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Märkte

Wie schneiden nachhaltige Unternehmen während der Covid-19-Krise ab?


Nicholette MacDonald-Brown

Nicholette MacDonald-Brown

Fondsmanagerin, europäische Aktien

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Scott MacLennan

Scott MacLennan

Fondsmanager/Researchanalyst, Europäische Aktien

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Wir bei Schroders sind davon überzeugt: Unternehmen, die ihre Interessengruppen fair behandeln, erzielen eine bessere Aktienkursentwicklung als Unternehmen, die dies nicht tun.

Vor dem Ausbruch der Covid-19-Krise gab es am Markt zunehmend Diskussionen zu diesem Thema. Einige vertraten die Ansicht, dass nachhaltiges Investieren lediglich ein Luxus ist, den man sich während einer Hausse leisten könne – anstatt eine Möglichkeit, um während des gesamten Marktzyklus überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Die jüngste Marktvolatilität bot die Gelegenheit, unsere Theorie des nachhaltigen Investierens während eines Markteinbruchs und einer ebenso plötzlichen Rallye zu testen. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

Im Hinblick auf europäische Aktien ordnet unser firmeneigenes Tool CONTEXT Unternehmen nach ihrer Nachhaltigkeit ein, wie wir im Folgenden ausführlicher erklären. Auf der Grundlage dieser Rangliste zeigt unsere Analyse, dass europäische Aktien, die im obersten Quartil für Nachhaltigkeit rangieren, vom Höchststand des Marktes am 17. Februar bis zum Tiefstand am 23. März einen durchschnittlichen Kursrückgang von 29 % verzeichneten.

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Im Gegensatz dazu fielen die Aktien im vierten Quartil (also die am wenigsten nachhaltigen) im gleichen Zeitraum im Schnitt um 38 %. Dies steht im Vergleich zum Rückgang der Benchmark von 35 %.

Bei der Erholung, die vom 23. März bis zum 17. April stattfand, stiegen die Aktien des obersten Quartils im Durchschnitt um 19 % gegenüber 17 % für die Aktien des untersten Quartils und 19 % für die Benchmark.

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Diese Zeiträume sind natürlich sehr kurz, und die Performance in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge. Es ist jedoch interessant zu sehen, dass sich während der jüngsten Marktturbulenzen – die den Höhepunkt der Marktbesorgnis über die Covid-19-Pandemie darstellten – Aktien mit einem besseren Nachhaltigkeitsprofil besser entwickelten.

Manche Anleger halten nachhaltiges Investieren für einen Luxus, den man in schwierigeren Zeiten getrost ignorieren kann – unsere Daten widerlegen diese Einstellung jedoch. 

Wie messen wir Nachhaltigkeit?

Das European Equities Blend Team von Schroders verwendet das firmeneigene Tool CONTEXT, um die nachhaltigsten und die am wenigsten nachhaltigen Unternehmen zu identifizieren.

Das Instrument wurde vom Team gemeinsam mit den Kollegen des Sustainable Investment Teams entwickelt.

CONTEXT ermöglicht es uns, die Beziehungen eines einzelnen Unternehmens zu all seinen Interessengruppen zu analysieren. Die Interessengruppen, die wir prüfen, sind Kunden, Mitarbeitende, Lieferanten, Aufsichtsbehörden, Aktionäre und die Umwelt. Außerdem berücksichtigen wir die Governance eines Unternehmens und die Qualität des Managements. Die Bedeutung der einzelnen Interessengruppen ist je nach Sektor unterschiedlich – die Regulierungsbehörden sind für Banken eine wichtigere Interessengruppe als beispielsweise für den Einzelhandel. Dies wurde in unseren Analysen berücksichtigt.   

Sobald wir die Stärke der Beziehung eines Unternehmens zu jeder dieser Interessengruppen bewertet haben, vergleichen wir diese mit anderen Unternehmen desselben Sektors. Daraus ergibt sich eine Rangfolge nach Quartil für jedes Unternehmen im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Das bedeutet, dass kein Quartil von einem bestimmten Sektor oder Anlagestil dominiert wird.

Wie sind die Aussichten für nachhaltige Investitionen nach der Krise?

Das verheerende Ausmaß der Covid-19-Krise hat die Reaktionen von Regierungen, Einzelpersonen und Unternehmen in den Blickpunkt gerückt. Ein beträchtliches Medien- und Verbraucherinteresse hat sich darauf konzentriert, wie Unternehmen ihre Interessengruppen in dieser Krise behandeln.

Beispielsweise sahen sich zu Beginn des Ausbruchs, als – zumindest in Großbritannien –die Lockdown-Richtlinien weniger klar waren, Unternehmen, die von ihren Mitarbeitenden verlangten, ohne persönlichen Schutz zu arbeiten, oder in denen eine soziale Distanzierung unmöglich war, mit einer negativen Reaktion der Presse und der Öffentlichkeit konfrontiert.

Die faire Behandlung der Beschäftigten erstreckt sich auch auf diejenigen, die vorübergehend nicht wie üblich arbeiten können. Nicht jede Arbeit kann von zu Hause aus erledigt werden, und viele Mitarbeitende werden ihre Kinder nebenbei von zu Hause unterrichten müssen. Die Flexibilität der Arbeitgeber wird entscheidend sein, um im Anschluss an die Krise eine motivierte Belegschaft zu halten.

Unternehmen bieten auch entlang der Wertschöpfungskette Unterstützung an, ob für Lieferanten oder Händler. Die Verlängerung der Zahlungsfristen für Miete, Versorgungsleistungen oder erhaltene Waren ist ein Beispiel dafür.  

Positive Schlagzeilen machten Unternehmen, die ihre Produktionslinien umstellten, um statt Kosmetika, Kleidung oder Autos Handdesinfektionsmittel, Schutzkittel oder Beatmungsgeräte herzustellen. Andere Unternehmen haben Spenden zur Unterstützung der medizinischen Forschung oder lokaler Gemeinden geleistet.  

Die obigen Beispiele zeigen, dass viele Unternehmen in ganz Europa ihre Verantwortung gegenüber ihren Interessengruppen ernst nehmen. Und ihr Verhalten wird zur Kenntnis genommen. Eine im März von Edelman durchgeführte Studie über Markenvertrauen ergab, dass 65 % der Befragten angaben, dass ihre zukünftigen Kaufentscheidungen vom Verhalten von Unternehmen während der Pandemie beeinflusst werden würden. In China lag dieser Anteil sogar bei 88 %. Unternehmen, die ihre Interessengruppen jetzt fair behandeln, sind möglicherweise besser für die Zukunft nach der Krise gewappnet.

Die aktuelle Krise hat weitreichende Auswirkungen. Wir glauben, dass sich das Verhalten von Unternehmen und Verbrauchern wahrscheinlich dauerhaft ändern wird. Die Covid-19-Krise unterscheidet sich von früheren Krisen insofern, als dass staatliche Unterstützung nicht nur dem Finanzsystem geboten wird, sondern als sozialer Zuschuss auch Unternehmen und Beschäftigten durch diese schwierige Zeit hilft. Dies wiederum könnte zu einem neuen und dauerhaften Sozialvertrag zwischen Regierungen, Regulierungsbehörden und der Arbeitnehmerschaft führen.

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