Ausblick 2019

Ausblick 2019: Aktien Asien ohne Japan

2019 ist für Anleger nach wie vor Vorsicht angesagt. Unsere für die Verwaltung asiatischer Aktien verantwortlichen Manager erklären, warum.

28.12.2018

Toby Hudson

Toby Hudson

Leiter Asian ex-Japan Equity Research

Matthew Dobbs

Matthew Dobbs

Fund Manager, Asian Equities & Head of Global Small Cap

Robin Parbrook

Robin Parbrook

Head of Asia ex Japan Equities

King Fuei Lee

King Fuei Lee

Head of Asian Equities (Singapur)

  • Die Kurse asiatischer Aktien sind gefallen, woraus sich vereinzelt Kaufgelegenheiten ergeben.
  • Es existieren vielversprechende Chancen in unterschiedlichen Bereichen, z. B. in Unternehmen, die von langfristigen regionalen Trends profitieren, binnenorientierten Unternehmen, Exportunternehmen und Banken.
  • Die wesentlichen Risiken, denen die Region ausgesetzt ist, sind die Unsicherheit in Bezug auf China, ein stärkerer US-Dollar sowie höhere Zinsen in den USA.

Asiatische Aktien taten sich 2018 schwer. Aufgrund der Handelskonflikte, der strafferen Geldpolitik der Zentralbanken und der Stärke des US-Dollars büßte der MSCI AC Asia Pacific ex Japan Index 11,3 % ein (auf US-Dollar-Basis per Ende November).

Kann sich der Wind im nächsten Jahr für die Region drehen? Vier unserer Fondsmanager für Asien stellen ihre Sichtweise dar.

Toby Hudson, Leiter Asian ex-Japan Equity Investments:

Der Wachstumsausblick für Asien hat sich aufgrund der folgenden vier Faktoren verschlechtert:

  1. Konjunkturabkühlung in China
  2. Folgen höherer Ölpreise
  3. Steigende Zinsen in Märkten wie Indien, Indonesien und den Philippinen
  4. Eskalierender Handelskrieg zwischen den USA und China

Mittelfristig dürfte die Marktperformance weiter vom Zusammenspiel dieser Faktoren beherrscht werden.

Ein Lichtblick in China ist, dass die Behörden mit der jüngsten Senkung der Reserveanforderungen und der Förderung der Kreditvergabe im Bankensektor eine etwas wachstumsfreundlichere Haltung eingenommen haben. Unterdessen steigen die Erwartungen auf weitere Steuersenkungen sowie höhere Infrastrukturausgaben. Die leichte Lockerung der Geldpolitik wird sich erst nach einiger Zeit in den makroökonomischen Daten widerspiegeln. Wenngleich weiterhin von einer Wachstumsverlangsamung in den kommenden Monaten ausgegangen wird, ist das Signal der Behörden zur Förderung des Wachstums für die Märkte dennoch wichtig. 

Auch die Ölpreise haben ihre jüngsten Höchststände verlassen, was den Druck auf die fragileren Schwellenländer etwas verringert und den schleppenden Konsum wieder ankurbeln sollte. 

Gleichzeitig gingen die Anleiherenditen und Zinserwartungen in den USA in den vergangenen Wochen etwas zurück. Diese Entwicklung ist teilweise auf den angeschlagenen Aktienmarkt, aber auch auf die anhaltende Konjunkturabkühlung außerhalb der USA zurückzuführen. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass sich die Anlegerstimmung gegenüber Risikoanlagen allmählich stabilisiert. 

Schwieriger hingegen ist der handelsbezogene Ausblick. Der jüngste Waffenstillstand im Handelskrieg, auf den sich die Präsidenten aus China und den USA offenbar beim G20-Gipfel Ende November verständigten, wurde von den Märkten begrüßt. Allerdings herrscht wenig Zuversicht, dass die Handelsspannungen damit beendet sind, denn viele US-Amerikaner beschäftigt auf längere Sicht die Sorge, dass China in verschiedener Hinsicht eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen könnte. 

Angesichts dieses schwierigen Umfelds lassen wir an den Aktienmärkten weiterhin Vorsicht walten und haben das Risiko trotz der Korrektur zuletzt kaum erhöht.

Unser Schwerpunkt liegt unverändert auf solchen Unternehmen, die am besten gerüstet sind, um der gegenwärtigen Abkühlung zu trotzen, und die sich zudem die günstigen längerfristigen Trends zunutze machen können, die wir weiterhin in der Region erkennen. Dazu zählen der ungebrochene Anstieg des Binnenkonsums und das Wachstum der Dienstleistungsbranchen in Ländern wie Indien, Indonesien und China. Ebenfalls erwähnenswert sind die Technologieführerschaft chinesischer Internetriesen und das Wachstumspotenzial der branchenführenden Hardware-Unternehmen in Korea und Taiwan.

Matthew Dobbs, Fondsmanager, Asian Equities & Leiter Global Small Cap:

Im Hinblick auf die Bewertungen werden asiatische Aktien aktuell insgesamt zu den Niveaus gehandelt, die zuletzt nach dem Einbruch der regionalen Märkte Ende 2015 und Anfang 2016 vorherrschten. Damit bieten sie allmählich etwas Wertpotenzial.

Trotz der Handelsprobleme können wir immer noch einige gute Chancen bei einzelnen asiatischen Exportunternehmen ausmachen. Unternehmen, die mit ihren Produkten ein hohes Maß an Wertschöpfung bieten und komplexe Lieferketten aufweisen, stufen wir positiv ein, da die Beschaffung alternativer Produkte somit schwierig wird.

Auch binnenorientierte Wachstumswerte in Sektoren wie Freizeit, Gesundheitswesen, Internetdienste und Bildung bieten vielversprechende Anlagemöglichkeiten. Infolge der diesjährigen Markteinbrüche befinden sie sich nun wieder auf attraktiven Niveaus.

Einige Banken in der Region bewerten wir ebenfalls unvermindert positiv. Hierbei handelt es sich um Banken mit hoher Kapitalausstattung, die anscheinend in der Lage sind, Verluste bei Bedarf auffangen zu können. Wir erwarten keine deutlich höheren Verluste aus notleidenden Krediten infolge ausbleibender Zahlungen, sondern vielmehr eine attraktive Kombination aus solidem Wachstum und unprätentiösen Bewertungen.

Aufgrund des unsicheren Umfelds nehmen asiatische Managementteams nur vereinzelt Investitionen vor, obgleich die Bilanzen (zumindest die unserer bevorzugten Unternehmen) robust erscheinen. Folglich befinden sich die freien Cashflows auf historischen Höchstständen, was für robuste Dividenden spricht.

Robin Parbrook und Lee King Fuei:

Da globale Aktien sich an der Schwelle zu einem Bärenmarkt befinden (Rückgang von 20 %), fragen sich die mutigeren unter den antizyklisch vorgehenden Anlegern unweigerlich, ob es an der Zeit ist, Käufe zu tätigen. Um diese Frage zu beantworten, richten wir unsere Aufmerksamkeit stets auf die Bewertungen.

Dabei setzen wir im Wesentlichen auf zwei Indikatoren: Einer davon ist der Bewertung des Aktienmarkts der Region als Ganzes gewidmet (Top-down-Analyse), während der andere das Bottom-up-Prinzip verfolgt, also die einzelnen Unternehmen und Aktien überprüft.

Bei Betrachtung des ersten Indikators stellen wir fest, dass der deutliche Rückgang des regionalen Index im Oktober das Niveau, das uns im Allgemeinen zu einer positiveren Einschätzung der asiatischen Aktienmärkte verleitet, nur knapp verfehlt hat. Leider teilt unser Bottom-up-Bewertungsindikator diesen Enthusiasmus nicht. Trotz überproportionaler Verluste einiger Einzeltitel weisen derzeit lediglich 58 % der von unseren Analysten abgedeckten Aktien wieder Aufwärtspotenzial gegenüber ihrem fairen Wert auf. Diese Ziffer liegt nur geringfügig über dem langfristigen Durchschnittswert und ist weit entfernt von den 70 %, die wir gerne sehen würden, da ein solcher Anteil vielfältige Absolute-Return-Chancen signalisiert. Gemäß unseren Berechnungen wäre eine weitere Kurskorrektur von 14 % erforderlich, um dorthin zu gelangen (bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen).

Unterdessen setzen Bewertungskennzahlen den Aktienkurs ins Verhältnis zur zugrunde liegenden fundamentalen Größe, seien es Gewinne, Dividenden, Umsätze o. ä. Die Preiskomponente stellt zwar weiterhin den dynamischeren Teil dar, doch auch die Fundamentalkomponente kann sich mit der Zeit ändern. Ändern sich die Fundamentaldaten erheblich, können die derzeit günstigen Märkte – selbst bei unveränderten Preisen – morgen schon teuer erscheinen.

Im Vergleich zu früheren Gewinnrevisionsphasen – darunter die weltweite Finanzkrise und die europäische Schuldenkrise – scheint der derzeitige Zyklus sowohl in Bezug auf den Umfang als auch die Dauer noch in den Kinderschuhen zu stecken.

Auf dem Höhepunkt der Asienkrise büßte Asien über einen Zeitraum von vier Jahren fast die Hälfte seiner Gewinne ein.

China versinkt in wirtschaftlicher Hinsicht zunehmend in einer Art Sumpf, da die Risiken entweder in Bezug auf eine bevorstehende Währungsabwertung oder eine Rezession zunehmen. Zwar sieht unser Basisszenario keine dieser beiden Entwicklungen vor, doch würden sie Asien hart treffen, sollte die eine oder andere eintreffen. Angesichts der enormen Bedeutung der chinesischen Wirtschaft und des regen intraregionalen Handels kann sich die Region glücklich schätzen, wenn sie mit einem blauen Auge davonkommt, wenn China auch nur niest.

In Anbetracht dieser Umstände empfehlen wir Anlegern, Vorsicht walten zu lassen und wirtschaftliche Trends in China genau zu beobachten. Da wir davon ausgehen, dass sich die oben aufgeführten Extremrisiken nicht bewahrheiten, werden wir unsere bevorzugten Titel bei Schwäche weiter aufstocken. Diese finden wir in erster Linie in den Märkten, die unseren langfristigen Bewertungsmodellen zufolge das meiste Aufwärtspotenzial bieten – Australien, Hongkong und Singapur.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von den Autoren und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.