Im Fokus

Vermögensverwaltung in Zeiten niedriger Zinsen


Die Weltwirtschaft erholt sich von Corona, aber die Finanzmärkte werden bereits nervös. Im vergangenen Jahr konnten sich die Anleger auf die Unterstützung der Zentralbanken verlassen. Zu den Massnahmen zählten Zinssenkungen auf nahe null und Käufe von Staatsanleihen im grossen Stil. Der Erfolg der Impfkampagnen und die Konjunkturpläne von Joe Biden brachten die Wende. Die Voraussetzungen für eine spürbare Konjunkturerholung und die Rücknahme geldpolitischer Massnahmen zur Brandbekämpfung waren geschaffen.

An dieser Stelle sind wir heute angelangt. Wie bei jeder plötzlichen Änderung eines etablierten Markttrends verursachte dieser erhebliche Erschütterungen. Die Anleiherenditen – das Mass für das Einkommen, das im Verhältnis zum Kurs zu zahlen ist – sind massgeblich gestiegen. Eine wahrscheinlich höhere Inflation gibt Anlass zur Sorge. Könnten Zentralbanken die Zinspolitik früher ändern als erwartet? Könnte das Undenkbare passieren und die Zinsen steigen?

Man sollte einen Moment überlegen. Die diesjährige Erhöhung der Anleiherenditen scheint kaum mehr als ein Ausrutscher in einem unglaublichen 40-jährigen Rückgang zu sein. Selbst nach den jüngsten Marktbewegungen rentiert die 10-jährige US-Staatsanleihe – eine wichtige Benchmark für die Finanzmärkte – nur 1,7 %. Vor zehn Jahren, als sich die Welt von der Finanzkrise von 2008 erholte, lagen die US-Renditen doppelt so hoch. Vor der Krise waren sie oft näher an 6 % und zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn waren sie fast 10 %.

Das sieht jedoch nicht nach dem Ende des Trends aus

Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in den vergangenen 40 Jahren

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Quelle: Federal Reserve Bank von St. Louis

Die Zinsen für Spareinlagen, die den Zinsentscheidungen der Zentralbanken folgen, verharren auf einem Tiefstand. „Die Wirtschaft ist weit von unseren Zielen entfernt, und es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis wesentliche weitere Fortschritte erzielt werden“, sagte Jerome Powell, Vorsitzender der Federal Reserve, im April 2021. Da die Arbeitslosigkeit in den USA immer noch über 6 % liegt – verglichen mit 3,5 % vor dem Ausbruch der Pandemie – ist es noch ein weiter Weg, bis die US-Notenbank überhaupt über eine Zinserhöhung nachdenkt. Ähnlich verhält es sich bei wichtigen Zentralbanken in anderen entwickelten Märkten wie Grossbritannien und Deutschland.

Die Bedenken wegen Corona verschwinden nicht und sorgen auch für die Forderung nach Sicherheit wie Staatsanleihen, wodurch die Renditen niedrig bleiben.

Zweifelsohne besteht ein Spielraum für einen mässigen Renditenzuwachs vom aktuellen Stand. Es gibt jedoch eine Reihe längerfristige Faktoren, die die Zinsen und Anleiherenditen auf niedrigem Niveau halten werden. Diese Faktoren existierten bereits vor der Pandemie – und scheinen auch weiterhin zu bestehen.

 

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Marc Brodard

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Isabelle Blöchlinger-Brechbühl

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