Perspektiven

Naturkapital: Wie wird die UNO zu „Nature positive by 2030“ stehen?


Vor 20 Jahren sprach ich vor einer Gruppe von Anlegern darüber, warum es wichtig sei, bei Anlageentscheidungen Themen zu berücksichtigen, die über den Gewinn hinausgehen.

Als Beispiel nannte ich eine Ölpest. Ich zeigte ihnen Bilder von Umweltschäden, verschmutzten Gewässern, Zerstörung von Lebensräumen und ölverschmierten Vögeln. Mein Vortrag ging daneben – sie waren nicht interessiert. Damals war das noch nicht Teil des Diskurses – damals ging es um Profit.

Zum Glück ändern sich die Dinge. Investoren erkennen, dass Unternehmen den Planeten nicht ohne Konsequenzen in Bezug auf finanzielle Kosten oder Reputationsrisiken ausbeuten können.

Der Mensch hat fast drei Viertel der Erdoberfläche verändert, und eine Million Tier- und Pflanzenarten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Das wachsende soziale Bewusstsein zeigt deutlich, dass Unternehmen ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung sind – und nicht alle Gewinne werden auf dieselbe Art erzeugt.

Trotzdem wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis die Auswirkungen von Unternehmen und Investitionen auf unseren Planeten einheitlich quantifiziert werden können.

Wir müssen zunächst die Natur schätzen lernen, dann können wir eine Standardmethode für Unternehmen vereinbaren. An ihr messen und legen wir dann die Auswirkungen auf die Biodiversität fest. Ausserdem müssen wir uns auf ein globales Ziel zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur und der Artenvielfalt verständigen.

Was sind COP15 und das Übereinkommen über die biologische Vielfalt?

Ihnen ist sicherlich die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) COP21 bekannt, anlässlich derer das Pariser Abkommen verabschiedet wurde. Wahrscheinlich ist Ihnen auch COP26 ein Begriff. Das ist die nächste UNFCCC-Konferenz, die im November in Glasgow stattfinden soll.

Die UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) veranstaltet zudem ähnliche Konferenzen zum Thema Biodiversität. Die COP15 der CBD soll am 11. Oktober in Kunming, China, abgehalten werden

Die CBD wurde von insgesamt 196 Nationen angenommen und kommt alle zwei Jahre zusammen, um den Schutz der biologischen Vielfalt zu erörtern.

Wie ist der Stand der Fortschritte und was wird vom diesjährigen Gipfel erwartet?

Die EU vereinbarte 2010 Ziele, die Aichi Biodiversity Targets, um dem Verlust der Artenvielfalt bis 2020 einen Riegel vorzuschieben. Diese Ziele wurden jedoch nicht erreicht, wie der Indikator vom WWF Living Planet Index über die Trends der Populationen zeigt.

Voraussichtlich wird in diesem Jahr die Strategie der Biodiversität für den Zeitraum nach 2020 vereinbart.

WWF, Capitals Coalition, Conservation International und World Resources Institute haben sich unter anderem für die Zielsetzung „Nature positive by 2030“ ausgesprochen.

Das britische Finanzministerium gab unterdessen den unabhängigen Dasgupta-Bericht über die Ökonomie der Artenvielfalt in Auftrag. Seine Veröffentlichung erfolgte im Februar. Gefordert wird darin eine neue Messlatte für den Wohlstand, die Naturgüter berücksichtigt.

Volkswirte werten inzwischen aus, inwieweit sich der Klimawandel auf Anlagenrenditen auswirkt. Man hat ausserdem erkannt, dass wir den Wert der Natur – d. h. des „Naturkapitals“ – neben dem Finanzkapital verstehen müssen.

Mark Carney, der UN-Sondergesandte für Klimaschutz und Finanzen und ehemaliger Gouverneur der Bank of England, hat das mit Nachdruck hervorgehoben.

In der Vortragsreihe The Reith Lectures der BBC äusserte er sich so: „Warum stufen die Finanzmärkte Amazon als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt ein, wenn der Wert des gewaltigen Amazonasgebietes in keinem Hauptbuch auftaucht, bis nicht das letzte Blatt des Laubwerks verschwunden ist und die Flächen in Ackerland umgewandelt sind?“

Warum ist der Verlust der biologischen Vielfalt für Investitionen von Bedeutung?

Die Natur ist der Treibstoff unserer Volkswirtschaften: Von Lebensmitteln, die wir verzehren, bis zum Wasser, das wir verbrauchen, über die Rohstoffe, die wir handeln, bis hin zur Luft, die wir atmen. Unsere Existenz hängt von der Natur ab.

Ebenso wie die Diversifizierung für Investitionen wichtig ist, ist die Artenvielfalt bedeutsam für die Natur – um die Auswirkungen von Schocks zu mindern und die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems zu verbessern.

Über die Hälfte des weltweiten BIP, etwa 44 Bio. US-Dollar an wirtschaftlichem Wert, sind von natürlichen Ressourcen abhängig, so das Weltwirtschaftsforum.

Unternehmen, die die Natur nicht wertschätzen, sind zunehmend Risiken durch eine übermässige Abhängigkeit von sogenannten „Ökosystemdienstleistungen“ ausgesetzt, d. h. den Vorteilen, die Ökosysteme bieten, die derzeit jedoch gar nicht bewertet oder unterbewertet sind.

Zu den bedrohten Sektoren gehören Landwirtschaft, Schifffahrt und Lebensmittel. Zudem wächst die Notwendigkeit bei den Investoren, Unternehmen mit den verantwortungsvollsten Ansätzen zu identifizieren.

Des Weiteren verändert sich das Verbraucherverhalten. Der Konsument entscheidet sich beispielsweise weniger für Produkte, die den Planeten schädigen. So ist bereits eine Abkehr von Palmöl im Zusammenhang mit der Entwaldung festzustellen.

Auch eine wachsende Regulierung kann sich auf Geschäftsmodelle auswirken, was sich schon jetzt beobachten lässt. Der Grüne Deal der EU enthält ein wichtiges Element zur biologischen Vielfalt mit dem Potenzial für direkte Auswirkungen auf die Umsätze.

Wie beim Klimawandel werden die Kosten hoch sein, wenn nichts unternommen wird. Der WWF schätzt die direkten Kosten weltweit zwischen 2011 und 2050 auf 10 Bio. US-Dollar.

Gleichzeitig gibt es eine zunehmende Vielfalt an interessanten Naturschutzfinanzierungen mit Möglichkeiten in nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft und sogar „Rhino Bonds“.

Laut der Prognose des WWF belaufen sich die jährlichen Investitionsmöglichkeiten auf 3,4 Bio. US-Dollar. Wir haben die Chance, Teil der Lösung zu sein.

Was sollte passieren – und könnte die Zielsetzung „Natur positive by 2030“ helfen?

Als Teil der Schroders Group haben wir uns der Terra Carta angeschlossen, einer Charta für Natur, Mensch und Planet, die vom Prince of Wales ins Leben gerufen wurde. Sie beschreibt die Handlungsbereiche und die Massnahmen, die Unternehmen zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft ergreifen können.

Hierzu gehört das Ziel, den Schutz von mindestens 30 % der biologischen Vielfalt an Land und unter Wasser bis 2030 und 50 % bis 2050 zu unterstützen. Darüber hinaus hofft man, dass die Staats- und Regierungschefs auf der COP15 im Oktober der vorgeschlagenen Zielsetzung „Nature positive by 2030“ zustimmen und vereinbaren werden, wie sich künftig Fortschritte messen lassen. 

Eine schnellere Offenlegung könnte für die Natur einen erheblichen Unterschied machen. Die Finanzminister der G7, bei denen es sich um die grössten Volkswirtschaften handelt, haben im Juni der Bildung der Task Force on Nature-related Financial Disclosures (Arbeitsgruppe zu naturbezogener Finanzberichterstattung) zugestimmt. Dies wird Unternehmen einen Rahmen bieten, um naturbedingte Risiken offenzulegen und entsprechend zu handeln – und tritt in die Fussstapfen der erfolgreichen Task Force on Climate-related Financial Disclosures.

Der Zusammenhang zwischen Investitionen und Artenvielfalt liegen auf der Hand.

In unseren Anlageprozessen berücksichtigen wir die Risiken in Verbindung mit der Biodiversität und versuchen, die Stärken und Schwächen der diesbezüglichen Ansätze von Unternehmen zu verstehen.

In diesen Bereich fällt die Entwicklung innovativer naturverbundener Finanzprodukte bis hin zur Unterstützung von Portfolioverwaltern, die Natur zu schützen und den Ausgangszustand wiederherzustellen. Die Investmentbranche kann nach unserem Ermessen eine Schlüsselrolle dabei spielen, den Verlust von Naturlandschaften aufzuhalten und rückgängig zu machen. Nur so wird die Biodiversität wiederhergestellt und bleibt für künftige Generationen erhalten.    

Förderung des Schutzes der weltweit artenreichsten biologischen Vielfalt der Meere

In den wunderschönen Gewässern der Vogelkophalbinsel in Westpapua im indonesischen Teil Neuguineas wimmelt es an Unterwasserlebewesen. Vor zehn Jahren führten der unregulierte Fischfang und andere umweltschädliche Praktiken dieses Unterwasserparadies an den Rand des Zusammenbruchs. Laut Conservation International meldeten einige Fischfangbetriebe in den 1990er-Jahren einen Rückgang der Fänge von 90 %.

Dank gebührt der von der gemeinnützigen Organisation 2004 gegründeten Bird's Head Seascape Initiative. Die Region, die mehr als 2.500 Inseln und Korallenriffe umfasst, beherbergt eine hohe Anzahl von Meereslebewesen von Walhaien über Mantarochen bis hin zu Meeresschildkröten.

Dazu Robert Baigrie von Conservation International: „Conservation International, The Nature Conservancy und WWF-Indonesia entschlossen sich 2004 zu einer beispiellosen Zusammenarbeit. Westpapua, die Papuaprovinzen von Indonesien und die Vogelkophalbinsel haben eine Fläche von über 22,5 Mio. ha und gelten heute als eine der erfolgreichsten gemeinschaftsorientierten Naturschutzbestrebungen der Welt.“

Über 40 Partner wirkten an der Schaffung eines Netzwerks von zwölf Meeresschutzgebieten (MPA) mit. Die Meeresschutzgebiete beschäftigen Mitarbeiter zur Untersuchung und zum Erhalt der Artenvielfalt. Zudem helfen sie den Gemeinden, Ressourcen zu schützen und nachhaltig zu verwalten.

„Die Seascape-Initiative strebt eine auf lange Sicht effektive Verwaltung der Meeresressourcen an. Auf diese Weise sollen die Ernährungssicherheit und der nachhaltige wirtschaftliche Nutzen für über 760.000 Papuas gewährleistet werden“, erklärt Robert Baigrie.

Er fährt fort: „Die Initiative hat sich zu einem internationalen Modell für einen wirksamen Meeresschutz entwickelt. Viele der Korallenriffe sind zu erstklassigen Tauchzielen geworden, die den lokalen Gemeinschaften direkte wirtschaftliche Vorteile bringen.“

Die Koalition rief 2017 den Blue Abadi Fund, Indonesiens ersten Treuhandfonds für den Meeresschutz, ins Leben. Neben den öffentlichen Mitteln werden die Einnahmen aus dem Tauchtourismus zur Beschaffung von Finanzmitteln herangezogen. Cazenove Capital verwaltet diesen Treuhandfonds.

Robert Baigrie erklärt: „Die von vielen Organisationen erhaltenen Finanzmittel beliefen sich auf 23 Mio. US-Dollar. Damit ist der Abadi Fund einer der grössten standortspezifischen Treuhandfonds für den Meeresschutz weltweit. In zwei Förderzeiträumen schüttete der Blue Abadi-Fonds 3 Mio. US-Dollar aus. Bisher wurden 39 Zuschüsse an 27 Organisation vergeben.“

Für weitere Informationen besuchen Sie: blueabadifund.org.

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern.  Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.

Kontaktieren Sie Schroders Wealth Management

Marc Brodard

Marc Brodard

Head Private Clients - Switzerland
Telephone:
marc.brodard@schroders.com
Isabelle Blöchlinger-Brechbühl

Isabelle Blöchlinger-Brechbühl

Head Switzerland, Germany & IAM, Zurich
Telephone:
isabelle.bloechlinger@schroders.com