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Drei Wachstumskatalysatoren für europäische Private-Equity-Anlagen


In den kommenden zehn Jahren rechnen wir damit, dass Anleger vor allem mit zwei Schwierigkeiten konfrontiert werden: Erstens erwarten wir ein weltweit uneinheitliches Wachstum, das von lokalen Trends abhängig ist. Zweitens rechnen wir damit, dass der Trend hin zur Deglobalisierung, der durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China Fuss fasste und sich durch Covid-19 noch beschleunigt hat, anhalten wird.

Ein solches Umfeld ist für bestimmte konventionelle Anlageklassen und -strategien schwierig. Europäische Private-Equity-Anlagen sind unseres Erachtens für ein solches Umfeld jedoch hervorragend positioniert. Hierfür sind drei Faktoren verantwortlich:

  1. die Fragmentierung des europäischen Private-Equity-Markts
  2. die Anzahl der Unternehmen im Familien- und Gründerbesitz und die Chancen, die sich durch den Generationswechsel ergeben
  3. die hohe Qualität der Waren und Dienstleistungen der Region

Anleger, die europäische Private-Equity-Anlagen in Betracht ziehen, sollten unseres Erachtens Europa als Sammelbegriff für viele Märkte und nicht als homogenen Markt verstehen. Bei zunehmend lokalisierten Wachstumsfaktoren ist das inhärent fragmentierte Wesen Europas ein Pluspunkt, der auf geografischer und Sektorebene Diversifikation bietet. Unternehmen im Familien- und Gründerbesitz machen 60 % aller Unternehmen in Europa aus. Auch das stellt eine attraktive Anlagegelegenheit dar, insbesondere bei einem Generationswechsel im Unternehmen. Familienunternehmen weisen oft operative Ineffizienzen auf, die Anlegern auch ohne den Einsatz von Fremdkapital grosses Aufwärtspotenzial bieten. In Europa hergestellte Waren gelten als hochwertig, weshalb die Nachfrage nach Produkten der Region als Exportwaren trotz Deglobalisierung weiterhin hoch sein wird.

Fragmentierung der europäischen Private-Equity-Anlagen

Der europäische Private-Equity-Markt lässt sich in sechs Hauptregionen unterteilen, die 95 % des Markts darstellen.

  • Grossbritannien
  • Frankreich
  • Skandinavien
  • DACH-Region (deutschsprachiges Europa)
  • Benelux-Länder
  • Südeuropa (Spanien und Italien)

Jede Region weist eine eigene Dynamik auf. Das bedeutet, dass für die Identifikation und Durchführung der besten Transaktionen Teams vor Ort erforderlich sind. Das internationale Interesse an europäischen Unternehmen ist offensichtlich. Wir glauben aber, dass die Investition mit den besten lokalen Managern noch nie so wichtig war wie heute. Im Anschluss an Covid-19 hat sich die Deglobalisierung beschleunigt. Das bedeutet, dass sich regionale Industrien konsolidieren und Konsummuster durch neue Technologien verändert werden. Eine Spezialisierung auf geografischer und Sektorebene wird dadurch besonders wichtig.

Die Branchen in Europa zeichnen sich auch durch eine horizontale Fragmentierung aus. Die unkonsolidierten Märkte setzen sich aus vielen kleinen Unternehmen zusammen. Die Anzahl an Unternehmen pro Sektor in Europa übersteigt bei Weitem ihr Pendant in den USA. Für Private-Equity-Anleger bedeutet das, dass sie „Buy-and-Build“-Strategien nutzen sollten, um Wertpotenzial freizusetzen.

Europäische Private-Equity-Manager identifizieren oft lokale „Champions“: gute Unternehmen, die nur einen lokalen Heimatmarkt bedienen. Private-Equity-Anlagen ermöglichen ihnen regionale, nationale und grenzübergreifende Aktivitäten. Private-Equity-Firmen können solchen Unternehmen das notwendige Kapital zur Verfügung stellen, um neue Filialen oder Tochtergesellschaften zu eröffnen bzw. gründen. Auf die geografische Expansion folgen oft intensivere Handelsverbindungen und grösserer Export über neue Vertriebskanäle. Um dies zu erreichen, eröffnen Private-Equity-Manager Unternehmen ein spezialisiertes Netzwerk an anderen Unternehmen und Anlegern, sowohl inner- als auch ausserhalb Europas. 

Die Bedeutung des Generationswechsels

Demografische Faktoren lassen sich leicht vorhersagen. Aus diesem Grund rechnen wir damit, dass sich die demografischen Trends der kommenden zehn Jahren nur wenig von denen der vergangenen zehn Jahre unterscheiden werden. Bestehende Trends werden allerdings noch ausgeprägter sein als bisher.

In Europa hat sich die Beschäftigtenzahl aufgrund der alternden Bevölkerung reduziert. Der Region fehlt ausserdem der ausgleichende Einfluss durch Migration wie in den USA oder ein Bevölkerungswachstum wie in Asien (mit Ausnahme Japans). Angesichts der vielen europäischen Unternehmen im Familien- oder Gründerbesitz bietet die alternde Bevölkerung Anlagechancen, da Gründer ihr Unternehmen an die nächste Generation verkaufen. Für viele Besitzer, die in den Ruhestand gehen, ist die Nachfolge ein schwieriges Thema. Die erste Wahl ist oft die Nachfolge durch ein Familienmitglied. Manchmal gibt es aber keine Nachkommen, oder sie sind nicht daran interessiert (oder qualifiziert dafür), im Familienunternehmen eine Leitfunktion einzunehmen. 

Unternehmen im Familien- oder Gründerbesitz sind aufgrund weniger Intermediäre als Übernahmeziel oft attraktiv, weil sie direkt vom Verkäufer erworben werden können. Dadurch können lokale Private-Equity-Investoren von einer starken Verhandlungsposition und attraktiven Einstiegspreisen profitieren. Ferner ist der Preis für Gründer und Familien oft nicht der einzige Aspekt, den es bei der Wahl des Käufers zu berücksichtigen gilt. In einem soliden Unternehmen könnten Mitarbeitende an der Übernahme durch ein Management-Buyout interessiert sein, aber nicht die notwendigen Mittel zur Finanzierung des Buyouts aufweisen. In einem solchen Fall ist ein Management-Buyout, das von einem Private-Equity-Fonds finanziert wird, für Privatunternehmen eine gute Lösung. In Europa sind an über 50 % kleiner Buyout-Transaktionen Familien beteiligt.

Private Equity stellt Kapital zur Verfügung und verbessert Strukturen und Prozesse, bietet aber auch Anreize für Manager, um Wachstum zu erzielen. Rollouts, geografische Expansionen und neue Vertriebskanäle werden für Unternehmen mit inhärentem Wachstumspotenzial eingesetzt, und Kapital wird investiert, um Produktionsstätten zu verbessern und zu erweitern.

Qualität und Nachhaltigkeit in Europa

Das anhaltend niedrige Wachstum in Europa bedeutet, dass Private Equity in der Region auf exportorientierte Unternehmen konzentriert ist, die anderswo von Wachstum profitieren können. Aufgrund des fragmentierten Wesens der Region gibt es viele gut geführte Unternehmen zu attraktiven Bewertungen.

Ferner bringen Verbraucher Waren und Dienstleistungen aus Europa mit guter Qualität in Verbindung. Der Made-In-Country-Index (MIC) spiegelt den Ruf von in 49 Ländern (einschliesslich der EU) hergestellten Waren wider. Europa dominiert den Index: Sieben der Top 10 und fünfzehn der Top 20 sind europäische Länder. Europäer kaufen gerne lokal. Wir glauben aber auch, dass hochwertige europäische Produkte trotz einer zunehmenden Deglobalisierung weiterhin attraktive Exportwaren bleiben.

Made-in-Country Index

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Quelle: Statista, Made-in-Country-Index

Ausserdem hat die Europäische Kommission die Initiative „Made in Europe“ ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenarbeit von Industrie und Forschung, um das verarbeitende Gewerbe zu unterstützen. Die Initiative hat sich nachhaltige Ziele gesetzt, darunter eine grössere Produktivität, bessere Arbeitsqualität und einen niedrigeren CO2-Fussabdruck.

Angesichts der alternden europäischen Bevölkerung sind ein neuer Denkansatz und Investitionen für industrielle Innovation und Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Von Produktideen über Forschung und Entwicklung, Technologie, Fabriken und Versorgungsnetzen bis hin zu Logistik und End-of-Life-Ansätzen wird es entlang des gesamten Produktzyklus zu Neuerungen kommen. Die Initiative erfordert Investitionen des Privatsektors. Lokale Private-Equity-Firmen in Europa dürften hier profitieren.  

Langsames Wachstum

Wie oben erwähnt, hatten viele der aktuellen Trends bereits Fuss gefasst, bevor sie durch den Virus verstärkt wurden. Ein niedrigeres BIP-Wachstum sorgte für anhaltend niedrige Realzinsen und eine anhaltende quantitative Lockerung. Dies wiederum hatte eine Vermögensinflation zufolge.

In Europa hat sich das langsame Wachstum seit vielen Jahren festgesetzt, die Wertentwicklung europäischer Private-Equity-Anlagen ist dennoch gut. Insbesondere in Europa bereiten sich viele Sponsoren und Unternehmenseigentümer angesichts des niedrigen oder stagnierenden Wachstums auf einen Abschwung vor. Aus diesem Grund glauben wir, dass europäische Private-Equity-Anlagen besser als andere Anlageklassen aufgestellt sind, um vom derzeitigen Umfeld zu profitieren.

Anorganisches Wachstum durch Überbrückungsfinanzierung oder Add-on-Übernahmen wird sich auf kurze Sicht auf Anlagechancen in von der Covid-Krise gebeutelten Unternehmen konzentrieren. Add-on-Akquisitionen sind eine gute Option, um Industrien zu konsolidieren, und Unternehmen können so schwächere Mitbewerber übernehmen. Akquisitionen steigern Dimensionen und Stabilität über eine wertvolle Diversifikation auf Kunden-, Produkt- und Lieferantenebene. Add-on-Übernahmen stellten in der ersten Jahreshälfte 2020 über 60 % der getätigten Transaktionen – 10 % mehr als im Vorjahresvergleich.

Um Wachstumspotenzial zu erschliessen, braucht es den richtigen Schlüssel

Wir glauben, dass die Fragmentierung europäischer Private-Equity-Anlagen, sowohl auf geografischer als auch auf Sektorebene, gemeinsam mit der Stabilität und Transparenz der zugrundeliegenden Märkte vielversprechende Anlagechancen bietet. Trotz der zahlreichen Gelegenheiten ist klar, dass für den Zugang zu diesen Chancen lokale Expertise und umfassendes sektorspezifisches Know-how notwendig sind. Mit der richtigen Präsenz und den richtigen Netzwerken und Kompetenzen können europäische Private-Equity-Anlagen differenzierte Wertfaktoren für ein breiteres Private-Equity-Portfolio bieten.

 

 

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Marc Brodard

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