der Abschlusstext der Konferenz hält das Ziel am Leben, den Temperaturanstieg bis 2050 auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Den Regierungen steht in Bezug auf ihre national festgelegten Beiträge (NDCs) jedoch noch viel Arbeit bevor.

Die NDCs sind im Wesentlichen die Maßnahmen, die die Länder ergreifen, um ihre nationalen Emissionen zu reduzieren. Die derzeit versprochenen Emissionsreduktionen bis 2030 sind noch lange nicht genug und würden einen globalen Temperaturanstieg von ca. 2,4 °C bedeuten. Die NDCs – und insbesondere die Maßnahmen für 2030 – werden auf der nächsten COP erneut aufgegriffen werden.

Langfristige Rahmenbedingungen zu Themen wie CO2-Preise, Klimafinanzierung und Emissionsreduktionen würden politische Stabilität schaffen. Dies wiederum würde es sowohl Unternehmen als auch Verbrauchern erleichtern, Kapital einzusetzen und Entscheidungen mit einer langfristigen Perspektive zu treffen, ohne befürchten zu müssen, dass sich das politische Umfeld plötzlich ändern könnte. Darauf sollte man achten, wenn die COP27 im nächsten Jahr in Ägypten ausgerichtet wird.

 

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