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Wird China zu einer globalen Inflationsquelle?


Die jüngste Phase der Wareninflation hat Jahrzehnte des desinflationären Drucks zunichte gemacht, seit China zu einem Billigproduzenten aufgestiegen ist. Die Erholung von der Covid-19-Pandemie hat natürlich zu einer galoppierenden Wareninflation beigetragen, da Lockdowns die Nachfrage in den Warensektor verlagert und Lieferketten unterbrochen haben.

Die Wareninflation sollte kurzfristig zurückgehen, während diese Reibungen nachlassen. Allerdings lässt sich das nagende Gefühl kaum abschütteln, dass wir möglicherweise einen Wendepunkt erreicht haben und kurz vor einem neuen Inflationsregime stehen. Denn Chinas Arbeitskräfte werden teurer und die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in den kommenden Jahren schrumpfen. Unterbrechungen der Lieferkette als Folge von Chinas Null-Covid-Politik haben dazu geführt, dass Handelsfalken noch lauter nach einer Verlagerung der Produktion verlangen.

Wird China also zu einer globalen Inflationsquelle?

Die Entwicklung der Inflation im letzten Jahrhundert

Die Weltwirtschaft hat im vergangenen Jahrhundert viele Regimes hoher und niedriger Inflation durchgemacht, da Wirtschaftsbooms und -Krisen, Kriege und politische Veränderungen Druck auf die Preise ausgeübt haben (Abb. 1). Die Covid-19-Pandemie hat einer besonders langen Phase niedriger Inflation ein Ende gemacht, die in den 1990er Jahren begann, als das Zusammenwirken verschiedener Faktoren die Preise belastete:

Die Zentralbanken machten die Kontrolle der Inflation zu ihrem Hauptziel, die Rohstoffversorgungsschocks in den 1970er Jahren liessen nach, während eine straffere Geldpolitik und die Auflösung der Gewerkschaften dazu beitrugen, die Zweitrundeneffekte früherer Preiserhöhungen einzudämmen. Die globale Finanzkrise war ein grosser deflationärer Zusammenbruch, während Reformen in den Schwellenländern periodischen Währungskrisen ein Ende bereiteten, die oft zu Phasen hoher Inflation führten.

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Die Globalisierung spielte auch eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Inflation, insbesondere die Entwicklung Chinas zu einem wichtigen Zentrum für kostengünstige Produktion. Nach Angaben der Weltbank stieg der Handel von etwa 25 % des globalen BIP im Jahr 1970 auf einen Höchststand von etwa 60 % Mitte der 2000er Jahre, als sich die globalen Lieferketten in den Osten verlagerten, um von einem grossen Pool billiger Arbeitskräfte zu profitieren.

1995 hatte China eine Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 830 Millionen Menschen. Dies war fast das Doppelte der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den G7 zu dieser Zeit, die jedes Jahr um etwa 10 Millionen Arbeitnehmer zunahm. Und diese Arbeitskräfte waren extrem billig. Schätzungen von Oxford Economics zeigen, dass Arbeiter im verarbeitenden Gewerbe Chinas 1995 einen Durchschnittslohn von 40 Cent pro Stunde erhielten, was nur 2 % des durchschnittlichen Stundensatzes von 17 US-Dollar entspricht, der in den G7 gezahlt wird.

Der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) in den frühen 2000er Jahren senkte die Handelsbarrieren und erwies sich als Katalysator für eine Phase starker exportorientierter Industrialisierung, da immer mehr Unternehmen ihre Produktion nach China verlagerten, um von den geringen Produktionskosten zu profitieren. Wie die Abbildungen 2 und 3 zeigen, setzte dies die globalen Warenpreise unter Druck. Beispielsweise waren die Importpreise für US-Waren seit Mitte der 1990er Jahre bis vor Kurzem sehr stabil. Während sich die Welt über billige Importe freute, rückte China ins Zentrum der globalen Lieferketten und gewann an Marktanteilen.

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Mit Blick auf die Zukunft gibt es jedoch Bedenken, dass diese Abhängigkeit von China dazu führen wird, dass sich die deflationäre Belastung umkehrt. Es wird nämlich erwartet, dass Chinas Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den kommenden Jahren erheblich schrumpfen wird, während das schnelle Lohnwachstum dazu führt, dass Arbeitskräfte nicht mehr so billig sind wie früher – die Politik des „gemeinsamen Wohlstands“ der Regierung droht, die Löhne sogar noch weiter in die Höhe zu treiben. Unterdessen vollziehen sich diese strukturellen Veränderungen vor dem Hintergrund einer restriktiveren Handelspolitik gegenüber China, die Lieferketten zu unterbrechen droht.

Müssen wir uns über ein neues Inflationsregime Sorgen machen, das durch höhere Warenpreise aus China angetrieben wird?

Es ist erwähnenswert, dass die Arbeitsmarktdaten in den meisten Schwellenländern tendenziell schlecht sind, und China ist sicherlich keine Ausnahme. Kaum jemand zweifelt daran, dass die Löhne in China in den letzten Jahren dramatisch gestiegen sind, was bedeutet, dass das Land nicht mehr die ultrabillige Quelle für Arbeitskräfte ist, die es einmal war. Tatsächlich zeigen Schätzungen von Oxford Economics, dass die Löhne im verarbeitenden Gewerbe in den letzten 25 Jahren um erstaunliche 1700 % (in US-Dollar) gestiegen sind.

Aber wie Abbildung 4 zeigt, sind diese Schlagzeilen weit weniger beängstigend, wenn man sie im globalen Kontext betrachtet. Die Löhne sind immer noch deutlich niedriger als in Industrieländern und nicht viel höher als in grossen Schwellenländern wie Indien und Mexiko, die mit China konkurrieren.

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Darüber hinaus scheint das Lohnwachstum in China im Gegensatz zu anderen Schwellenländern wie Mexiko, die ähnliche Gewinnsteigerungen verzeichneten, grösstenteils durch schnelle Produktivitätssteigerungen gerechtfertigt zu sein. Wir haben keine zuverlässigen, langfristigen Daten zur Produktivität in der Fertigung in den Schwellenländern. Aber wenn man den Schätzungen der gesamtwirtschaftlichen Produktivität glauben darf, dann hat das Produktivitätswachstum in China das vieler anderer Schwellenländer in den letzten Jahrzehnten deutlich übertroffen (Abb. 5). Anders gesagt: Arbeiter in China wurden für die Produktion von mehr Gütern besser bezahlt, hielten die Lohnstückkosten niedrig und wurden dadurch im Vergleich zu anderen Schwellenländern noch wettbewerbsfähiger.

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Fehlende Daten machen es jedoch schwierig, diesen Effekt auf die Produktionskosten nachzuweisen. Trotz des schnellen Lohnwachstums hat die extreme Wettbewerbsfähigkeit es China ermöglicht, einen ständig wachsenden Anteil des Weltexportmarkts ohne offensichtliche inflationäre Auswirkungen auf die globalen Warenpreise für sich zu beanspruchen.

Anders ausgedrückt: Der Anteil der Haushalte am Volkseinkommen ist im Vergleich zum Rest der Welt niedrig geblieben, was dazu beiträgt, die Produktionskosten niedrig zu halten (Abb. 6). Es ist erwähnenswert, dass dies der Hauptgrund dafür war, dass die Bemühungen der Regierung, die Inlandsnachfrage weg von den Investitionen und hin zum Konsum auszurichten, gescheitert sind.

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Die Priorisierung der externen Wettbewerbsfähigkeit und die klaffende Einkommensungleichheit führten schliesslich zur neuen Politik des „gemeinsamen Wohlstands“, die im Rahmen der wirtschaftlichen und regulatorischen Ankündigungen im Jahr 2021 propagiert wurde. Die Frage, was gemeinsamer Wohlstand in der Praxis bedeutet, wird einen grossen Einfluss auf die globalen Inflationsaussichten haben.

Warum der gemeinsame Wohlstand für die globale Inflation wichtig sein könnte

Wenn der gemeinsame Wohlstand zu zentral verordneten Lohnsteigerungen führt, die die Produktivität weit übersteigen, dann könnte das Probleme mit sich bringen. Es gibt viele Beispiele für Schwellenländer, insbesondere in Lateinamerika, die die Löhne über das durch die Produktivität gerechtfertigte Niveau getrieben haben. Steigende Arbeitskosten haben in der Vergangenheit tendenziell zu einer Verschlechterung der externen Wettbewerbsfähigkeit geführt, was zu Importsubstitution und der Zerstörung der heimischen Industrie führte.

Langfristig würde ein solches Szenario wahrscheinlich dazu führen, dass die Produktion auf andere, wettbewerbsfähigere Märkte wie Vietnam verlagert wird. Darauf kommen wir später zurück. Kurzfristig würde Chinas Dominanz in vielen Branchen es den Verbrauchern jedoch erschweren, in andere Länder zu diversifizieren, was zu höheren globalen Warenpreisen führen würde.

Zu Pekings Reformpaket im vergangenen Jahr gehörten Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Löhne in der Gig Economy. Beispielsweise hat das Ride-Hailing-Unternehmen Didi seine Provision für Fahrer um 50 % erhöht. Angesichts der Tatsache, dass die Fahrer wahrscheinlich nicht in der Lage sein werden, die Anzahl ihrer Fahrten zu erhöhen, ist dies genau die Art von produktivitätszerstörenden Lohnerhöhungen, die Inflationsdruck aufbauen könnte.

Das Risiko eines schnellen Lohnwachstums, das die Produktivität übersteigt, muss zwar genau überwacht werden, wir rechnen jedoch nicht damit, dass sich dies bewahrheitet. Die jüngsten Reformen der Gig Economy sollten im Zusammenhang mit einer zunehmenden globalen Regulierung neuer Industrien gesehen werden, welche nicht unbedingt ein Hinweis auf die zukünftige politische Richtung Chinas ist. Auch in Grossbritannien haben Mitarbeitende von Ride-Hailing-Unternehmen bessere Anstellungsbedingungen errungen.

Wenn überhaupt, blieben die meisten kürzlich von der Regierung angekündigten Reformen im Einklang mit dem Versuch, das Einkommensniveau und den Lebensstandard durch wirtschaftliche Entwicklung und die Umschichtung von Kapital weg von unproduktiven Sektoren wie Immobilien in neue und aufstrebende Industrien zu steigern. Dies steht eher im Einklang mit früheren Strategien und Slogans wie „duale Zirkulation“ und „Made in China“, bei denen es darum ging, die externe Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten und mehr Wertschöpfung zu internalisieren, um die Einkommen zu erhöhen. Ob es dieser Politik gelingen wird, das verfügbare Einkommen und den Konsum in Zukunft anzukurbeln, ist fraglich, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie zu einem grösseren Inflationsimpuls führen wird.

Aber was ist mit der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung? Wenn China die Arbeiter ausgehen, werden diese doch sicherlich in der Lage sein, höhere Löhne zu fordern und all diese Top-down-Politiken ausser Kraft zu setzen?

Es besteht kaum Zweifel daran, dass Chinas Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – definiert als die Zahl der Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren – in den kommenden Jahren schrumpfen wird. Trotz der Aufhebung der Ein-Kind-Politik im Jahr 2016 bedeutet Chinas niedrige Geburtenrate, dass wir eine ziemlich gute Vorstellung davon haben, wie sich die Dinge entwickeln werden. Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass die Erwerbsbevölkerung in den nächsten zwei Jahrzehnten um mehr als 10 % schrumpfen wird (Abb. 7).

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Es ist jedoch nicht garantiert, dass ein Rückgang der chinesischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter automatisch einen Aufwärtsdruck auf die lokalen Löhne und die globalen Warenpreise ausüben wird.

Betrachtet man die Wachstumsbeiträge der Angebotsseite der Wirtschaft, so wird deutlich, dass Arbeit seit geraumer Zeit kein wichtiger Input mehr ist (Abb. 8). Produktivität ist alles. Wenn überhaupt, hat die Arbeit in den letzten Jahren das Wachstum bereits leicht gebremst, ohne erkennbare Auswirkungen auf die Erzeugerpreise. Daher sollte ein leichter kurzfristiger Rückgang der Zahl der Arbeitnehmer keinen grossen Unterschied machen.

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Ob ein stärkerer Rückgang der Beschäftigtenzahlen die Erzeugerpreise längerfristig in die Höhe treiben wird, wird lebhaft diskutiert. Während einige Experten wie Guthart & Pradhan argumentieren, dass sinkende Bevölkerungszahlen inflationär sein werden, argumentieren viele andere, dass es keine Auswirkungen auf die Preise geben wird.

Wir werden auf diese Debatte hier nicht weiter eingehen. Es ist jedoch erwähnenswert, dass es reale Beispiele für Volkswirtschaften gibt, die einen Rückgang der Bevölkerungszahl im erwerbsfähigen Alter ohne erkennbare Auswirkungen auf die Erzeugerpreise oder die Inflation – im Inland oder im Rest der Welt – erlitten haben. Japan ist ein naheliegender Vergleichsfall, da das Land ein wichtiger Exporteur in Asien ist, der schon lange unter einem Bevölkerungsrückgang leidet.

Während Japan in der Lage war, die Produktion von Industriegütern nach China zu verlagern, würde dies China angesichts seiner schieren Grösse in grossem Umfang schwerfallen. Klar ist jedoch, dass ein Rückgang der Erwerbsbevölkerung keine offensichtlichen Auswirkungen auf die Preise in Japan hatte und dass die Deflation nach wie vor ein Risiko darstellt. Aus Sicht der Erwerbstätigen war die versteckte Unterauslastung auf dem Arbeitsmarkt ein Faktor, der dazu beigetragen hat, die rückläufige Zahl der Arbeitnehmer auszugleichen und einen Aufwärtsdruck auf Löhne und Erzeugerpreise zu verhindern. Wie insbesondere Abbildung 9 zeigt, stieg die Erwerbsbeteiligungsquote von weiblichen Arbeitnehmern erheblich von etwa 55 % in den 1990er und frühen 2000er Jahren auf heute über 70 %.

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China wird wahrscheinlich nicht nachziehen können, da die Beteiligung von Frauen im Vergleich zu vielen anderen Schwellenländern hoch ist (Abb. 10).

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Könnte es in anderen Teilen des chinesischen Arbeitsmarktes versteckte Unterauslastungen geben?

Das Baugewerbe war in der Vergangenheit eine wichtige Beschäftigungsquelle, scheint jedoch nach dem jüngsten Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik eine weniger wichtige Rolle für das künftige Wachstum zu spielen. Eine weitere Folge einer schrumpfenden Bevölkerung ist, dass China den schnellen Wohnungsbau nicht länger aufrechterhalten muss, was Arbeiter freisetzen wird.

Darüber hinaus deuten die meisten Schätzungen auf ein hohes Mass an Informalität auf dem chinesischen Arbeitsmarkt hin: Manchen Schätzungen zufolge sind die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Schattenwirtschaft tätig. Die Umverteilung von Arbeitskräften ist nie ein reibungsloser Prozess. Nicht alle Arbeitnehmer sind mobil oder verfügen über die erforderlichen Fähigkeiten, um in neue Branchen einzusteigen. Das Absorbieren dieser Arbeitnehmer dürfte jedoch weiterhin einen Abwärtsdruck auf die Einkommen ausüben und könnte zu einer Verlagerung von Arbeitskräften in produktivere Sektoren führen.

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https://blogs.imf.org/2020/04/30/a-new-deal-for-informal-workers-in-asia/#post/0

All dies gilt natürlich auf Gesamtebene – sicherlich könnte die Lage für arbeitsintensive Sektoren prekär sein, die mit geringen Margen arbeiten und nicht einfach automatisiert werden können? Es ist schwierig, die Produktivität in arbeitsintensiven Sektoren zu steigern. Eine schrumpfende Belegschaft könnte dieses Problem noch verschärfen. Dies wäre unabhängig von der Demografie ein langfristiges Problem, da die Löhne durch Gewinne an anderer Stelle in der Wirtschaft nach oben gezogen werden könnten.

Die Bekleidungs- und Schuhbranche sind offensichtlich arbeitsintensive Branchen, die in dieser Hinsicht Kandidaten für Inflationsdruck sein könnten. Ein Blick auf die Daten zeigt jedoch, dass hier bereits eine Transformation stattfindet. Tatsächlich hat Chinas Anteil an den globalen Textilexporten, wie Abbildungen 12 und 13 zeigen, mit rund 40 % im Jahr 2015 bereits einen Höchststand erreicht, wobei andere Schwellenländer wie Vietnam und Bangladesch seitdem Marktanteile hinzugewinnen. Ein ähnlicher Trend setzte schon früher im Schuhsektor ein.

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Anders gesagt: Die Produktion in diesen arbeitsintensiven Sektoren hat sich bereits als Reaktion auf die höheren Arbeitskosten in China verlagert. Wie Abbildung 14 zeigt, hat dies die globalen Preise niedrig gehalten – die Preise für Kleidung und Schuhe sind in den letzten Jahrzehnten kaum gestiegen. Wie wir in unserer Analyse zur US-China-Entkopplung festgestellt haben, gibt es in den Schwellenländern immer noch ein riesiges, ungenutztes Angebot an billigen Arbeitskräften, das die globalen Warenpreise noch einige Zeit unter Druck setzen könnte.

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Warum die Geopolitik das wichtigste globale Inflationsrisiko bleibt

Das offensichtliche Risiko besteht darin, dass geopolitische Spannungen dazu führen, dass die Globalisierung ins Gegenteil verkehrt wird. Die US-Handelspolitik wurde unter Präsident Trump weitaus restriktiver, wobei Zölle auf chinesische Waren eingeführt wurden, um Unternehmen zu ermutigen, ihre Lieferketten in andere Länder zu diversifizieren oder die Produktion wieder in die Heimat zu verlagern.

Handelszölle scheinen nicht erfolgreich gewesen zu sein. Die Unterbrechung der globalen Lieferketten während der Covid-19-Pandemie und die Bruchlinien, die durch Russlands Invasion in der Ukraine entstanden sind, haben dazu geführt, dass diese Rufe nach mehr Sicherheit in der Lieferkette lauter wurden. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass Unternehmen begonnen haben, sich aus China zurückzuziehen. Die Verlagerung der Produktion oder auch nur die Einrichtung regionaler Produktionszentren ist mit Kosten verbunden, die Unternehmen mit Preissetzungsmacht an die Verbraucher weitergeben könnten. Dies ist die grosse Bedrohung für die globalen Warenpreise, nicht der chinesische Arbeitsmarkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Befürchtungen, wonach ein rasches Lohnwachstum und eine schrumpfende Bevölkerung in China die Inflation auf längere Sicht anheizen werden, wahrscheinlich übertrieben sind. Frühere Lohnzuwächse wurden durch erhöhte Produktivität gerechtfertigt, was bedeutet, dass Chinas Arbeitskräfte äusserst wettbewerbsfähig bleiben. Wenn der gemeinsame Wohlstand nicht zu grossen Lohnerhöhungen führt, die weit über der Produktivität liegen, wird sich dies wahrscheinlich nicht ändern. Versteckte Unterauslastungen auf dem Arbeitsmarkt sollten trotz einer schrumpfenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verhindern, dass die Löhne in die Höhe schiessen.

Arbeitsintensive Branchen, in denen die Produktivität nicht einfach gesteigert werden kann, sind für steigende Löhne am anfälligsten. Allerdings verlagern diese Sektoren die Produktion seit einiger Zeit in noch kostengünstigere Länder. In den Schwellenländern gibt es nach wie vor ein grosses Reservoir an billigen Arbeitskräften. Das grössere Risiko für die globale Inflation besteht vielmehr darin, dass aufgrund einer restriktiven Handelspolitik die Lieferketten unterbrochen werden und die Produktion aus politischen Gründen auf weniger wettbewerbsfähige Märkte verlagert wird.

 

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