Momentaufnahme - Märkte

Was ist die Energiewende und warum ist sie wichtig für Anleger?

Die Wende hin zu erneuerbarer Energie gewinnt an Fahrt und wird große Disruptionen mit sich bringen.

20.08.2019

Mark Lacey

Mark Lacey

Fondsmanager

Erneuerbare Energie wird bald Kernbestandteil des Energiemix sein. Im Mai dieses Jahres erzeugte Großbritannien zum ersten Mal seit 1882 eine ganze Woche lang keine Energie aus Kohle. Saubere Energiequellen werden zunehmend als kosteneffiziente und emissionsarme Alternative zu Kohle, Erdöl und Gas eingesetzt.

Gegenwärtig stellen erneuerbare Energien jedoch nur einen kleinen Teil des weltweiten Energiemix. Dies muss sich ändern, wenn wir Klimaziele wie das Übereinkommen von Paris, nach dem die Erderwärmung auf 2°C begrenzt werden soll, erreichen wollen. Ein schneller Umstieg auf erneuerbare Energien ist deshalb dringend erforderlich.

Ein Wechsel zu neuen Energiequellen kam bislang zweimal vor: der Umstieg von traditionellen Biobrennstoffen (wie Holz) zu Kohle Ende des 19. Jahrhunderts und von Kohle zu Erdöl und Gas Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Abbildung unten zeigt, wie sich der globale Energiemix seit 1800 verändert hat und dass erneuerbare Energien derzeit nur einen kleinen Teil der weltweit verbrauchten Energie decken. Wir glauben aber, dass erneuerbare Energiequellen in den nächsten 30 Jahren für 30–40 % des Gesamtmix aufkommen könnten.

Veränderung im primären Energieverbrauch

20190812_Verteilung_Energieverbrauch_weltweit.png

Quelle: BP, Our World in Data, Schroders, Stand Januar 2019.

Die Energiewenden der Vergangenheit waren langfristige strukturelle Veränderungen, die sich als hochgradig disruptiv erwiesen. Der Einsatz von Kohle wurde durch die Einführung der Dampfmaschine beschleunigt. Dem Übergang zu Öl und Gas lag die Erfindung des Verbrennungsmotors zugrunde. Diese Technologien brachten erhebliche gesellschaftliche Veränderungen mit sich.

Es dauerte rund 70 Jahre, bis Kohle sich flächendeckend durchsetzte; bei Öl und Gas waren es rund 50 Jahre. Wir glauben, dass die vollständige Verbreitung von erneuerbaren Energien mit etwa 30 Jahren wesentlich schneller vonstatten gehen wird. Der Grund? Der Wandel erfolgt gezwungenermaßen. Aufgrund der Gefahren des Klimawandels haben Regierungen gar keine andere Wahl, als den Umstieg auf erneuerbare Energien zu fördern. 

Der Wechsel von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energiequellen ist jedoch nur ein Aspekt der Energiewende. Genauso wichtig ist die Entwicklung der Infrastruktur, die für diesen Wechsel erforderlich ist. Beispielsweise können Wind- und Solaranlagen zwar riesige Energiemengen erzeugen, wenn es windig oder sonnig ist. Diese Energie muss jedoch gespeichert werden, bis sie von den Verbrauchern benötigt wird.

Ähnlich werden beträchtliche Investitionen in die Übertragungs- und Verteilernetze erforderlich sein, um die steigende Nachfrage speziell nach Elektrizität zu decken. Ferner sind erhebliche Investitionen insbesondere in neue Technologien erforderlich, um das System insgesamt effizienter zu machen. Ein wichtiger diesbezüglicher Aspekt ist die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen, die eine neue und großangelegte Ladeinfrastrukur erforderlich machen.

Um es kurz zu fassen: Wenn wir von Energiewende sprechen, sind erneuerbare Energiequellen nur ein Teil des Ganzen. Die Masseneinführung von Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, die Energiespeicherung, bessere Übertragungs- und Verteilernetze sowie der zunehmende Einsatz von Technologien zur Verbesserung der Energieeffizienz sind ebenfalls Teil des Energiewandels. Folglich rechnen wir in den nächsten Jahrzehnten mit erheblichen Disruptionen im Energiesektor.    

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Mark Lacey, Fondsmanager, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.