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Ausblick 2020: Strahlende Aussichten für die Solarenergie


Mark Lacey

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Fondsmanager

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Alexander Monk

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Analyst für erneuerbare Energien

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Felix Odey

Felix Odey

Analyst für erneuerbare Energien

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  • Der Übergang zu einer von erneuerbaren Energien angetriebenen Welt stellt eine langfristige Anlagechance dar –für die kommenden 30 Jahre und darüber hinaus.
  • Für 2020 sehen wir Chancen in den Bereichen Solarenergie, Onshore-Windkraft und Energiespeicherung, da sich diese Märkte von der Schwäche 2019 erholen.
  • Zwar markiert dieses Jahr das Ende der Subventionen in einigen Sektoren und Regionen. Die Beseitigung der Verzerrungen könnte langfristig jedoch positive Folgen haben.

Die globale Energiewende ist die Abkehr von umweltschädlichen Energiequellen wie Kohle, Öl und Gas zugunsten der erneuerbaren Energien. Diese Umstellung stellt unserer Meinung nach eine 120 Bio. US-Dollar schwere Anlagechance über die kommenden 30 Jahre dar.

Die Transformation ist auch auf politische Faktoren zurückzuführen, da die Bemühungen, den Temperaturanstieg (gemäß dem Pariser Abkommen von 2015) auf weniger als 2 °C zu begrenzen, weltweit zunehmen. Auch wirtschaftliche Faktoren tragen dazu bei. Die Kosten für die Erzeugung von erneuerbarer Energie sind erheblich gesunken und können heute mit anderen Energiequellen mithalten. Eine weitere treibende Kraft ist die Verbrauchernachfrage, da neue Technologien wie Elektroautos großflächig übernommen werden.

Die Aktivitäten im Bereich der Energiewende umfassen nicht nur die Erzeugung erneuerbarer Energie, sondern auch die Lieferung von Windkraftanlagen, Solarzellen etc. Darüber hinaus werden Netzbetreiber und Elektroausrüster für den Ausbau der Übertragungs- und Verteilungsnetze benötigt. Ebenso besteht ein immenser Bedarf an höheren Kapazitäten bei der Energiespeicherung. Dies betrifft unter anderem Batteriehersteller, Brennstoffzellenhersteller und Speicherinstallateure.

Die Energiewende stellt in allen der oben genannten Bereiche eine potenzielle langfristige, strukturelle Anlagechance dar. Dennoch gehen wir davon aus, dass sich das Jahr 2020 für einige dieser Teilbereiche als besonders interessant herausstellen dürfte. Von besonderem Interesse werden unseres Erachtens Solar- und Windenergie sowie Energiespeicher sein.

Sonnigere Aussichten für die Solarenergie

Die Aktien von Solarenergieunternehmen waren gut in das Jahr 2019 gestartet, gestützt von der Hoffnung auf eine robuste Nachfrage aus China. Die Erwartungen der Anleger bezüglich einer Nachfrage von rund 40 Gigawatt (GW) wurden jedoch nicht erfüllt. Dies war vor allem auf politische Unsicherheiten zurückzuführen. China bestätigte seine Subventionspolitik erst im Juli 2019, wodurch Projekte verzögert wurden. Das Jahr war schlichtweg zu weit vorangeschritten, um die endgültigen Genehmigungen für alle Projekte zu erhalten, sie ans Netz anzubinden und zu errichten. Stattdessen dürfte die Nachfrage bei rund 20 GW gelegen haben.

Einige dieser Projekte dürften auf Anfang 2020 verschoben werden. Unterdessen scheint China bereit zu sein, seine Subventionspolitik in diesem Jahr früher anzukündigen, um den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen.

Das Jahr 2020 dürfte das Ende der Subventionierung der Solarenergie in China markieren. Da die Steuergutschriften in den USA zudem jedes Jahr weiter gekürzt und Projekte vorgezogen werden, um von den Gutschriften zu profitieren, rechnen wir mit einer starken Nachfrage.

Unserer Ansicht nach sind die langfristigen Aussichten für die Solarbranche jedoch auch ohne diese Unterstützung gut. In China – sowie auch in anderen Ländern – wird das Wachstum der Erzeugung erneuerbarer Energien durch die Politik der Regierung vorangetrieben. Zudem ist Solarenergie mittlerweile auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig.

Stürmische Bedingungen für die Windenergie

Unsere Prognosen für die Onshore-Windenergie 2020 ähneln denen für die Solarenergie: Sowohl die Subventionen in China als auch die Steuergutschriften in den USA laufen aus, weshalb wir einen erheblichen Kapazitätszuwachs erwarten, wenn die Entwickler die letzte Gelegenheit nutzen. Dies könnte jedoch bedeuten, dass der Markt im Jahr 2021 schwächer ist. Eine Verlängerung der US-Steuervergünstigung für Windenergie um ein Jahr – wie derzeit diskutiert – würde der Branche im Jahr 2021 zugutekommen.

Bei der Offshore-Windenergie sieht die Sache ganz anders aus. Diese Projekte sind komplexer und erfordern eine längere Planung. Da für das kommende Jahr relativ wenig neue Kapazitäten geplant sind, könnte der Sektor eine gewisse Schwäche erfahren.

In den Folgejahren dürfte sich diese Situation hingegen drastisch ändern, was unter anderem auf den erwarteten Anstieg der installierten Kapazität zurückzuführen ist. Die nachfolgende Grafik zeigt die Schätzungen des BNEF (Bloomberg New Energy Finance), die ab 2025 von einer deutlichen Belebung ausgehen.

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Ein weiterer Aspekt sind die Serviceverträge, die mit der Installation von Kapazitäten einhergehen. Die Installation neuer Kapazitäten ist ein einmaliges Projekt, das in der Regel eine Gewinnmarge von rund 8 % aufweist. Jedoch schließen auch die Hersteller von Windkraftanlagen in der Regel mehrjährige Verträge zur Wartung und Instandhaltung der Anlagen ab. Diese weisen tendenziell deutlich höhere Gewinnmargen (bis zu 25 %) auf und stellen eine zuverlässige Quelle für künftige Umsätze dar.

Unseres Erachtens überschätzt der Markt die Abhängigkeit der Windkraftanlagenhersteller vom Installationszyklus und ignoriert die laufenden Einnahmen, die aus den Serviceverträgen stammen. Der Anteil der Dienstleistungen am Gesamtumsatz dürfte langfristig steigen, was mit der Zeit zu konstanteren Umsätzen führt.

Auftrieb bei Batterien und Speichern

Das Jahr 2019 erwies sich auch für die Bereiche Energiespeicherung und Batterien als schwierig. Das war im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen: die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen aus China, die in Anbetracht der Reduzierung der Subventionen geringer ausfiel als erwartet, und die Brände in einigen südkoreanischen Speicheranlagen, die die Nachfrage nach Speicherkapazität belasteten (Grund für die Brände war eine mangelhafte Installation und nicht die Batteriezellen an sich).

Da die Installationsprobleme mittlerweile behoben wurden, erwarten wir für 2020 eine Belebung des Marktes für Energiespeicherung. Angesichts der Höhen und Tiefen bei der Erzeugung und der Preisgestaltung von erneuerbaren Energien müssen die Versorger den aus erneuerbaren Energien erzeugten Strom speichern.

20200116_langfristige_erwartete_Nachfrage_nach_Lithium-Ionen-Batterien.png

Es gibt verschiedene Batteriearten, wobei Lithium-Ionen-Batterien am weitesten verbreitet sind. Neben der Speicherung durch die Versorger dürfte auch das Wachstum bei Elektrofahrzeugen zu einer Erholung dieses Marktes 2020 und darüber hinaus führen.

Ein kleiner, wenn auch wachsender Teil des Speichermarktes ist der Wohnungsbereich. In Regionen wie Kalifornien werden die Übertragungs- und Verteilungsnetze immer anfälliger für Ausfälle. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Privatkunden dafür, nicht nur Solaranlagen, sondern auch Batteriespeicher auf ihrem Grundstück zu installieren. Im Falle einer Netzstörung sind sie somit besser abgesichert.

Notwendiges Ende der Subventionen

Mit Blick auf diese drei Teilsektoren wird klar, dass die Subventionen 2019 zu Nachfrageverzerrungen geführt haben und dies auch 2020 der Fall sein wird. Zwar sind Subventionen im Frühstadium der Einführung neuer Technologien von Bedeutung, doch können sie nicht ewig währen. Die Solar- und Windenergie macht es deutlich: Subventionen verzerren den Markt, indem sie Anreize schaffen, die Installation von Kapazitäten innerhalb eines bestimmten Jahres durchzuführen.

Der Wegfall von Subventionen mit einem kurzen Schmerz verbunden, auf lange Sicht wirkt es sich jedoch positiv auf die Gesundheit auf. Erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge sind mittlerweile kostengünstig und benötigen keine Subventionen. Ihre Beseitigung sollte Verzerrungen beenden und sicherstellen, dass die wettbewerbsfähigsten und nachhaltigsten Unternehmen diejenigen sind, die sich am besten entwickeln.

Ein Sektor mit langfristigen Chancen

Die oben genannten Teilsektoren – Solarenergie, Onshore-Windkraft und Batterien/Speicher – dürften 2020 ein besonders ausgeprägtes Wachstum erfahren. Dennoch ist auch die Energiewende insgesamt ein Anlagethema, das weiter an Fahrt gewinnt. Wir gehen davon aus, dass Nachrichten rund um die politischen Entwicklungen, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und die Verbrauchernachfrage das langfristige Wachstum in allen Bereichen der Energiewende unterstützen werden.

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.