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Südostasiatische Aktien: Gute und schlechte Nachrichten für Anleger


Eine Reihe südostasiatischer Schwellenländer (EM) erzielt momentan einige der stärksten Wirtschaftswachstumsraten weltweit. Die Wirtschaft Malaysias wuchs im zweiten Quartal um 8,9 % im Vorjahresvergleich, während die Wirtschaft der Philippinen im gleichen Zeitraum um 7,4 % zulegte.

Die vier Länder Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand aus dem Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN) bilden eine Gruppe gegensätzlicher Länder mit unterschiedlichen Wachstumstreibern. Was sie alle in diesem Jahr gemeinsam haben, war der Vorteil der wirtschaftlichen Wiedereröffnung nach der Pandemie, die sie später erreichte als andere Regionen.

Die Aktienmärkte der ASEAN-Staaten haben sich besser gehalten als die der Schwellenländer im Allgemeinen (gemessen am MSCI Emerging Markets Index). Sie sind in Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um 18,6 % gefallen (Stand: 13. September). Die Entwicklung war dabei jedoch sehr unterschiedlich: Indonesien verzeichnete ein Plus von 12 %, während die Philippinen um 13,5 % verloren – dies trotz Währungsschwäche in allen vier Märkten.

All das wirft die Frage auf, ob es derzeit innerhalb der ASEAN-Region Anlagegelegenheiten gibt.

Wie gestaltet sich der weitere Ausblick für das Wirtschaftswachstum?

Während die im Zuge von Covid-19 eingeführten Beschränkungen für die Aktivitäten allmählich aufgehoben werden, erholt sich das Wirtschaftswachstum in den ASEAN-Ländern. Indonesien und Malaysia profitierten auch von den hohen Rohstoffpreisen zu Beginn dieses Jahres. Thailand war eher ein Nachzügler, da das BIP-Wachstum im zweiten Quartal nur sehr bescheiden um 2,5 % im Vorjahresvergleich anstieg.

Mit der Lockerung der Einreisebestimmungen erholt sich allerdings der Tourismus und die Anzahl der ankommenden Reisenden überstieg im Juli zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder eine Million. Der Tourismus machte vor der Pandemie mehr als 20 % des BIP aus, und der Anstieg der Besucherzahlen wirkt sich auf das Verbrauchervertrauen aus.

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Die Wachstumsaussichten sind indes komplexer und werden zunehmend von der steigenden Inflation überschattet, die nun die Zentralbanken zu Zinserhöhungen veranlasst. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise wirken sich auch auf die Fiskalpolitik aus. So kündigte Indonesien im Vorfeld einer Kraftstoffpreiserhöhung von 30 % vor kurzem eine kompensierende Barzulage für Familien und Arbeiter mit niedrigem Einkommen an. Auch wenn Malaysia keine Energiesubventionen in seinem Haushalt vorsieht, dürften die Energiekosten angesichts des Anstiegs der Ölpreise höher ausfallen.

Die Rohstoffpreise, insbesondere für Industriemetalle, fallen mittlerweile wieder. Dies könnte Auswirkungen auf die Zahlungsbilanzen in Indonesien und Malaysia haben. Unterdessen haben sich die Aussichten für die Exporte von Industrieerzeugnissen infolge einer erwarteten Verlangsamung des Welthandels eingetrübt.

In Indonesien sind langfristige Reformen im Rahmen des Omnibus-Gesetzes – ein Paket von Änderungen der Steuer- und Arbeitsmarktgesetzgebung – eine wichtige Unterstützung und sollten zur Verbesserung von Produktivität und Wirtschaftsleistung beitragen. Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass diese Reformen Wirkung zeigen, da die ausländischen Direktinvestitionen zunehmen. Der Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen ist auch mit einer gewissen Verlagerung der Fertigung aus China verbunden, da Unternehmen ihre Lieferketten diversifizieren. Auch Malaysia profitiert von diesem Trend.

Politische Risiken 

Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist die Politik.

Die Philippinen wählten im Mai einen neuen Führer: Ferdinand „Bongbong“ Marcos kam an die Macht. Ungeachtet einiger populistischer Rhetorik im Wahlkampf scheinen die politischen Prioritäten bisher marktfreundlich zu sein. Dennoch muss die Lage genau im Auge behalten werden.

In Malaysia, wo im Juli 2023 Parlamentswahlen anstehen, könnte es zu grösserer Unsicherheit über den politischen Ausblick kommen, und es gibt Spekulationen, dass diese unmittelbar bevorstehen könnten. Der frühere Premierminister Najib Razak verlor im August sein letztes Revisionsverfahren und trat eine zwölfjährige Haftstrafe wegen kriminellen Vertrauensbruchs, Geldwäsche und Machtmissbrauchs an. Er hat nun eine königliche Begnadigung beantragt und bleibt bis zu einer Entscheidung ein Abgeordneter des Parlaments.

Die politische Landschaft ist zunehmend fragmentiert und es besteht die Sorge, dass ohne ausreichenden politischen Konsens bei den dringend benötigten Strukturreformen nur begrenzte Fortschritte erzielt werden könnten. Obwohl Aussicht auf eine gewisse Verbesserung der politischen Aussichten besteht, herrscht noch Unsicherheit vor. 

In Thailand sollen bis März 2023 Parlamentswahlen stattfinden. Nach einem Staatsstreich im Jahr 2014 hielt Thailand 2019 Wahlen ab, allerdings bei einem von der Junta ernannten Senat. Vor der Covid-19-Pandemie hatte Thailand Proteste gegen die Regierung erlebt, und jüngste Meinungsumfragen zeigen, dass die oppositionelle Pheu-Thai-Partei mit Paetongtarn Shinawatra als Spitzenkandidatin für das Amt des Premierministers einen grossen Vorsprung hat.

Paetongtarn ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der 2006 bei einem Militärputsch abgesetzt wurde, und die Nichte der ehemaligen Premierministerin Yingluck Shinawatra, die 2013 vom Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben wurde. Das Verfassungsgericht hat kürzlich den derzeitigen Ministerpräsidenten Prayut Chan-o-cha suspendiert, weil er die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Amtszeit von acht Jahren überschritten hat. Je nach der diesbezüglich endgültigen Entscheidung könnte es nun zu vorgezogenen Neuwahlen kommen.

Geldpolitische Straffung

Wie in den meisten Volkswirtschaften weltweit ist die Inflation in der ASEAN-Region gestiegen, wenn auch von einem niedrigeren Niveau aus. Am deutlichsten wird dies in Thailand, wo die Gesamtinflation im August 7,9 % im Jahresvergleich erreichte, was weit über dem Ziel von 2 % lag. Auch in den Philippinen liegt die Teuerungsrate über dem Zielwert und in Indonesien am oberen Ende des Zielbereichs. Die Zentralbank Malaysias nennt kein explizites Inflationsziel.

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Um die Inflation unter Kontrolle zu halten, haben die ASEAN-Zentralbanken in diesem Jahr begonnen, Straffungsmassnahmen zu ergreifen. Die philippinische Zentralbank hat den Leitzins bereits um insgesamt 175 Basispunkte (Bp.) auf 3,75 % angehoben, während die malaysische Zentralbank ihren Leitzins in diesem Jahr um 75 Bp. auf 2,5 % erhöht hat. Die Zentralbanken von Thailand und Indonesien reagierten langsamer und begannen erst im August mit einer zinspolitischen Straffung. Dies waren die ersten Zinserhöhungen seit 2018.

Es ist jedoch erwähnenswert, dass trotz dieser Schritte die realen Leitzinsen in Malaysia und Thailand fest im negativen Bereich verharren.

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Bewertungen

Die aggregierten Bewertungen für jeden ASEAN-Indexmarkt variieren und spiegeln zum Teil einige Nuancen in den jeweiligen Aussichten sowie die verfügbaren sektor- und aktienspezifischen Chancen in jedem Markt wider.

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Auf kombinierter Basis (Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buch-Verhältnis und Dividendenrendite) liegen die Bewertungen in Thailand, den Philippinen und Indonesien leicht hinter ihrem historischen Median, sind aber im Vergleich zu anderen Schwellenländern nicht günstig. Die Rentabilität in Malaysia und Thailand ist zudem die niedrigste in den Schwellenländern, während sich Malaysia seit 2019 kaum verbessert hat, wobei sich die Eigenkapitalrenditen in Thailand etwas verschlechtert haben.

Malaysia ist ein Markt, der günstig erscheint, vor allem, wenn die Gewinnsteuer für Banken im Jahr 2023 ausläuft. In makroökonomischer Hinsicht bestehen jedoch verschiedene langfristige Herausforderungen, was zumindest teilweise für die niedrigen Bewertungen verantwortlich ist.

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Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den ASEAN-Währungen. Alle vier Währungen sind günstig, aber im Vergleich zu anderen Schwellenländern weniger attraktiv.

Ein gemischtes Bild für die Schwellenländer Südostasiens

Die gute Nachricht für die Schwellenländer Südostasiens ist, dass sich diese Volkswirtschaften erholen, da sie allmählich von der breiteren wirtschaftlichen Wiedereröffnung profitieren. Dies ist nach den schwierigen Zeiten der Pandemie sehr zu begrüssen.

Die schlechte Nachricht ist indes, dass ein Grossteil dieser Wiedereröffnung bereits eingepreist ist und sich in den Bewertungen widerspiegelt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Herausforderungen, die den Ausblick belasten könnten. Auf Marktebene favorisieren wir die ASEAN EM nicht. Es gibt jedoch einige interessante aktienspezifische Gelegenheiten in der Region, und für jedes Land der Region ASEAN EM ist daher eine spezifischere, ganzheitliche Bewertung angebracht.

Obwohl die Reformen in Indonesien langfristig unterstützend wirken, fallen die Bewertungen insgesamt nicht allzu attraktiv aus. In Malaysia sind die Bewertungen angemessen, aber die politische Unsicherheit trübt weiterhin den Ausblick ein. In Thailand ist die Wiedereröffnung des Tourismussektors positiv, aber die Binnenwirtschaft bleibt durch Trägheit gekennzeichnet. Zudem steigt im Vorfeld der Parlamentswahlen das politische Risiko. Gleichzeitig gibt es in allen drei Märkten einige attraktive Unternehmen.

Die Philippinen sind vielleicht unser am wenigsten favorisiertes südostasiatisches Schwellenland. Die dienstleistungsorientierte Wirtschaft erholt sich, aber die Bewertungen sind nicht attraktiv und die Gelegenheiten auf aktienspezifischer Ebene sind begrenzt.

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