3 Min | Perspektiven

Ausblick 2020: Nachhaltigkeit


  • Der Klimawandel ist nicht länger schlicht „interessant“, sondern nimmt allmählich immer mehr Einfluss auf den Anlagebereich.
  • Grund hierfür sind die zunehmende Besorgnis der Öffentlichkeit, steigender regulatorischer Druck sowie vermehrt Forderungen an Unternehmen, klimabezogene Risiken und Chancen offenzulegen.
  • Beim Thema Anlagen und Klimawandel haben wir erst die Spitze des Eisbergs erreicht.

Beim Verfassen von Ausblicken ist es manchmal erforderlich, sich das Undenkbare vorzustellen und Neuerungen und Innovationen zu berücksichtigen. Häufig sind jedoch die Trends der vergangenen zwölf Monate am aufschlussreichsten, da sie sich vermutlich fortsetzen werden. Für 2020 lautet meine gewagte Prognose, dass der Klimawandel, einst Sturm im Wasserglas, künftig das Anlageklima beherrschen wird.

Bisher war das Thema Klimawandel lediglich „interessant“. Nun sprechen drei Gründe dafür, dass künftig auch die Investitionswelt davon beeinflusst wird.

Zunehmende Besorgnis der Öffentlichkeit: Dieses Phänomen wurde durch die Schroders Global Investor Study, die wir jährlich für private wie auch institutionelle Anleger durchführen, besonders deutlich. 2019 benannten institutionelle Investoren den Klimawandel als das zentrale Thema. Damit übertraf es den vorherigen Favoriten „Unternehmensstrategie“. Unterdessen ließen Privatanleger keinen Zweifel daran, dass ihnen die Umwelt wichtiger ist als andere Bereiche wie etwa Wohlstand oder auch die Menschen.

Wann diese Prioritäten letztlich dafür sorgen werden, dass erhebliche Vermögen in klimabezogene Anlagen fließen, ist lediglich eine Frage der Zeit. Allerdings sind diejenigen, die den Klimawandel als Anlagethema betrachten, noch in der Minderheit, wenngleich die Zahl der Klimawandel-Skeptiker geradezu dramatisch gesunken ist.

Zunehmender regulatorischer Druck: Nicht nur der Öffentlichkeit sind die mit dem Klimawandel verbundenen Schwierigkeiten bewusst geworden. Auch die Finanzaufsichtsbehörden befassen sich zunehmend mit dem Thema. Wenngleich verschiedene Ansätze bereits seit einiger Zeit im Gespräch sind, wird der Klimawandel erstmals 2020 offiziell in den Regulierungsrahmen aufgenommen. Die britische Prudential Regulation Authority (PRA) hat in diesem Zusammenhang beispielsweise einen Stresstest für Versicherer eingeführt. Europäische Regulierungsbehörden haben angedeutet, dem Beispiel in Kürze zu folgen.

Des Weiteren sieht das Finanzierungspaket der EU für nachhaltige Entwicklung unter anderem vor, dass Risiken und Chancen von ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Governance) in für Anlageentscheidungen relevanten Rahmenwerken enthalten sein müssen. Natürlich entsteht durch diesen Druck allmählich eine gewisse Dynamik, und Anleger werden dazu veranlasst, Änderungen an ihren Portfolios vorzunehmen.

Vermehrt Forderungen nach Offenlegung: Unternehmen werden zu mehr Transparenz und Offenheit im Hinblick auf klimabezogene Risiken und Chancen aufgefordert. Dies lässt sich an der steigenden Zahl der Organisationen ablesen, die die Task Force for Climate-related Financial Disclosures (TCFD) unterstützen. Heute sind es 867 (Stand: September 2019). In Japan ist die Zahl der Unternehmen, die sich zur Offenlegung gemäß dem Regelwerk bereit erklärt haben, am höchsten.

Wir gehen davon aus, dass die Anleger angesichts der zunehmenden Transparenz erkennen werden, dass die sekundären Auswirkungen wesentlich größer sind als bisher angenommen. Wie unser Modell Carbon Value at Risk zeigt, könnten die Gesamterträge aus globalen Aktien allein durch das Risiko des Übergangs zu einer CO2-armen Wirtschaft bis zu 15 % einbüßen. Die Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern könnte dabei erheblich ausfallen.

Übergangsrisiko: Finanzielle Risiken infolge tief greifender Veränderungen bei Richtlinien, Gesetzen, Technologie und Märkten, während wir uns in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und einer klimaresistenten Zukunft bewegen. Die betroffenen Sektoren reichen weit über Förderungsindustrien wie Öl und Gas sowie Bergbau hinaus und umfassen Fluggesellschaften, Baumaterialien und Industrieunternehmen. 

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Allerdings sind klimabezogene Risiken und Chancen nicht nur auf Aktien begrenzt. Wie einige unserer jüngsten Beiträge zu Veräußerungen von nicht nachhaltigen Unternehmen gezeigt haben, geht es beim Klimawandel auf Anlageebene um viel mehr, als nur darum, bei Aktien Unternehmen zu vermeiden, die fossile Energiequellen nutzen. So gehen wir davon aus, dass sich das Augenmerk auf Anleihemärkte sowie auf Bankdarlehen ausweiten wird.

All das schafft für die aktive Vermögensverwaltung potenziell Chancen. Zwar ist der Klimawandel weitreichend bekannt, jedoch weiß man wenig über ihn, insbesondere im Hinblick auf die Folgewirkungen. Meiner Ansicht nach werden wir das mit dem Klimawandel verbundene Anlagerisiko in zehn Jahren rückblickend als eine Tatsache ansehen, mit der Anleger „einfach leben müssen“, so wie wir im vergangenen Jahrzehnt lernen mussten, mit dem Niedrigzinsumfeld zurechtzukommen.

Sie dachten vielleicht, dass es nun ruhiger um Greta Thunberg werden und der Klimawandel dem Jahr 2019 und damit der Vergangenheit angehören würde. Meine gewagte Prognose für 2020 lautet, dass wir beim Thema Anlagen und Klimawandel erst die Spitze des Eisbergs erreicht haben.

 


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Marc Brodard

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