Perspektiven

Energiekrise: Netto-Null nicht aus den Augen verlieren


Im März 2022 kauften britische Autofahrer mehr E-Autos als im gesamten Jahr 2019. Und dies trotz der rückläufigen Entwicklung des Kfz-Markts und der Probleme mit der Versorgungskette, die aktuell die Anschaffung eines E-Fahrzeugs erschweren.

Bereits vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise befand sich die Umstellung auf Elektroautos in vollem Gang. Doch die Preisbeschleunigung infolge der hohen Ölpreise macht herkömmliche Verbrennungsmotoren für den Verbraucher teuer. „Die Preise für Gas und Kohle sind inzwischen viermal so hoch wie noch vor einem Jahr. Dadurch hat sich die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energiequellen im Vergleich erheblich verbessert", erklärt Felix Odey, Portfoliomanager vom Schroders Global Energy Transition Team.

Russlands Invasion in die Ukraine hat die Preiserhöhung von Öl und Gas zu einem Zeitpunkt verschärft, als die Energiekosten bereits zunahmen. Die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahre führten dazu, dass den Öl- und Gasmärkten neu erschlossene Vorkommen fehlen. Eines ist immerhin gewiss: Energieunternehmen wollten nur ungern die Förderung ausweiten. „Der internationale Fokus auf das Erreichen von Netto-Null bedeutet, dass vielen Managementteams die Pistole auf die Brust gesetzt wurde, ohne zu wissen, welche Nachfrage es in zehn Jahren für ihre Endprodukte geben wird", erläutert Felix Odey.

Weniger Investoren und Kreditgeber sind ausserdem bereit, die Entwicklung neuer fossiler Brennstoffe zu finanzieren. Diese Gemengelage verursachte eine knappe Versorgung des Markts, Preiszuwächse und kräftige Renditen der konventionellen Energiemärkte.

Bedeutet die momentane Energiekrise, dass wir die CO2-Emissionen „vorziehen“ müssen?

„Die praktischen Netto-Null-Herausforderungen, mit denen Länder konfrontiert sind, waren schon vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine bekannt: Wie macht man die Volkswirtschaften von fossilen Brennstoffen unabhängig und gewährleistet gleichzeitig die Energiesicherheit? Was sich geändert hat, ist, dass diese Sachfragen mittlerweile im Vorder- und Mittelpunkt stehen", fügt Catherine Hampton, Sustainable Investment Lead bei Cazenove Capital, hinzu. Sie ist der Auffassung, dass die derzeitige Energiekrise den eingeschlagenen Weg in Richtung Netto-Null verändern dürfte. Einige Länder könnten die CO2-Emissionen vorziehen, wenn sie die Energieerzeugung hochfahren, um den Kostendruck der wachsenden Strom- und Gaspreise von den Verbrauchern abzuwenden.

Hätte sich die Energiekrise zu einem früheren Zeitpunkt ereignet, wäre das meiner Meinung nach nicht die Standardreaktion gewesen. Es hat sich eine politische Wende vollzogen.

„Ein Positivum, insbesondere in Europa, ist die Tatsache, dass die politischen Entscheidungsträger auf die Krise der Energiesicherheit dieser Tage mit Plänen für einen stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien reagiert haben", so Alex Monk, Portfoliomanager von Schroders Global Energy Transition Team. Obwohl kurzfristig mehr fossile Brennstoffe eingesetzt werden, dominieren im Energiemix der mittel- bis langfristigen Strategie die erneuerbaren Energien.

Seitens der Politik ist das ein Novum, betont Alex Monk: „Hätte sich die Energiekrise zu einem früheren Zeitpunkt ereignet, wäre das meiner Meinung nach nicht die Standardreaktion gewesen. Es hat sich eine politische Wende vollzogen." Das Fazit: Länder, deren CO2-Emissionen in den kommenden Jahren zunehmen, müssen das Tempo der Dekarbonisierung erhöhen. Mit anderen Worten, es ist ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energien angesagt. Nur so lassen sich schliesslich die Netto-Null-Ziele umsetzen.

Nehmen wir die Bundesrepublik Deutschland als Beispiel. Sie verabschiedete eine weitreichende Reform zur Verdreifachung der erneuerbaren Energiequellen bis 2030. Hiermit soll die Energiesicherheit im Zuge des russischen Einmarsches in die Ukraine gewährleistet werden. Einige europäische und amerikanische Politiker schlugen ebenfalls vor, dass mehr Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten sollten. So liesse sich der für den Transport benötigte Treibstoff reduzieren.

Trotz dieser Massnahmen wird in Europa mehr Kohle und Gas verbraucht. Das bedeutet im Rückschluss, dass Länder ihre Emissionsziele schneller erreichen müssen als geplant. Einige britische Politiker haben sich für grössere Anreize zur Installation von Solaranlagen auf Dächern sowie Bürokratieabbau im Hinblick auf erneuerbare Energiequellen ausgesprochen. Doch bisher wurden auf diesem Gebiet nur kleine umsetzbare Schritte unternommen.

Langfristig gesehen ist die Ukrainekrise eine Unterstützung der Energiewende. Dabei spielt die kurzfristige Verlangsamung seitens der Politik keine Rolle.

Alex Monk vertritt des Weiteren die Ansicht, dass noch viel mehr getan werden kann, um hier doppelten Nutzen zu schaffen. Indem man weitere Anreize für Solaranlagen schafft, können Verbraucher ihre Stromrechnungen reduzieren. Damit wird dem Land beispielsweise geholfen, die Emissionsziele zu erreichen. „Langfristig gesehen ist die Ukrainekrise eine Unterstützung der Energiewende. Dabei spielt die kurzfristige Verlangsamung seitens der Politik keine Rolle", ergänzt Alex Monk.

Solche Programme kommen in der Regel jedoch eher der Mittelschicht zugute, anstatt denen, die sie am dringendsten benötigen. Den Ärmsten in der Gesellschaft ist es unmöglich, für Solarmodule zu bezahlen, selbst bei ermässigten Preisen. Die Krise der Lebenshaltungskosten hat Millionen in die Armut gestürzt: Viele müssen sich überlegen, ob sie heizen oder essen! Die Regierungen sind mit ernsthaften Sachfragen konfrontiert. Inwieweit können sie die Energiekosten senken, ohne die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrössern. Eine kurzfristige Lösung könnte der erhöhte Einsatz von Kohle und Gas sein.

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