3 Min | Perspektiven

Die drei stärksten Trends im Gesundheitssektor


John Bowler

John Bowler

Fondsmanager, Gesundheitssektor

Gesundheitsdienstleister versuchen weltweit, die Art der Gesundheitsversorgung für ihre Patienten zu ändern, weil ihre Budgets unter Druck stehen und die Nachfrage nach ihren Leistungen zunimmt.

Ein großer Teil ihrer Gesamtausgaben entfällt oft auf eine kleine Minderheit der Patienten (mit chronischen oder Langzeiterkrankungen). Durch die effektivere Behandlung dieser Patienten und die Nutzung neuer Technologien können Gesundheitsdienstleister erhebliche Kosteneinsparungen erzielen.

Im Folgenden werden drei der wachstumsstärksten Trends in der Gesundheitsversorgung vorgestellt, die Anlegern Chancen bieten können.

1. Blutzuckermessgeräte

Tragbare Blutzuckermessgeräte zählen zu den am schnellsten wachsenden neuen Segmenten der Gesundheitsversorgung. Meiner Ansicht nach sind sie ein gutes Beispiel dafür, wie Technologie die Überwachung der Diabetesbehandlung optimieren kann – ein entscheidender Faktor zur Vorbeugung von Komplikationen.

Geräte zur laufenden Überwachung des Blutzuckers verringern für Patienten mit Typ-2-Diabetes die Notwendigkeit von Bluttests über die Fingerkuppen. Dadurch ist es für sie viel einfacher, ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen. Das Messgerät nutzt einen winzigen Sensor, der sich am Arm unter der Haut befindet und mit einem kleinen Sender auf der Haut verbunden ist.

Der Sensor misst die Blutzuckerwerte der Flüssigkeit direkt unter der Haut und sendet sie an ein Anzeigegerät. Dabei kann es sich um ein mobiles Gerät (wie ein Smartphone) oder bei Typ-1-Diabetikern um eine Insulinpumpe (auch integriertes System genannt) handeln.

Viele Menschen dürften zum ersten Mal von diesem Gerät gehört haben, als die ehemalige britische Premierministerin Theresa May bei einem Abendessen mit US-Präsident Donald Trump im Juli 2018 in einem ärmellosen Kleid mit so einem Messgerät auf ihrem linken Oberarm auftrat.

2. Medikamentöse Behandlungen

In den vergangenen paar Jahren wurden bahnbrechende Fortschritte bei der medikamentösen Krebsbehandlung erzielt. Die Behandlungsmöglichkeiten wurden transformiert und die Überlebensraten sind nun deutlich höher.

Immuntherapiemedikamente zählen zur ersten Gruppe von Medikamenten, die die Überlebensraten wesentlich verbessert haben. Sie nutzen das Immunsystem von Patienten für die Krebsbehandlung. Die Überlebensrate bei fortgeschrittenen Melanomen stieg mit diesen Medikamenten laut klinischen Studien von Merck zum Beispiel von 5 % auf 20–30 %. Auch die Überlebensraten bei Lungenkrebs in frühem Stadium verbesserten sich laut diesen Studien. Rund 60 % der mit Immuntherapiemedikamenten behandelten Patienten lebten noch nach 18 Monaten. Bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterzogen, waren es hingegen nur 40 %.

Dieser dramatische Wandel bei der Krebstherapie hat dazu geführt, dass die Behandlung weltweit schnell Anwendung findet. Viele der großen globalen Pharmakonzerne wie Roche, AstraZeneca und Bristol Myers haben hohe Summen in diese Medikamente investiert, die sich immer mehr zur tragenden Säule der Krebsbehandlung entwickeln. 

3. Gentherapie

Jedes Jahr wird eine kleine Anzahl von Kindern mit Genmutationen geboren, die tragischerweise zum frühen Tod oder zu Entwicklungsstörungen führen.  Mit pränatalen bzw. Neugeborenen-Screenings und der Gensequenzierung können diese Mutationen frühzeitig erkannt werden. 

Kürzlich wurden die ersten Gentherapie-Produkte zugelassen, die Potenzial für eine Heilung, eine Korrektur oder einen Ausgleich bestimmter defekter Gene bieten. 

So wurde etwa im Mai Zolgensma zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie zugelassen. Diese neuromuskuläre Störung führt zum Rückgang motorischer Nervenzellen und zu progressivem Muskelschwund. Die Hälfte der Babys, bei denen diese Erkrankung bei der Geburt diagnostiziert wird, stirbt innerhalb von zwölf Monaten.

Über die Möglichkeit einer Gentherapie wird schon seit drei Jahrzehnten diskutiert, aber erst jetzt steht die dafür nötige Technologie zur Verfügung. Dies verdeutlicht, dass es in der Gesundheitsversorgung einige neue Chancen gibt.

 


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Marc Brodard

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