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Q&A: Alles, was Sie über die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz (MiFID II) wissen müssen


Die Regulierungslandschaft in Europa entwickelt sich rasant weiter. Nach der Einführung der Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) im Jahr 2021 richten wir unsere Aufmerksamkeit nun auf einige der kommenden Vorschriften, insbesondere auf die neue Anforderung, Nachhaltigkeitspräferenzen im Rahmen der bestehenden MiFID II-Eignungsbeurteilung zu bewerten, welche im August in Kraft tritt.

In diesem Artikel werden wir die folgenden Schlüsselbereiche rund um diese Verordnung untersuchen: Die neuen Anforderungen für die Beurteilung von Nachhaltigkeitspräferenzen und wie sie in die breitere Agenda für nachhaltige Finanzen in ganz Europa eingebettet sind; wie die Beurteilung der Nachhaltigkeitspräferenzen in der Praxis funktionieren könnte; was die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung sind und was Berater tun könnten.

Was ist die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz nach MiFID II?

Elisabeth Ottawa, stellvertretende Leiterin Public Policy bei Schroders, erklärt: „Der Kern der MiFID-Nachhaltigkeitspräferenzen besteht darin, dass jeder Kunde, ob bestehend oder neu, zu seinen Nachhaltigkeitspräferenzen befragt werden muss.

Es stehen drei Optionen zur Auswahl: Eine Taxonomie-Anpassung (siehe unten für eine Erläuterung der EU-Taxonomie), ein Prozentsatz nachhaltiger Investitionen gemäss der Definition der SFDR oder eine quantitative oder qualitative Berücksichtigung von nachteiligen Auswirkungen (PAIs). Zur Erinnerung: PAIs zielen darauf ab, alle wesentlichen negativen Auswirkungen zu erfassen, die Investitionen auf die Umwelt und/oder die Gesellschaft haben.

Sobald sich der Kunde für eine oder eine Kombination dieser Optionen entscheidet, muss der Berater sicherstellen, dass das angebotene Produkt den Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden entspricht. Wenn nicht, kann das Produkt nicht verkauft werden, es sei denn, der Kunde ändert seine Nachhaltigkeitspräferenzen.“

Wie fügt sich die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen innerhalb der breiteren Agenda für nachhaltige Finanzen in der gesamten EU ein?

Elisabeth Ottawa erklärt:Das letztendliche Ziel der EU-Agenda für nachhaltige Finanzen besteht darin, mehr Investitionen in nachhaltige Vermögenswerte zu lenken und damit die EU-Wirtschaft grüner zu machen. Dies soll in der gesamten Anlagekette wie folgt funktionieren:

Unternehmen melden nichtfinanzielle, Nachhaltigkeitsinformationen und die Taxonomie-Ausrichtung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Finanzmarktteilnehmer würden diese Informationen dann verwenden, um Informationen über das Nachhaltigkeitsniveau ihrer Produkte offenzulegen und auch zu berichten, wie sie Nachhaltigkeitsaspekte insgesamt integrieren.

In einem nächsten Schritt müssten die Berater die Kunden nach Nachhaltigkeitspräferenzen fragen und die Produkte darauf abstimmen. Damit hätte der Anleger die Gewissheit, dass er in ein Finanzprodukt investiert, das seinen Präferenzen entspricht. Und da alle nachhaltigen Produkte diese Offenlegungsregeln einhalten müssen, gibt es mehr Vergleichbarkeit und damit mehr Wettbewerb zwischen diesen Produkten.“

Was sind die ersten Schritte für Berater bei den Nachhaltigkeitspräferenzen?

Anastasia Petraki, ESG Investment Director bei Schroders, sagt: „Es gibt zwei Dinge, die Berater tun müssen. Zunächst einmal ändert sich nichts, da sie weiterhin alle Informationen sammeln müssen, um die Kundensituation, ihre finanzielle Situation, ihren Wissens- und Erfahrungsstand sowie ihre Anlageziele zu beurteilen.

Der nächste Schritt ist, dem Kunden zu erklären, was die ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales and Governance) sind und wie sie bei der Anlage berücksichtigt werden können.

Berater sollten auch den Unterschied zwischen Produkten mit Nachhaltigkeitsfokus und Produkten ohne einen solchen Fokus erläutern. Dann würden die Berater die eigentliche Frage stellen: Haben Sie Nachhaltigkeitspräferenzen? Ja oder nein. Wenn ein Kunde die Frage verneint, darf der Berater das Nachhaltigkeitsprodukt trotzdem empfehlen, sofern er dieses Produkt aufgrund der Kenntnisse, der finanziellen Situation und der Anlageziele des Kunden als geeignet sieht.

Wenn der Kunde die Frage bejaht, was wir von den meisten Kunden erwarten, müsste der Kunde darüber nachdenken, ob er diese Taxonomie-Ausrichtung oder den Prozentsatz nachhaltiger Investitionen oder die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken bevorzugt.“

Kann der Kunde mehrere Optionen auswählen?

 Anastasia Petraki erklärt: „Die Richtlinien geben bislang nur wenig Informationen darüber, was passiert, wenn ein Kunde eine Kombination von Optionen wählt, aber hier werden wir vielleicht später in diesem Jahr weitere Entwicklungen sehen. Wenn der Kunde die Taxonomie-Ausrichtung wählt, besteht der nächste Schritt darin, einen Bereich oder den Mindestprozentsatz dieser Ausrichtung zu identifizieren. Wenn der Kunde bei nachhaltigen Anlagen einen Prozentsatz anstrebt, besteht die Idee wiederum darin, diesen Mindestprozentsatz zu ermitteln, aber auch zu diskutieren, ob der Fokus auf dem E, dem S oder dem G liegen sollte. Wenn der Kunde sich für Nachhaltigkeitserwägungen ausspricht, ist es Sache des Kunden, auf welchen Aspekt von ESG er sich konzentrieren möchte.“

Was ist, wenn die Vorlieben des Kunden nicht mit einem angebotenen Produkt übereinstimmen?

Anastasia Petraki erklärt: „Wenn der Kunde seine Präferenzen so äussert, dass kein Produkt sofort als empfehlenswert erkannt wird, folgt wahrscheinlich ein recht iterativer Prozess. Die Frage ist, inwieweit der Kunde bereit ist, die Art und Weise, wie er seine Nachhaltigkeitspräferenzen in seinen Anlagen zum Ausdruck bringt, anzupassen.

Ist er bereit, seine Präferenzen anzupassen, beginnt dieser iterative Prozess erneut. Wenn nicht, ist das Gespräch im Grunde vorbei. Wir finden es aber ganz wichtig, dass Berater alles unabhängig vom Ergebnis aufzeichnen und dokumentieren. Wir würden einen besonderen Fokus auf die Fälle erwarten, in denen ein Kunde seine Präferenzen anpasst.“

Welche Tools gibt es für Berater?

Nathaële Rebondy, Leiterin Sustainability bei Schroders, Europa, sagt: „Eines der wichtigsten Tools, die Beratern zur Verfügung stehen, um ihnen dabei zu helfen, relevante Produkte basierend auf den von ihren Kunden geäusserten Präferenzen herauszufiltern und auszuwählen, ist das European ESG Template (EET). Das Tool führt alle ESG-Daten zusammen, die nützlich und erforderlich sind, um sicherzustellen, dass Händler die regulatorischen Anforderungen berücksichtigen und darauf reagieren können.

Obwohl das EET freiwillig ist, ist es wahrscheinlich das wichtigste Mittel, mit dem Produktersteller über die drei Nachhaltigkeitspräferenzoptionen für ihre Produkte berichten können.“

Welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung?

Anastasia Petraki erklärt: „Wenn wir uns den Zeitplan der Verordnung ansehen, können wir mindestens vier Probleme identifizieren.

  1. Die endgültigen Richtlinien zur Durchführung der Bewertung der Nachhaltigkeitspräferenzen werden später im Jahr von der Regulierungsbehörde erhältlich sein, also einige Monate nach Inkrafttreten der Änderungen Anfang August.
  2. Die tatsächlichen detaillierten Offenlegungen für Produkte nach Artikel 8 und 9, die diese Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen unterstützen werden, werden in den Offenlegungsvorlagen für SFDR Level 2 erscheinen, die im Januar 2023 in Kraft treten.
  3. Die Taxonomie, eine der wichtigsten Optionen für die Bewertung der Nachhaltigkeitspräferenzen, ist noch in Arbeit.
  4. Unternehmen werden nur die notwendigen nichtfinanziellen Daten melden, wobei die Taxonomie-Verordnung derzeit nur für eine kleine Anzahl von Unternehmen gilt und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) nicht vor 2024 in Kraft tritt.“

Was ist die EU-Taxonomie?

Anastasia Petraki erklärt: „Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem, das uns hilft, ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten zu identifizieren. Damit eine Aktivität ökologisch nachhaltig ist, muss sie vier Kriterien erfüllen: Sie muss einen wesentlichen Beitrag zu mindestens einem von sechs Umweltzielen leisten[1].

Sie darf keinem der anderen Ziele erheblichen Schaden zufügen. Sie muss ziemlich detaillierte technische Überprüfungskriterien und soziale Mindestgarantien erfüllen. Mit nur zwei der sechs festgelegten Umweltziele gilt derzeit nur eine sehr kleine Zahl von EU-Wirtschaftsaktivitäten (geschätzt zwischen 1 % und 5 %) als ‚grün‘.“

Wie ist der aktuelle Stand der Taxonomie-Verordnung?

Anastasia Petraki erklärt: „Im Moment ist die Taxonomie-Verordnung unvollständig, sie bleibt politisch umstritten, und das entsprechende Unternehmens-Reporting fehlt. Das bedeutet, dass wir erhebliche Datenlücken haben. Es gibt Leitlinien europäischer Regulierungsbehörden, die besagen, dass die Verwendung von Schätzungen nicht zulässig ist, aber wenn keine Daten von Unternehmen vorliegen, können Unternehmen ‚gleichwertige Informationen‘ entweder direkt von Unternehmen selbst oder von Drittanbietern verwenden. Es ist nicht klar, wie sich ‚gleichwertige Informationen‘ von Schätzungen unterscheiden.

Wo diese Schätzungen auf dem Markt verfügbar sind, sehen wir grosse Unterschiede zwischen den Drittanbietern.

Darüber hinaus sind Kunden mit dem Konzept der Taxonomie nicht wirklich vertraut. Berater müssten also verstehen, welche Daten es gibt, ob sie direkt von Unternehmen stammen oder auf Schätzungen beruhen. Und wenn die Daten auf Schätzungen beruhen, werden sie intern oder von einem Drittanbieter erstellt? Wie werden sie erstellt? Und so weiter.“

Muss sich die Abfrage der Präferenzen auf diese drei Optionen konzentrieren?

Anastasia Petraki erklärt: „Die Regulierungsbehörden waren tatsächlich ziemlich explizit dabei, wie sie Nachhaltigkeitspräferenzen formulierten, was bedeutet, dass sich die Abfrage tatsächlich um diese drei Optionen drehen muss. Ich denke, dass im Rahmen der Gespräche mit den Kunden über den Rahmen auch über ESG im Allgemeinen sowie über die verschiedenen Anlageansätze und ihre Ziele in Bezug auf die Nachhaltigkeit gesprochen werden kann. Das Verständnis des Anlageansatzes ist vielleicht wichtiger als das Verständnis der einzelnen Zahlen, denn die Zahlen allein sagen ohne Kontext nicht viel darüber aus, wie ein Fonds verwaltet wird.“

Elisabeth Ottawa sagte:Im Grunde ist es, als wäre man im Restaurant. Das Gespräch könnte damit beginnen, dass Sie erklären, was eine Vorspeise ist. Was ist normalerweise ein Hauptgericht? Wie sieht ein Dessert normalerweise aus? Sie müssen nicht das Rezept jedes Gerichts beschreiben, aber Sie müssen in etwa darlegen, was das Konzept dieser drei Gänge ist, und vielleicht, was jeweils ihr Hauptmerkmal ist.

Handelt es sich um ein vegetarisches Gericht? Enthält es Fleisch oder Fisch? In einem nächsten Schritt würde Ihr Kunde sagen, welcher Gang ihn besonders interessiert und was seine Geschmackspräferenzen sind. Und dann müssen Sie sehen, ob Sie in der gewählten Kategorie ein Gericht im Angebot haben. Damit beginnt dann hoffentlich ein Gespräch, das nicht völlig von den behördlichen Anforderungen abweicht, weil Sie nicht nur die Gerichte servieren, die Sie haben.“

[1] Die sechs Umweltziele sind: Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Vermeidung und Bekämpfung von Umweltverschmutzung, Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen.

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