Perspektiven - Marktausblick

Monatlicher Marktausblick: August 2019

Warum kommen fiskalpolitische Maßnahmen wieder in Mode? Weshalb ist die Inflation in den USA so gering? Und warum hilft das schwache Pfund der britischen Wirtschaft nicht?

30.08.2019

Keith Wade

Keith Wade

Chefvolkswirt

Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Irene Lauro

Irene Lauro

Ökonomin

Sind fiskalpolitische Maßnahmen die Lösung?

Jüngste Entscheidungen in den USA und Großbritannien zeigen, dass fiskalpolitische Maßnahmen wieder ein beliebtes Mittel sind, die Wirtschaft in einem Umfeld niedriger Anleiherenditen zu beleben. Dies mag das beste Mittel sein, um dem durch geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten bedingten Rückgang der Weltkonjunktur entgegenzuwirken.

Einer IWF-Analyse zufolge haben beide Länder Spielraum für eine fiskalische Lockerung, obgleich die USA dieses Instrument bereits mehrfach genutzt haben.

Unterdessen scheut sich die Eurozone vor einer expansiven Haushaltspolitik, obwohl es umfangreichen Handlungsspielraum für fiskalpolitische Impulse gibt. Vor dem Hintergrund der Wachstumsdelle könnte sich dies ändern. Doch hilft das Zusammenspiel des lockeren geldpolitischen Kurses und der straffen Fiskalpolitik dem Euro, den Währungskrieg zu gewinnen.

Was steckt hinter dem jüngsten Inflationsrückgang in den USA?

Die US-Wirtschaft verzeichnet einen Zuwachs von Arbeitsplätzen und die niedrigste Arbeitslosenquote seit 50 Jahren. Andererseits hat die Kerninflationsrate in den vergangenen drei Quartalen abgenommen.

Unser fundamental getriebener Ansatz deckt auf, dass konjunkturelle Inflationsfaktoren nach wie vor auf eine veränderte Wirtschaftsaktivität reagieren. So ist die kürzliche Abschwächung der Kerninflation in den USA auf den Rückgang der Ölpreise und der Preise für Nicht-Ölimporte zurückzuführen.

Warum das schwächere Pfund die britische Wirtschaft nicht belebt

Trotz der starken Abwertung des Pfunds hat die britische Wirtschaft nicht zurück ins Gleichgewicht gefunden.

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens hat Großbritannien eine verheerende Produktivitätsentwicklung. Dadurch steigen die Lohnstückkosten und machen die durch das fallende Pfund bedingten Wettbewerbsvorteile wieder zunichte. Zweitens sind die meisten britischen Exporte Produkte großer internationaler Konzerne, die die Preise ihrer Waren und Dienstleistungen auf Auslandsmärkten festsetzen können. So haben sie ihre Preise beibehalten und ihre Gewinne mithilfe von Exportvolumen gesteigert.

Wenn das Pfund tief genug fällt, wird dies schließlich zu einer Exportsteigerung führen. Doch hätten die Folgekosten – die Zunahme der Inflation, die Abnahme der Kaufkraft und die Wertvernichtung von Ersparnissen – desaströse Auswirkungen.


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