Im Fokus

Was Unternehmen uns über Rezessionsrisiken sagen?


Ende 2021 haben US-Unternehmen so oft wie noch nie über das Thema Inflation gesprochen.

Bei Gesprächen mit Unternehmen wird das Thema Inflation immer noch häufig zusammen mit den Themen Löhnen und Lieferketten erwähnt. Doch die Unternehmen richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf das Risiko einer Rezession, und die Rezessionsängste waren noch nie so hoch.

Woher wissen wir das? In Zusammenarbeit mit den Experten unserer Data Insights Unit (DIU) haben wir die Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing, NLP) genutzt, um Tausende von Gewinnmitteilungen zu analysieren. Dabei handelt es sich um die Mitschriften der Aussagen, die börsennotierte US-Unternehmen im Rahmen ihrer Gewinnprognosen präsentiert haben.

Es wäre aber eine äußerst mühselige Angelegenheit, diese Mitteilungen jeden Monat von Hand zu analysieren. Bei NLP wird jedoch die Power von Computern genutzt, um die Anzahl der Dokumente zu erfassen, in denen ein bestimmtes Wort oder ein Ausdruck erwähnt wird.

Die Unternehmen machen sich ganz klar Sorgen über eine Rezession

Im zweiten Quartal dieses Jahres war die Anzahl der Meldungen, in denen das Wort Rezession enthalten war, so hoch wie seit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 (Abbildung 1). Unternehmen aus den Bereichen Finanzen und Industrie haben am häufigsten über das Thema Rezession berichtet, sodass die Hälfte der dokumentierten Nennungen zu diesem Thema auf diese beiden Bereiche entfallen.

Auch wenn diese Analyse seit 2005 nur mit zwei Rezessionen verglichen werden kann, ist der Zuwachs bei der Erwähung des Begriffs Rezession durchaus besorgniserregend. Wenn diese Zahlen hoch waren, hat sich die US-Wirtschaft in der Vergangenheit immer in einer Rezession befunden. In diesem Zusammenhang nutzen wir Informationen über Rezessionen, die vom NBER (dem National Bureau of Economic Research) offiziell datiert worden sind.

Gleichzeitig ist die Zahl der Meldungen, die eine Rezession in Kombination mit Worten wie „Bedenken“ und „Sorgen“ erwähnen, auf ein Allzeithoch gestiegen. Unternehmen sprechen nicht nur über eine Rezession, sondern machen sich auch ganz deutlich Gedanken darüber.

605603_SC_Webcharts_What-are-companies-talking-about_DE_Chart-1_770px.png

Da die US-Notenbank (Fed) mit einer raschen Zinssteigerung auf die hohe Inflation reagiert hat, überrascht es nicht, dass Unternehmen und auch die Öffentlichkeit verstärkt über das Thema Rezession sprechen. Wir wissen, dass auch die Öffentlichkeit besorgt ist, weil die Google-Suchen nach dem Wort Rezession sprunghaft angestiegen sind und bei den US-Unternehmen scheint das Thema Rezession sogar noch häufiger angesprochen zu werden (Abbildung 2).

Vielleicht machen sich die US-Verbraucher Sorgen über einen bevorstehenden Konjunkturabschwung, da ihre Einkommen von höheren Energie- und Lebensmittelpreisen unter Druck gesetzt werden.

Im Vergleich dazu waren die Unternehmensgewinne in diesem Jahr bisher solide, zumal einige Unternehmen mit entsprechender Preismacht die höheren Kosten weitergeben konnten. Trotzdem sehen sich die Unternehmen zunehmend mit steigenden Löhnen und Rohstoffpreisen konfrontiert. In der bevorstehenden Berichtssaison könnte das Thema Rezession bei den Unternehmen also noch häufiger erwähnt werden.

605603_SC_Webcharts_What-are-companies-talking-about_DE_Chart-2_770px.png

Gespräche über Löhne und Gehälter haben ebenfalls zugenommen, während auch das Thema Inflation nach wie vor hoch im Kurs steht

Bei den Unternehmen wird die Rezession mit Sicherheit häufiger erwähnt, allerdings gibt es auch eine Rekordzahl von Meldungen, in denen das Thema Inflation genannt wird, und zwar jeweils in Kombination mit Worten wie „Zunahme“ oder „Anstieg“. Abbildung 3 zeigt, dass der NLP-Inflationsindex die tatsächliche Inflationsrate in den USA nachbildet. Anders ausgedrückt: Die Diskussionen zum Thema Inflation in den Unternehmen bestätigen das, was in der Gesamtwirtschaft zu beobachten ist.

605603_SC_Webcharts_What-are-companies-talking-about_DE_Chart-3_4_770px.png

Angesichts der weiterhin häufigen Erwähnung des Begriffs Inflation in den Gewinnmitteilungen, sehen wir auch, dass das Thema Löhne in diesem Jahr häufiger erwähnt wird. Abbildung 4 zeigt, dass die Anzahl der Dokumente mit dem Wort „Lohn“ auf ein Allzeithoch gestiegen ist und sich eng mit den Lohnsteigerungen bewegt hat.

So hat es seit Anfang des Jahres den Anschein, dass die Konzern-Manager sich mehr Sorgen um die Zweitrundeneffekte der Inflation machen. Auch das ist keine Überraschung, da sich die Inflation dauerhafter als erwartet gezeigt hat und der Arbeitsmarkt in den USA weiterhin angespannt blieb.

Welche Thema wird von den Unternehmen derzeit am liebsten kommuniziert?

In unserem Screening der Schlüsselwörter verzeichnen die „Lieferketten“ weiterhin die häufigste Erwähnung, wie auch schon im letzten Quartal (Abbildung 5). Und das, obwohl Lieferzeiten gemäß den Einkaufsmanagerindizes (PMIs) zurückgehen.

Angesichts der von den chinesischen Behörden weiter verfolgten Null-Covid-Strategie sind neuerliche Lockdowns in China hier wahrscheinlich die treibende Kraft. Darüber hinaus könnte der anhaltende Krieg in der Ukraine zu weiteren Störungen führen.

Es ist also kein Wunder, dass sich die Unternehmen nach wie vor Gedanken über Probleme in den Lieferketten machen.

605603_SC_Webcharts_What-are-companies-talking-about_DE_Chart-5_770px.png

Der Begriff Inflation ist ganz knapp auf dem zweiten Platz gelandet, gefolgt vom Begriff Rezession, der im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres häufiger als  „Lohn“ genannt wurde.

Im Vorgriff auf den Beginn der jüngsten Berichtssaison in den USA wird es interessant sein zu sehen, ob die Unternehmen nach dem Thema Inflation jetzt auf das Thema Rezession umschwenken. Daraus ließe sich ableiten, dass die Unternehmen sich mehr Sorgen über das Wachstum und die Gewinnaussichten machen.

Eine entsprechende Verschiebung würde in unsere Analyse zur aktuellen Lage im Konjunkturzyklus einfließen, also dem Zeitraum, in dem eine Wirtschaft von einem Zustand der Expansion zu einem Zustand der Kontraktion übergeht, bevor sie wieder expandiert.

Die Analyse kann von der Erfassung, was die Unternehmen sagen, bis hin zur Überwachung einer Reihe von Variablen wie „inflationär“, „monetär“ sowie „kurzfristige Makros und die Finanzmärkte“ reichen, wie sie vom Schroders Recession Dashboard erfasst wurden.

 

 

Wichtige Informationen:

Die hierin enthaltenen Ansichten und Meinungen sind die der Autoren dieser Seite und repräsentieren nicht notwendigerweise die Ansichten, die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck gebracht oder reflektiert werden. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ist in keiner Weise als Werbematerial gedacht. Das Material ist nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten gedacht. Das Material ist nicht als Buchhaltungs-, Rechts- oder Steuerberatung oder als Anlageempfehlung gedacht und sollte auch nicht als solche angesehen werden. Schroders geht davon aus, dass die hierin enthaltenen Informationen zuverlässig sind, übernimmt jedoch keine Gewähr für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Für Irrtümer in Bezug auf Fakten oder Meinungen kann keine Verantwortung übernommen werden. Bei individuellen Investitions- und/oder strategischen Entscheidungen sollte man sich nicht auf die Ansichten und Informationen in diesem Dokument verlassen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, die Kurse von Aktien und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und Investierende erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.