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Zehn falsche Annahmen über Stewardship


Anastasia Petraki

Head of Policy Research

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In einer Welt, in der das Wort „Nachhaltigkeit“ omnipräsent ist, kommt ein Begriff wie „Stewardship“ – verantwortungsvolle Verwaltung von Anlagen – schon fast veraltet daher. Wir halten das für falsch.

Stewardship ist nämlich untrennbar mit Investitionen verbunden, und nachhaltige Anlagen sind ohne Stewardship überhaupt nicht möglich.

Dennoch sorgt der Begriff für erhebliche Verwirrung. Viele Anleger sind unsicher, was er genau bedeutet und wie Stewardship in der Praxis angewandt wird.

Deshalb widerlegen wir hier die häufigsten Missverständnisse und stellen klar, wie Schroders Unternehmen zur Verantwortung zieht.

Stewardship-Kodizes sind zwar hilfreich, weil sie Best Practices aufzeigen, sie sind aber keine Garantie für effektive oder erfolgreiche Anlageergebnisse. Eine Analyse der Fundamentaldaten ist in dieser Hinsicht zuverlässiger.

Die ausführliche Ausfertigung in englischer Sprache kann hier oder am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden.

Zehn falsche Annahmen über Stewardship

1. Stewardship ist eine Compliance-Pflichtübung

Überall auf der Welt werden neue Kodizes erstellt, die Best Practices für Stewardship definieren sollen.

Eine strikte Definition solcher Verfahren könnte jedoch den Anschein erwecken, dass es ein spezifisches Erfolgsrezept gibt. Bei Stewardship geht es allerdings nicht darum, einzelne Schritte zu erledigen und abzuhaken.

Es handelt sich vielmehr um eine komplexe Aufgabe, die eine Vielzahl miteinander verknüpfter und voneinander abhängiger Tätigkeiten erfordert.

Wir haben acht Aspekte von Stewardship definiert:

  • Allokation
  • Überwachung
  • Dialog
  • Stimmrechtsausübung
  • Research
  • Bildung
  • Zusammenarbeit
  • Einflussnahme

Dass bedeutet, dass ...

... Stewardship ein zentraler Bestandteil des Anlageprozesses und keine banale bürokratische Pflichtübung ist.

2. Bei Stewardship gilt das Aktionärsprimat

Unser Stewardship-Ansatz basiert auf dem Grundsatz, dass Unternehmen einerseits einen langfristigen Mehrwert für Aktionäre erzielen und andererseits Interessen von Stakeholdern wie Kreditgebern, Mitarbeitern, Gemeinden, Kunden, Lieferanten oder Aufsichtsbehörden sowie ihre Auswirkungen auf die Umwelt auf angemessene Weise berücksichtigen müssen.

Unternehmen agieren nicht in einem Vakuum. Deshalb ist fraglich, ob sie überhaupt einen Mehrwert schaffen können, wenn sie nicht auf alle ihre Stakeholder eingehen.

Das bedeutet, dass ...

... die Interessen von Stakeholdern entscheidend dazu beitragen, dass Unternehmen einen langfristigen Mehrwert schaffen können.

3. Stewardship variiert bei unterschiedlichen Positionen im gleichen Unternehmen

Bei Stewardship bringt mehr auch mehr.

Da wir mehrere Fonds vertreten, die Positionen im gleichen Unternehmen halten, haben wir mehr Einfluss. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das jeweilige Unternehmen gegebenenfalls auf uns hört und entsprechende Maßnahmen ergreift.

Wir berücksichtigen dabei die Ansichten und Präferenzen unserer Kunden, die sie bei zwei globalen Befragungen äußern können.

Das bedeutet, dass ...

... Stewardship am effektivsten ist, wenn sie auf Unternehmensebene angewandt wird und alle Positionen in einem Unternehmen über mehrere Anlageprodukte hinweg zusammengefasst werden.

4. Es gibt eine „typische“ Methode für den Dialog mit Unternehmen

Jeder Dialog und jede Einflussnahme ist anders.

Erstens sind die Faktoren, die als Warnsignale dienen oder Unternehmen zu Prioritäten machen, unterschiedlich. Zweitens sind die Methoden, die wir für den Dialog mit Unternehmen einsetzen, unterschiedlich. Und drittens unterscheiden sich auch die Ansätze für die verschiedenen Regionen und Anlageklassen.

Das heißt, dass wir eine Vielzahl an Methoden einsetzen können. Für welche wir uns entscheiden, hängt von den jeweiligen Umständen ab und davon, welche Methode erfahrungsgemäß in der jeweiligen Situation am wirksamsten ist.

Das bedeutet, dass ...

... keine Einflussnahme der anderen gleicht.

5. Einflussnahme heißt Eskalation

Im Rahmen unseres Dialogs mit Unternehmen beschäftigen wir uns zu einem großen Teil mit der Klärung von Sachverhalten und der Sammlung zusätzlicher Informationen über ihre Geschäftsmodelle.

So können wir gute, langfristige Beziehungen zu Unternehmen aufbauen und unsere Erfolgschancen für den Fall steigern, dass wir Risiken erkennen und Änderungen herbeiführen möchten.

Wir haben zwar einen Mechanismus für die Eskalation von Bedenken festgelegt, dieser ist jedoch nur wirksam, wenn wir in einem regelmäßigen Dialog mit den Unternehmen stehen.

Das bedeutet, dass ...

... effektive Stewardship auf einer regelmäßigen, konfliktfreien Kommunikation mit Unternehmen aufbaut.

6. Nur Veräußerungen führen zu echten Veränderungen

Veräußerungen können ein wirksames Mittel für aktive Manager darstellen, sollten allerdings nicht leichtfertig eingesetzt werden.

Alternativen zu Veräußerungen sind der Dialog und die Stewardship, also die verantwortungsvolle Verwaltung bestehender Positionen statt der sofortigen Schließung von Positionen, sobald ein Problem auftritt.

Dies ist vor allem dann relevant, wenn Anlagen in die Hände anderer, möglicherweise uninformierter und verantwortungsloser Anleger geraten könnten.

Das bedeutet, dass ...

... Veräußerungen vorgenommen werden, wenn sie im besten Interesse der Kunden liegen, es jedoch vorher viele, potenziell wertschöpfende Möglichkeiten gibt, um Bedenken zum Ausdruck zu bringen.

7. Nur Anleger, die gegen die Geschäftsleitung stimmen, lassen wirklich ihren Einfluss spielen

Abstimmungen gegen die Geschäftsleitung oder Stimmenthaltungen sind Möglichkeiten für eine Eskalation. Wir nutzen sie, wenn sie unseres Erachtens im besten Interesse unserer Kunden liegen.

Diesen Maßnahmen folgen aber in der Regel auf einen Dialog, der bislang nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat und dies voraussichtlich auch in Zukunft nicht tun wird.

Das bedeutet, dass ...

... Gegenstimmen darauf hindeuten, dass der vorhergehende Dialog nicht effektiv war.

8. Stewardship ist vom Anlageprozess getrennt

Stewardship gehört zu einer Investition in ein Unternehmen dazu.

Bei Schroders binden wir Nachhaltigkeit in unseren Anlageprozess ein und unser Stewardship-Team arbeitet mit den Anlageteams im gesamten Unternehmen zusammen, damit Erkenntnisse aus dem thematischen Dialog mit Unternehmen in die Entscheidungsfindung einfließen.

Das bedeutet, dass ...

... Stewardship und Investition durch die Kommunikation zwischen den Teams direkt miteinander verbunden sind.

9. Beim nachhaltigen Investieren geht es nicht um Stewardship

Nachhaltiges Investieren kann Anlageansätze beschreiben, deren Ziel ein bestimmtes Ergebnis ist, z. B. der Ausschluss von Tabak aus einem Portfolio. Es kann sich allerdings auch auf Prozesse und die Überwachung von Positionen beziehen.

Dabei ist unerheblich, ob diese Positionen Teil einer thematischen Strategie (z. B. mit Schwerpunkt Klimawandel) sind oder nicht.

Stewardship ist für die Gewährleistung von Nachhaltigkeit unerlässlich.

Das bedeutet, dass ...

... Stewardship eine zentrale Rolle bei der Erzielung von Nachhaltigkeit spielt.

10. Stewardship ist intransparent und findet hinter verschlossenen Türen statt

Wir legen unsere unternehmensweiten Stewardship-Tätigkeiten in unseren vierteljährlichen und jährlichen Berichten zum nachhaltigen Investieren offen, die von einem monatlichen Abstimmungsbericht ergänzt werden.

Darin geben wir an, wie viele Kontakte wir mit welchen Unternehmen hatten, und veröffentlichen Fallstudien, wenn die jeweilige Einflussnahme abgeschlossen wurde.

Laufende Engagements werden vertraulich behandelt, weil eine Veröffentlichung nicht förderlich für die Beziehungen ist, die einen so entscheidenden Beitrag zu effektiver Stewardship leisten.

Das bedeutet, dass ...

... zwar möglicherweise keine Einzelheiten über alle Diskussionen offengelegt werden, die Ziele und Ergebnisse der Einflussnahmen sowie die Abstimmungsentscheidungen jedoch regelmäßig veröffentlicht werden.

Laden Sie für weitere Informationen die folgende (englischsprachige) ausführliche oder kurze PDF-Version dieses Artikels herunter:

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.