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Bauen, bauen, bauen: Der Weg zum wirtschaftlichen Aufschwung... und zu Anlageerträgen?


Während überall auf der Welt die Länder den Blick auf die Zeit nach den Covid-19-Lockdowns richten, gilt es, die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu begrenzen. Dabei wird Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen, insbesondere in Europa.

So forderte der britische Premierminister Boris Johnson kürzlich eine „Infrastrukturrevolution“, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. „Wir werden bauen, bauen, bauen. Wir werden besser bauen, grüner bauen, schneller bauen“, sagte er.

Wir denken, dass die geplanten Konjunkturpakete in Europa eine Reihe neuer Möglichkeiten für Infrastrukturinvestments bieten werden.

Vor der Coronavirus-Krise mangelte es in europäischen Ländern erheblich an Finanzierungen. Die Entwicklung, Instandhaltung und Modernisierung wichtiger Infrastruktureinrichtungen war schwierig: Staaten sind häufig knapp bei Kasse und die Banken sind durch Vorschriften eingeschränkt.

Das könnte sich ändern, wenn die Konjunkturpakete jetzt umgesetzt werden. Infrastruktur bildet das Rückgrat der meisten Volkswirtschaften. Die Modernisierung der Infrastruktur, die Entwicklung erneuerbarer Energien und die Förderung der digitalen Revolution dürften die Infrastruktur-Investitionspipeline schnell füllen.

Aus Anlegerperspektive ist der Infrastrukturmarkt noch relativ jung, erst in den letzten 15 Jahren ist er so richtig entstanden. Er umfasst sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalinstrumente. Dabei bieten Eigenkapitalinstrumente ein höheres Renditepotenzial und machen mit rund zwei Dritteln den größeren Teil des Infrastrukturmarktes aus. Kapitalbeteiligungen im Infrastrukturbereich erfordern jedoch spezielle Kenntnisse und wesentlich mehr Aufwand. Wer hier neu ist, braucht Unterstützung, um möglichst viel herauszuholen.

Was spricht für Infrastructure Equity?

Da es sich bei Infrastrukturinvestments um finanzierte Projekte wesentlicher Art handelt, bieten sie in der Regel ein hohes Mass an Visibilität und geringe Ertragsschwankungen. Durch einen kurzfristigen wirtschaftlichen Abschwung fällt der Bedarf an Infrastrukturnetzen in den Bereichen Energieversorgung, Wasser- und Abfallwirtschaft oder Telekommunikation nicht einfach weg.

Wenn ein Investor Fremdkapital bereitstellen möchte, gilt es, die meiste Arbeit im Vorfeld zu erledigen. So müssen unter anderem die Kredit- und Finanzierungsrisiken vorab genau geprüft werden. Nach der Anlageentscheidung muss man sich nur wenig kümmern, erst wieder, wenn das Investment endet oder verkauft werden soll.

Bei Kapitalbeteiligungen sind hinsichtlich der Wertschöpfung noch einige weitere Schritte zu unternehmen. Beim Entwurf eines Wertschöpfungsplans – eine Art Roadmap für die zu erwartenden Erträge – liegt der Schwerpunkt etwa auf der Maximierung der Betriebseffizienz, der Refinanzierung des Objekts, der Förderung des organischen Wachstums oder der Expansion durch strategisch passende Übernahmen.

Der Unterschied von Infrastructure Equity zu traditionellen Private-Equity-Anlagen liegt in der Art der Erträge und häufig in der Beziehung zur Gegenpartei. Bei privatem Beteiligungskapital basieren die Renditeerwartungen in der Regel auf dem Kapitalgewinn, der beim Exit oder bei der Veräusserung erzielt wird. Bei Infrastructure Equity werden Erträge durch beständige Cashflows erzielt. Ferner ist die Haltedauer bei Infrastructure Equity lang – zur Umsetzung der Wertschöpfungspläne bedarf es meist zehn Jahre oder länger. Hinzu kommt, dass es sich bei den Infrastruktur-Stakeholdern gewöhnlich nicht um Unternehmen handelt, sondern um öffentliche Einrichtungen oder Kommunen, wodurch Investments eine politische Komponente erhalten. Auch dies erfordert einen langfristigen Ansatz.

Das beste Jagdrevier

Wir machen attraktive Gelegenheiten in ganz Europa aus, insbesondere aber in Frankreich, wo der Infrastrukturmarkt am grössten und am stärksten diversifiziert ist.

Die Vielfalt des französischen Marktes bedeutet, dass wir einen grösseren Zugang zu den wichtigsten langfristigen Themen haben, von denen wir erwarten, dass sie das strukturelle Wachstum vorantreiben werden – Themen wie die Energiewende und der digitale Wandel.

Frankreich profitiert auch von einem sehr soliden Regulierungsrahmen und einer langen Geschichte in der Vergabe öffentlicher Dienste an private Betreiber. Daraus ergeben sich Chancen für Infrastrukturinvestoren.

Gut kaufen, gut verwalten und gut verkaufen

Wo unserer Meinung nach Investoren etwas wählerischer sein sollten, ist bei der Grösse der Deals. In ihrer recht kurzen Geschichte ist die Branche der Infrastrukturinvestments erheblich gewachsen. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Vermögensverwaltung – vor allem der relativ fixen Kostenbasis – ist die Nachfrage nach grösseren Transaktionen gestiegen. Die für die Abwicklung eines Deals erforderliche Zeit wird nicht wesentlich vom Umfang beeinflusst. Ob gross oder klein, der Zeitaufwand ist vergleichbar. Als Folge haben sich Firmen, die zu einem grossen Player gewachsen sind, aus dem Segment kleiner und mittlerer Deals weitgehend zurückgezogen.

Dieser geringere Wettbewerb führte dazu, dass unsere kürzlich abgeschlossenen Deals auf bilateraler Basis zustande kommen konnten. Dies hat mindestens zwei Vorteile: bessere Kaufbedingungen und -konditionen sowie weniger risikobehaftete Transaktionskosten.

Bei Infrastrukturinvestments ist nicht zuletzt die Zusammensetzung des Teams sehr wichtig. Nahe vor Ort zu sein, ist ein absolutes Muss. Die Wahrscheinlichkeit, eine Transaktion erfolgreich abzuschliessen, steigt, wenn man im Land zugegen ist. Wir sitzen bereits in Frankreich und werden unsere Präsenz möglicherweise weiter ausbauen, während sich die europäischen Regierungen mit den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus auseinandersetzen und zunehmend protektionistisch werden.

Die steigenden Staatsausgaben dürften Infrastrukturinvestments zum Vorteil gereichen. Dennoch gilt: Wo, wie und mit wem Sie investieren, wird entscheidend für den Erfolg sein.

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Marc Brodard

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