Perspektiven

Energiewende bedeutet mehr als saubere Energiegewinnung


Teil der Energiewende ist der Umstieg von einem auf fossilen Brennstoffen (Öl, Gas und Kohle) basierten System auf ein von sauberer, erneuerbarer Energie geprägtes System. Ziel ist es, den Kohlendioxidausstoss (CO2-Emissionen) zu verringern, um die globalen Klimaziele besser erreichen zu können.

Die Gewinnung erneuerbarer Energien ist der offensichtlichste Teil der Energiewende. Allerdings ist dies nur ein Aspekt der Wende. Wir haben vier verschiedene Anlagebereiche ermittelt. Neben der Erzeugung erneuerbarer Energien sind dies auch die Energiespeicherung, die Infrastruktur für Elektroverkehr sowie die Übertragungs- und Verteilungsnetze.

infographic-opportunities-across-value-chain-CS1928.png

Quelle: Schroders, Oktober 2020

Bei der Energiewende handelt es sich um eine langfristige Anlagemöglichkeit, die das gesamte Energiesystem in den nächsten 30 Jahren und darüber hinaus grundlegend verändern wird. Der entscheidende Punkt ist, dass die Klimaziele nur erreicht werden können, wenn Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette getätigt werden, d. h. in alle obengenannten Bereichen.

Angesichts des Investitionsbedarfs ist es ermutigend, dass die Staaten eine „grüne“ Erholung nach der Covid-19-Pandemie anstreben. Beispielsweise plant die EU Ausgaben in Höhe von 550 Mrd. Euro für grüne Projekte in den nächsten sieben Jahren im Rahmen ihres Covid-Wiederaufbauplans und des Budgets für 2021 bis 2027.

In den Grafiken unten ist der Umfang der Herausforderungen und der Chancen dargestellt. Sie zeigen das geschätzte Investitionsvolumen dar, das erforderlich ist, um den Temperaturanstieg unter 2 Grad zu halten, sowie die aktuell geplanten Investitionen und den Marktwert der vier Investitionsbereiche. Diese Abbildungen verdeutlichen, dass die Energiewende gerade erst begonnen hat.

investment-needed-487573.png

Was sind die vier Bereiche der Energiewende?

  1. Erzeugung sauberer Energien

Die Gewinnung sauberer Energie ist der erste Schritt der Wende. Dieser Bereich wurde und wird auch weiterhin erheblich politisch unterstützt in Form von Subventionen und anderen Massnahmen zur Förderung des Marktwachstums.

Somit ist die Erzeugung von Regenerativstrom möglicherweise einer der eher fortgeschrittenen Investitionsbereich der Energiewende, wenngleich noch ein weiter Weg vor uns liegt.

Aufgrund fallender Kosten ist mit einer höheren Nachfrage zu rechnen. Technologische Fortschritte und Skaleneffekte bedeuten, dass erneuerbare Energien nun gegenüber fossilen Brennstoffen kostenmässig wettbewerbsfähig sind, selbst ohne Subventionen. Und die Nachfrage der Verbraucher nach emissionsfreundlicheren Technologien, wie Elektrofahrzeugen, wird zu einer weiteren Steigerung bei der Produktion sauberer Energien führen. 

Der Umstieg hin zu sauberer Energie schafft eindeutig neue Chancen für Versorgungsunternehmen mit Know-how in erneuerbaren Energien wie auch für kleinere unabhängige Energieproduzenten, die ausschliesslich Anlagen für erneuerbare Energien entwickeln und verwalten und deren Zahl stetig zunimmt.

Auch Unternehmen, die Anlagen für erneuerbare Energien herstellen, wie Windturbinen und Solarkollektoren, profitieren von dieser Entwicklung.

Neben Regenerativstrom hat auch Wasserstoff ein enormes Potenzial, sich zu einem zentralen Treibstoff inmitten einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu entwickeln. Während Regenerativstrom einen grossen Teil des globalen Emissionspuzzles lösen wird, ist einer Energiequelle mit einer höheren Leistungsdichte und den geeigneten chemischen Eigenschaften erforderlich, um Bereiche, wie die Schwerindustrie, das verarbeitende Gewerbe und die Luftfahrt zu dekarbonisieren.

Angesichts seiner Energiedichte, Vielseitigkeit und chemischen Reaktionsfähigkeit sowie der Tatsache, dass er bei der Verbrennung kein CO2 produziert, kann Wasserstoff eine Antwort auf dieses Problem liefern. Wasserstoff kann im aktuellen Wirtschaftsumfeld fast genauso eingesetzt werden wie Erdgas und kann auch viele der energiesektorfremden Einsatzmöglichkeiten für Kohle und Öl ersetzen.

Im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie ist die Herstellung von grünem Wasserstoff jedoch nach wie vor erheblich teurer als die kohlenstoffintensiveren Alternativen. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern, da die EU, Japan, Korea und die USA allesamt einen höheren Einsatz von sauberem Wasserstoff in der Wirtschaft anstreben.

  1. Übertragung und Verteilung

Die Stromgewinnung aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Solar geht mit einigen konkreten Herausforderungen einher. Das grösste Problem dabei ist, dass die Standorte mit den besten Eigenschaften für die Erzeugung erneuerbarer Energie – wie starken Winden oder einer hohen Sonneneinstrahlung – sich oftmals nicht dort befinden, wo der Strom benötigt wird.

Die USA sind ein Paradebeispiel dafür: Der „Windgürtel“ befindet sich im Landesinneren, die meisten Menschen leben jedoch an den Küsten. Indes sind Offshore-Windparks mit ganz eigenen Schwierigkeiten behaftet. Dies ist ein grosser Unterschied zu herkömmlichen Kraftanlagen, die mehr oder weniger überall gebaut werden können.

Der Anschluss von Erneuerbare-Energien-Projekten an das Stromnetz schafft somit Anlagemöglichkeiten für die Unternehmen, die das grosse Stromübertragungssystem verwalten.

Der grössere Bedarf an Übertragungsleitungen erzeugt einen neuen Bedarf an Stromleitungen und anderer Elektroausrüstung, was diesen Märkten ebenfalls zugutekommt. Bis 2050 muss weltweit die Länge der Stromleitungen und Transformatoren mehr als verdoppelt werden, um den Ausbau der erneuerbaren Energie zu ermöglichen (Quelle: Clean Technica, 2018). Andernfalls würden Wind- und Solarparks auf Ihrem Strom „sitzenbleiben“, da sie ihn nicht in das Stromnetz einspeisen könnten.

Indes bedeutet ein höherer Strombedarf im Vergleichzu anderen Stromquellen, dass eine grössere Tagesmenge durch die Stromnetze fliesst. Viele vorhandene Netze werden ersetzte oder nachgerüstet werden müssen, wenn sie mit dem höheren Volumen zurechtkommen sollen und wenn regelmässige Stromausfälle vermieden werden sollen.

Damit der grosse neue Strombedarf angemessen gesteuert werden kann, muss zudem das gesamte Stromverteilungsnetz (das lokale System, das den Strom in die Haushalte liefert) mit stärkeren und intelligenteren Technologien aufgerüstet werden. Die für diese Netze zuständigen Versorgungsunternehmen sind gut aufgestellt, um davon zu profitieren. Das Gleiche aber gilt für die Unternehmen, die kritische Elektrokomponenten herstellen (nachgelagerte Umspannstationen, Transformatoren etc.).

Ausserdem ist es wichtig, die Netze so effizient wie möglich zu machen. Durschnittlich gehen zwischen 5 % und 10 % der gesamten produzierten Strommenge auf dem Netz infolge ineffizienter Verteilungssystem verloren (Quelle: IE Inside Energy, 2015). Hier besteht Verbesserungsbedarf.

  1. Energiespeicherung

Zum einen werden erneuerbare Energien nicht immer dort produziert, wo sie benötigt werden. Zum anderen werden sie auch nicht immer dann produziert, wenn sie benötigt werden. Bei starkem Wind und intensiver Sonneneinstrahlung können enorme Mengen günstiger Energie gewonnen werden. Was aber geschieht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?

An dieser Stelle kommen Energiespeicher ins Spiel. Speicherlösungen können dazu beitragen, dass diese unregelmässige Stromversorgung besser gehandhabt wird und dass der Strom dort vorhanden ist, wo er benötig wird. Der Speicherungsbedarf wird immer deutlicher, und so ergeben sich auch immer mehr Möglichkeiten für fachkundige Batteriebetreiber wie auch für Unternehmen, die diese wachsende Reihe von Speicherprodukten planen und herstellen.

  1. Infrastruktur für Elektroverkehr

Der Speicherbedarf wird ganz deutlich, wenn man bedenkt, wie sich der Strombedarf infolge der zunehmenden Beliebtheit von Elektrofahrzeugen wohl ändern wird. Auflademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge, ob zuhause oder unterwegs, werden immer wichtiger. Da die Zahl der Elektrofahrzeuge weltweit immer weiter zunimmt, sind auch immer mehr Aufladestationen erforderlich. Laut der Europäischen Kommission nimmt der durchschnittlicher Verbrauch dann Abstand vom Kauf eines Elektrofahrzeugs, wenn das Verhältnis der Fahrzeuge zu Ladestationen den Wert 10 übersteigt.

Die potenziell enormen Ertragsmöglichkeiten aus der Herstellung, der Installation und dem Betrieb von Ladestationen haben bereits viele verschiedene Akteure angezogen, darunter auch Versorgungsunternehmen, neue spezialisierte Unternehmen und sogar die grossen Öl- und Gaskonzerne.

 

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.