Perspektiven

Ausblick für 2021: Asiatische Aktien


  • Nicht mehr nur wenige Gewinner, sondern ein Markt, in dem ein breiteres Spektrum von Sektoren und Unternehmen Zugpferde sind.
  • Der Aufstieg des E-Commerce und der Technologiesektoren setzt sich fort.
  • China bleibt der interessanteste Markt in der Region.

Vor kurzem haben wir in Asien wie auch anderswo nach den positiven Impfstoffnachrichten eine Trendwende der Märkte erlebt. Die als „Lockdown-Verlierer" wahrgenommenen Titel, wie Reise-, Freizeit-, Finanz- und Energieaktien, haben sich am stärksten erholt. Inzwischen haben die früheren „Lockdown-Gewinner" an Dynamik verloren und blieben bei der Marktrally aussen vor.

Diese Marktrotation ist ein weltweites Phänomen. Aber wird diese Entwicklung anhalten? Ich wäre mir nicht so sicher.

Rückkehr der Lockdown-Verlierer?

Einerseits sollten positive Impfstoffnachrichten natürlich die potenziellen Risiken in den nächsten ein oder zwei Jahren erheblich reduzieren. Und wenn eine umfassende Impfung der Bevölkerung in den nächsten sechs bis neun Monaten rasch erfolgt, kann sich die Wirtschaftstätigkeit bis Ende 2021 schnell wieder normalisieren. Dies wäre sehr positiv für das Wirtschaftswachstum, da die aufgestaute Nachfrage nach Reisen und in anderen negativ betroffenen Konsum- und Investitionsbereichen befriedigt werden kann. 

Im Laufe der Zeit könnte ein schnelleres Wachstum möglicherweise zu einem Anstieg von Inflation und Zinssätzen führen. Dies würde alle „zyklischeren“ Elemente der Märkte unterstützen, einschliesslich Finanztitel, die durch den Zinsverfall in den letzten zwölf Monaten zu den grossen Verlierern gehörten.

Dies ergibt ein positives Bild für die Lockdown-Verlierer und die zyklischen Bereiche, weiterhin eine besonders gute Wertentwicklung zu erzielen.

In der Realität jedoch werden viele Länder immer noch vor einem sehr schwierigen Winter stehen, mit hohen Covid-19-Infektionzahlen und anhaltenden Lockdowns, die die Nachfrage drücken werden. Grosse staatliche Unterstützungsprogramme, die den Konsum in vielen Ländern im Jahr 2020 gestützt haben, werden zudem im Jahr 2021 auslaufen.   

Und tatsächliche Verbesserungen der Mobilität sind in den verschiedenen Volkswirtschaften möglicherweise erst nach neun bis zwölf Monaten zu beobachten. Und das setzt voraus, dass es bei der schnellen Auslieferung der neuen Impfstoffe keine Probleme gibt. 

Mit Blick auf die Zukunft scheint es auch wahrscheinlich, dass die Inflation angesichts der erhöhten Arbeitslosigkeit niedrig bleibt. Die Zentralbanken werden die Zinsen daher wohl nur langsam erhöhen. 

Nach einem anfänglichen schnellen Anstieg der Aktivität könnte sich der längerfristige Aufschwung im Vergleich somit durchaus als zäh erweisen. Faktoren, die die Wirtschaftsaktivität und Inflation im letzten Jahrzehnt gebremst haben, könnten sich demnach wieder durchsetzen. Dazu zählen eine hohe Verschuldung, negative demografische Entwicklungen, technologische Umwälzungen und Einkommensungleichheit, um hier nur einige Faktoren zu nennen. 

Angesichts dieser Unsicherheit sollte man vorsichtig damit sein, sich zu weit von längerfristigen strukturellen Wachstumsgeschichten (einschliesslich der Lockdown-Gewinner) zugunsten einer eher kurzfristigen Erholung der Zykliker (der Lockdown-Verlierer) zu entfernen.

Branchen, die es zu beobachten gilt

Es ist wahrscheinlich, dass die asiatischen Aktienmärkte in den kommenden Monaten weniger von der polarisierten Wertentwicklung „Winner takes all“ erleben werden, die wir über weite Strecken des Jahres 2020 beobachten konnten. Wahrscheinlich wird ein breiteres Spektrum von Aktien und Sektoren Zugewinne erzielen, da sich die Anleger auf Unternehmen mit mehr Erholungspotenzial konzentrieren. 

Ein Lockdown-Trend, der sich in Asien voraussichtlich fortsetzen wird, ist der Aufstieg von E-Commerce. Es ist unwahrscheinlich, dass seine Erfolgsgeschichte nachlässt, da die Verbraucher von der zusätzlichen Bequemlichkeit dieser Dienste begeistert sind. Qualität und Umfang verbessern sich zudem weiter. 

Technologiesektoren im Allgemeinen waren auch in diesem Jahr Gewinner der Veränderung des Verbraucherverhaltens, und wir sind hinsichtlich der längerfristigen Aussichten für viele der wichtigsten asiatischen Akteure optimistisch.

Die Umstellung auf 5G-Telekommunikation wird sich auch 2021 fortsetzen. Chiphersteller dürften nach einem Abschwung in den Jahren 2019 und 2020 von steigenden Preisen für Speicherkapazität profitieren. In der Zwischenzeit wird die „Digitalisierung" vieler Wirtschaftsbereiche weitergehen, was die Nachfrage nach höherer Prozessorleistung, Bandbreite und Speicherkapazität erhöhen wird.   

Die Anleger sind optimistisch

Nach der jüngsten Marktstärke sind die Gesamtbewertungen für die Region auf ein überdurchschnittliches Niveau gestiegen. Folglich wurde ein grosser Teil der Erholung der für 2021 erwarteten Unternehmensgewinne bereits eindeutig eingepreist. Dies ist jedoch eher ein globales Phänomen als etwas, das speziell auf Asien zutrifft. Dieser Optimismus ist wohl angesichts des Umfangs der konjunkturellen Erholung in den nächsten Monaten und der extrem niedrigen Zinsen und Anleiherenditen weltweit angemessen.

Bei genauerer Betrachtung sind die Bewertungen tatsächlich sehr breit gestreut. So werden einige der Sektoren mit einer robusten Dynamik in diesem Jahr – insbesondere ausgewählte Titel aus den Bereichen Gesundheitswesen, E-Commerce, Online-Gaming, 5G-Ausrüstung, Elektrofahrzeuge sowie andere chinesische A-Aktien – zu stark ausgereizten Niveaus gehandelt. Daneben bleiben viele andere Bereiche vernünftiger bewertet.  

Die hohe Anzahl und die Wertentwicklung von neuen Börsengängen (also Situationen, in denen Unternehmen neu an der Börse notiert werden) in Hongkong und Südkorea geben indes Anlass zur Vorsicht. Das trifft auch auf die hohe Beteiligung von Kleinanlegern an diesen Transaktionen und im Markthandel im Allgemeinen zu.

Wenngleich dieser Optimismus noch kein besorgniserregendes Niveau erreicht hat, besteht doch die Gefahr, dass er letzten Endes für Enttäuschungen an den Märkten sorgen wird.

China ragt immer noch heraus

Geografisch gesehen waren es die kleineren Märkte in Südostasien, die 2020 am stärksten von der Pandemie betroffen waren. Dies lag an ihrer schwächeren Gesundheitsinfrastruktur, der stärkeren Abhängigkeit vom Tourismus und der begrenzten Exponierung gegenüber Gewinnern im Online- und Technologiesektor. Sie haben sich jedoch angesichts des Impfoptimismus stark erholt, da ihre Banken und Energieunternehmen wieder auf den Radar der Investoren zurückgekehrt sind. 

Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die südostasiatischen Märkte kurzfristig weiter werden aufholen können. Die Auswahl an Anlagemöglichkeiten bei Aktien bleibt jedoch begrenzt. Diese Märkte werden von den Sektoren der „Older Economy“ dominiert, die weniger interessante längerfristig Wachstumsprofile aufweisen. Dies macht es daher unwahrscheinlich, dass wir sie in der kommenden Zeit deutlich positiver beurteilen werden. 

Im Gegensatz dazu mag China in der jüngsten Erholungsphase zurückgeblieben sein, aber es bleibt bei weitem der breiteste und tiefste Aktienmarkt in der Region. Er bietet eine viel interessantere Auswahl an Anlagechancen, sowohl auf dem Festlandmarkt als auch in der Sonderverwaltungsregion Hongkong sowie unter chinesischen Unternehmen, die in den USA notieren. Hier können Anleger in die gesamte Bandbreite der Sektoren und in einen stetigen Strom neuer Börsengänge investieren, wodurch sich die verfügbaren Möglichkeiten ständig erneuern.

Hier erfahren Sie mehr: Ausblick für 2021: China.

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Marc Brodard

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