Perspektiven

Schwacher Renminbi als Retter der Welt vor der Inflationskrise?

Der Renminbi wertete dieses Jahr bisher gegenüber dem US-Dollar um etwa 8 % ab. Mit 6,96 Renminbi pro US-Dollar nähert er sich bereits unserem Jahresendziel von 7 Renminbi.

Chinas Zentralbank, die People’s Bank of China (PBoC), begann, sich einer weiteren Abwertung zu widersetzen. Hierzu senkte sie den Mindestreservesatz vergangene Woche um 2 Prozentpunkte auf 6 %. Zudem setzte sie den Tageskurs für den offiziellen Wechselkurs in den letzten Tagen unerwartet hoch an. Die Aufwertung des US-Dollars hält weiter an. Ausserdem belasten wahrscheinliche Rezessionen in den meisten Industrieländern die Auslandsnachfrage stark. Deshalb besteht eindeutig die Gefahr, dass der Wechselkurs auf einen Wert zwischen 7,10 und 7,20 RMB pro US-Dollar ansteigt.

Ein schwächerer Renminbi wird oft mit einem deflationären Impuls für den Rest der Welt in Verbindung gebracht. Denn wenn die Währung abwertet, werden Importe chinesischer Waren für den Rest der Welt billiger. Hat die jüngste Abwertung des Renminbis also den Druck auf die globalen Zentralbanken bei ihrem Kampf gegen die Teuerung verringert?

Es scheint sicherlich eine Verbindung zwischen den Schwankungen des Renminbis und den Inflationsraten seiner Handelspartner zu geben.
Wie die nachstehenden Abbildungen zeigen, schwanken beispielsweise
die US-Importpreise aus China mit dem Wechselkurs. Und diese Importpreise korrelieren eng mit der Preisbeschleunigung der Kerngüter in den USA. Diese Beziehung macht intuitiv Sinn, und ähnliche Beziehungen werden auch in anderen Volkswirtschaften wie der Eurozone beobachtet.

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Es gibt jedoch einige Gründe, die dagegen sprechen, dass die Abwertung des Renminbis die weltweite Inflationskrise gelöst hat.

Zunächst einmal gilt die Korrelation zwischen Währungsschwankungen und Preisen wirklich nur für den Kerngüteranteil des Preisanstiegs in anderen Ländern.

Der Renminbi hat keinen grossen Einfluss auf weitere wichtige Katalysatoren wie die Eigentümeräquivalentmieten, lokale Dienstleistungen oder selbst internationale Rohstoffpreise. Denn diese Faktoren machen den Grossteil der Inflation in Märkten wie den USA aus.

Als solches ist das Verhältnis zwischen dem Renminbi und der Gesamtinflation, in diesem Fall in den USA, nicht besonders ausgeprägt. Der Grund: Mehrere Phasen der Währungsschwankungen schlagen sich nicht in der Gesamtinflation nieder.

Generell sollte man sich nicht zu der Vermutung verleiten lassen, dass Korrelation Kausalität bedeutet. Schliesslich ist der Renminbi tendenziell sehr zyklisch. Wenn die Exporte stark ansteigen, wertet die Währung tendenziell auf, und wenn die Exporte zurückgehen – wie jetzt –, wertet die Währung tendenziell ab. Und wenn die globale Nachfrage stark ist und Chinas Exporte gut laufen und der Renminbi aufwertet, sind Unternehmen natürlich eher in der Lage, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, wodurch die Teuerung steigt.

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Auf dieser Grundlage ist die weltweite Inflationsdynamik immer noch eine Funktion der Stärke der Nachfrage, und die Schwankungen des Renminbis sind grösstenteils ein Nebenprodukt seiner Auswirkungen auf den Handel. Tatsächlich war eine erwartete Verlangsamung der Exporte aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach Industriegütern seit Jahresbeginn ein Hauptgrund für unsere pessimistische Einschätzung des Renminbis.

Das Ergebnis ist, dass der schwächere Renminbi, abgesehen von einer unwahrscheinlich grossen einmaligen Abwertung, weder die globale Inflationsdynamik noch die Notwendigkeit für die Zentralbanken der Industrieländer, die Zinssätze weiter zu erhöhen, wesentlich verändert.

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