Weitblick

Das Climate Progress Dashboard prognostiziert eine globale Erwärmung von 3,9 °C trotz der Covid-19-Krise


Nach unserer Analyse der Indikatoren aus dem zweiten Quartal des Jahres sind die globalen Temperaturen auf dem besten Weg, um 3,9 °C zu steigen, fast doppelt so hoch wie das Ziel des Pariser Abkommens.

Die enorme Reduzierung des Flug- und Straßenverkehrs aufgrund der weltweiten Covid-19-Sperren hat die Emissionen drastisch gesenkt, aber strukturelle Veränderungen werden von entscheidender Bedeutung sein.

Es gibt eine Unzahl von Hebeln, an denen politische Entscheidungsträger, Gesellschaften und Unternehmen weltweit ansetzen müssen, um den Klimawandel und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu bewältigen.

Die Bedrohung, die der Klimawandel darstellt, erfordert unter anderem eine aggressivere Politik, eine schnellere Kapitalumverteilung und stärkere finanzielle Anreize.

Die Covid-19-Krise hat die Weltwirtschaft und die politischen Prioritäten auf den Kopf gestellt – und die Entflechtung der kurzfristigen Auswirkungen von strukturellen Veränderungen ist wichtiger denn je.

Covid-19 hat die Emissionen reduziert: Hier ist der Grund, warum unsere globale Erwärmungsprognose gegenüber dem letzten Quartal unverändert geblieben ist.

Wir haben 2017 unser Climate Progress Dashboard entwickelt, um eine objektive Messung des langfristigen Temperaturanstiegs zu ermöglichen, der durch eine Reihe von Faktoren impliziert wird.

Es soll Investoren einen Einblick in die Fortschritte geben, die Regierungen und Industrien auf dem Weg zur Erreichung des 2015 gesetzten Ziels des Pariser Abkommens machen. Das Pariser Abkommen zielt darauf ab, den Anstieg der globalen Temperatur in diesem Jahrhundert auf weniger als 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu halten.

Wir verwenden einen Rahmen von 12 Indikatoren, der Politik, Wirtschaft, Technologie und Energie umfasst.

Durch die Konzentration auf längerfristige Fortschritts- und Handlungsindikatoren bietet das Climate Progress Dashboard eine relativ stabile Sicht auf den langfristigen Temperaturanstieg, mit dem wir konfrontiert sind.

Auf den ersten Blick scheint die Covid-19-Krise bei den globalen Treibhausgasemissionen einen Wendepunkt gebracht zu haben. Genau einen solchen Wendepunkt forderten Wissenschaftler, um die Verpflichtungen zu erfüllen, die führende Politiker der Welt 2015 in Paris eingegangen sind.

Leider ist der vorhergesagte langfristige Anstieg der globalen Temperaturen um 3,9 °C gegenüber dem letzten Quartal unverändert.

Würden die Lockdowns fortgesetzt, könnte die weltweite Energienachfrage nach Angaben der Internationalen Energieagentur um 6 % und die Kohlenstoffemissionen um 8 % sinken.

Es gibt jedoch auch noch nie dagewesene wirtschaftliche Kosten. Der Internationale Währungsfonds hat vorausgesagt, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um bis zu 5 % schrumpfen könnte.

Und die Arbeitslosenzahlen haben bereits den höchsten Stand seit mindestens einem halben Jahrhundert erreicht.

Wir glauben, dass in dem Masse, wie sich die Volkswirtschaften von der Covid-19-Krise erholen, der Rückgang der Emissionen wahrscheinlich wieder rückgängig gemacht wird, wenn die Erholung von vergangenen Krisen als Richtschnur dient.

Härtere strukturelle Veränderungen sind erforderlich, wenn wir die ebenso verheerenden langfristigen Auswirkungen der Klimakrise abwenden wollen.

Eine gewagte Klimapolitik ist eindeutig notwendig: Hier sehen Sie, wie Artikel über den Klimawandel in politischen Nachrichten zugenommen haben

Es gibt Anzeichen dafür, dass sich einige politische Entscheidungsträger auf die erforderlichen härteren strukturellen Veränderungen vorbereiten.

So hat die EU angekündigt, dass bis zu drei Viertel des Covid-19-Konjunkturprogramms der Region an die Erfüllung von Klimazielen gebunden sein werden.

Aber die Auswirkungen sind noch nicht spürbar, und der Schritt von Absichtserklärungen hin zu konkreten Massnahmen wird von entscheidender Bedeutung sein.

Die Absichten seitens der Politik zu verfolgen, ist zu jeder Zeit eine Herausforderung. Wir haben uns an die politische Presse gewandt, um zu beurteilen, inwieweit ihre kollektive Aufmerksamkeit dem Klimawandel weiterhin gilt.

Seit der Zeit vor der globalen Finanzkrise haben wir vierteljährlich die Anzahl der Artikel in wichtigen politischen Publikationen verfolgt, die sich mit dem Klimawandel befassen.

Die nachstehende Grafik zeigt, dass sich die Aufmerksamkeit in letzter Zeit zwar anderen Bereichen zugewandt hat, jedoch robust bleibt – insbesondere im Vergleich zum starken Rückgang von 2008/09.

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-01_DE.png

Und die folgende Grafik unterstreicht den stärkeren Fokus auf den Klimawandel in diesem Jahr im Vergleich zu den letzten beiden Jahren.

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-02_DE.png

Abwägung der positiven und negativen Aspekte

Was das Climate Progress Dashboard im Detail betrifft, so gab es im letzten Quartal eine Spannung zwischen den positiven und den negativen Aspekten.

Positiv: Kohlenstoffpreisanstieg und schwächere Investitionen in fossile Brennstoffe

Ein wichtiger Impuls war der starke Anstieg der Kohlenstoffpreise, insbesondere im EU-Emissionshandelssystem, wo sie im Juli den höchsten Stand seit zehn Jahren erreichten.

Dieser Anstieg – trotz der immer noch gedämpften Industrieproduktion – deutet auf Optimismus für einen härteren Klimaschutz in der Zukunft hin.

Eine weitere Schwäche bei den Investitionen in fossile Brennstoffe im letzten Quartal trug ebenfalls dazu bei und signalisierte geringere Wachstumsabsichten für diese Industrie.

Negativ: Wachstum der Produktion fossiler Brennstoffe, schwaches Wachstum der erneuerbaren Energien

Der jüngste BP Statistical Review of World Energy 2020 unterstrich die Herausforderung eines anhaltenden Wachstums der Produktion fossiler Brennstoffe. Er zeigte ein schwächeres Wachstum der Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien als von der IEA als notwendig erachtet wird, um die von führenden Politikern der Welt in Paris eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.

Fahrzeugspannungen: Verkäufe von Elektroautos rückläufig im Vergleich zu Verbrennungsmotoren

Der durch das Absatzwachstum von Elektroautos implizierte Temperaturanstieg von 3,1 °C ist im Vergleich zum letzten Quartal unverändert. Die Spannungen in diesem Indikator sind ein Mikrokosmos des umfassenderen Drucks auf den Klimaverlauf.

In diesem Jahr sind die Verkäufe von Elektroautos stark zurückgegangen. Dies untergräbt das Tempo der Veränderung im weltweiten Fuhrpark, obwohl die Abnahme nur etwa halb so hoch ist wie der Rückgang in der Automobilindustrie im Allgemeinen.

Mit Blick auf die Zukunft haben sich immer mehr Regierungen dazu verpflichtet, Verbrennungsmotoren von ihren Straßen zu entfernen, was für ein schnelleres Wachstum in der Zukunft entscheidend ist.

Das Spannungsfeld zwischen aktuellem Gegenwind und zukünftigen Chancen ist vielen der Indikatoren des Climate Progress Dashboard gemeinsam.

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-03_DE.png

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-04_DE.png

Wie diese Spannungen letztlich gelöst werden können, ist nach wie vor ungewiss, aber die Covid-19-Krise hat die Bedeutung der politischen Führung als Motor für Veränderungen in der gesamten Gesellschaft unterstrichen.

Die ersten Anzeichen geben Anlass zu Optimismus.

Überblick über die Änderungen

Die nachstehende Abbildung zeigt die Veränderungen der einzelnen Indikatoren im Vergleich zur letzten Aktualisierung (Q1 2020).

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-05_DE.png

Die folgende Abbildung zeigt die Veränderungen der einzelnen Indikatoren seit Einführung des Climate Progress Dashboards Mitte 2017.

474950-sc-climate-progress-dashboard-charts-for-insights-06_DE.png

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern.  Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.

Kontaktieren Sie Schroders Wealth Management

Marc Brodard

Marc Brodard

Head Private Clients - Switzerland
Telephone:
marc.brodard@schroders.com