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Bank of England mit Zinssenkung


Azad Zangana

Azad Zangana

Volkswirt

Umfragen zeigen einen dramatischen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität – und so sieht sich der Geldpolitische Ausschuss der Bank of England (Monetary Policy Comittee, MPC) gezwungen, mit entsprechenden Impulsen gegenzusteuern.

Was genau ist passiert?

Die Bank of England hat am 4. August 2016 zum ersten Mal seit sieben Jahren die Leitzinsen gesenkt, und zwar von 0,5 auf 0,25 %. Zudem hat sich der Geldpolitische Ausschuss nach vier Jahren zu einer Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung entschieden: Zu den bereits gehaltenen Staatsanleihen im Umfang von 375 Mrd. Pfund Sterling wird die Bank für weitere 60 Mrd. zukaufen. Außerdem planen die Währungshüter, direkt die Refinanzierungskosten für Unternehmen zu senken, indem sie über die nächsten 18 Monate Unternehmensanleihen in der Größenordnung von 10 Mrd. Pfund kaufen.

So wirkt sich der Brexit aus

Mit der Entscheidung für ein Verlassen der Europäischen Union breitet sich tiefe Unsicherheit bei Unternehmen und Privathaushalten aus: Wichtige Entscheidungen über Ausgaben und Investitionen scheinen nun bis auf Weiteres auf Eis zu liegen. Im letzten quartalsweisen Inflationsbericht hat die Bank of England die Wachstumsaussichten für dieses Jahr radikal von 2,3 auf lediglich 0,8 % heruntergeschraubt, was übrigens exakt der Prognose von Schroders entspricht. Die Bank hat zudem ihre kurzfristigen Inflationserwartungen erhöht, denn das abgewertete Pfund wird aufgrund gestiegener Importkosten mittelbar höheren Preisen für bestimmte Güter führen. Dennoch: Mit seiner Entscheidung konzentriert sich der Geldpolitische Ausschuss stärker auf die gedämpften Wachstumsaussichten als auf eine steigende Inflation. Denn man scheint überzeugt, dass die Preissteigerungen kurzfristiger Natur sein dürften – und sich schwächere Wachstumszahlen auch mittelfristig auswirken können.

Wertanpassung unserer Prognosen

Das veröffentlichte Sitzungsprotokoll des MPC legt nahe, dass sich eine Mehrheit der Ausschussmitglieder für eine weitere Senkung der Leitzinsen ausgesprochen haben. Sollte die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung entsprechend den Erwartungen ausfallen, dürfte sich der Wert an null annähern, jedoch noch im positiven Bereich bleiben. Da unsere eigenen Prognosen weitestgehend mit denen der Bank of England übereinstimmen, erwarten wir für den November einen auf 0,1 % abgesenkten Leitzins. Direkt im Anschluss an die Verlautbarung der Bank verlor das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar rund 1,25 % und wertete gegenüber dem Euro um 1,12 % ab. Mit dem FTSE 100 hat der wichtigste britische Aktienindex positiv reagiert und um 1,4 % zugelegt, während Staatsanleihen auf neuen Tiefstständen rentieren.

Werden die Maßnahmen ausreichen?

Aus unserer Sicht wird sich bestenfalls die für die nächsten Monate erwartete wirtschaftliche Abkühlung etwas dämpfen lassen; und wir stimmen mit Ausschussmitglied Martin Weale überein, dass sich kaum Wachstumsimpulse für die Wirtschaft ergeben werden. Zwar betonte Gouverneur Mark Carney, dass die Maßnahmen mehr auf die Inlandsnachfrage und weniger auf die Währung abzielen, allerdings dürfte er das schwächere Pfund durchaus schätzen: Es wird zwar kurzfristig die Verbraucherpreise belasten, doch langfristig den Exporten zugute kommen.

Bei Schroders sind wir überzeugt, dass Großbritannien alles daran setzen wird, folgendes Szenario zu vemeiden: Nämlich über zwei aufeinanderfolgende Quartale im Vorjahresvergleich negatives Wachstum zu verzeichnen, was eine technische Rezession bedeutet. trotzdem sehen wir eine Wahrscheinlichkeit von 40 %, dass es dennoch zu einer Rezession kommen wird.

Mark Carney unterstrich ebenfalls, dass eine weitere Ausweitung der Maßnahmen nicht auszuschließen ist, doch sind wir von der Wirksamkeit für die britische Wirtschaft nicht überzeugt. Vielmehr meinen wir, dass nun die Regierung am Zug ist und einen deutlichen finanzpolitischen Schritt mit spürbaren Impulsen gehen muss. Es wäre daher an Schatzkanzler Philip Hammond, etwa über Steuersenkungen die Investitionen auf Unternehmensseite genauso anzukurbeln wie die Ausgaben privater Haushalte.

Fazit

Die Bank of England liefert mit ihrem Programm mehr Anreize als der Markt erwartet hatte: Dies zeigt, wie sehr der Geldpolitische Ausschuss über die Wachstumsaussichten nach dem Brexit-Referendum besorgt zu sein scheint. Die Maßnahmen werden zwar die unmittelbaren Folgen der Entscheidung für den EU-Austritt dämpfen, doch sind sie alles andere als ein Allheilmittel. Vielmehr muss es künftig darum gehen, dass die Finanzpolitik ihren radikalen Sparkurs gezielter Impulse aufgibt. Zudem steht zu befürchten, dass die Bank of England keinen Handlungsspielraum mehr haben wird und realistisch bleiben muss, mit welchen Instrumenten sie tatsächlich noch die Wirtschaft stützen kann.

 


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Marc Brodard

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