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Global Investor Study

Die Rangliste weltweiter Rentensorgen


David Brett

David Brett

Redakteur

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Experten warnen oft vor einer wachsenden Krise bei den Ersparnissen für den Ruhestand. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums etwa ergab, dass das Defizit in einigen der weltweit größten Altersvorsorgemärkten von 70 Bio. US-Dollar im Jahr 2015 auf 400 Bio. US-Dollar bis zum Jahr 2050 steigen wird.

Aber wie sieht die Realität für die einzelnen Anleger aus? Wie sehen sie die Situation? Wir stellten über 25.000 Anlegern weltweit die folgende Frage: Sparen Sie genug für Ihren Ruhestand?
Die Ergebnisse geben einen Einblick in die kollektive Sichtweise, aber auch darüber, wie Anleger in verschiedenen Ländern über ihre Pläne für den Ruhestand denken.

Die Schroders Global Investor Study 2019 zeigt, dass weltweit nahezu ein Viertel (24 %) der Anleger im erwerbsfähigen Alter nicht davon überzeugt sind, dass sie genug für den Ruhestand sparen.
Und das, obwohl sie im Durchschnitt 15,3 % ihres Einkommens auf die hohe Kante legen.

„Es ist kein Wunder, dass sich so viele Menschen unsicher sind, ob ihre Ersparnisse für den Ruhestand ausreichen“, kommentiert Sangita Chawla, Leiterin Retirement Savings bei Schroders.
„Das Problem ist, dass bei einer Entscheidungsfindung für den Ruhestand so viele Faktoren und Variablen eine Rolle spielen.

Hierzu zählen unter anderem das Rentenalter und ob Sie Ihr Geld investiert lassen oder damit etwas kaufen, womit sich ein Einkommen erwirtschaften lässt. Auch hängt es von anderen Einkommensquellen und Vermögen, wie beispielsweise Immobilien, ab.

Um akkurate Berechnungen anzustellen, müssten Sie auch wissen, wie lange Sie noch leben – und das ist natürlich unmöglich.“
 
Die Rangliste der Unsicherheit über die Altersvorsorge 

Weltweit schwankt das Niveau der Unsicherheit über die Ersparnisse für den Ruhestand in den 32 Regionen der Umfrage ganz erheblich. Über die Hälfte (53 %) der berufstätigen Anleger in Japan machen sich Sorgen.

Wie die Tabelle unten zeigt, ist auch in Südkorea, Russland und Hongkong die Besorgnis mit am größten.

Vier der Top 10 befinden sich in Europa, darunter Polen (7. Platz), Frankreich (8. Platz) und die Niederlande (10. Platz).

Die Anleger in Indien, Indonesien und Brasilien machen sich um ihre Ersparnisse zur Altersvorsorge am wenigsten Sorgen. Nach Regionen sorgen sich Anleger aus Asien mehr als europäische Anleger über ihre Rentenersparnisse. Die Anleger in Nord- und Südamerika sorgen sich am wenigsten. Natürlich gibt es auch Ausreißer, beispielsweise Indien und Indonesien.
Sangita Chawla bei Schroders kommentiert: „Diese Unterschiede könnten verschiedene Ursachen haben – beispielsweise, wie großzügig die staatlichen Renten sind, die allgemeine Einstellung der Anleger oder die Tatsache, dass die Befragten nicht wissen, wie viel sie eigentlich zur Seite legen müssten.

Beispielsweise sind die Renditen in ausgereiften Märkten wie Japan und Südkorea seit Jahrzehnten niedrig, während Indien und China ein nie dagewesenes Wachstum verzeichnen. Dies könnte sich auf das Sicherheitsempfinden und die Erwartungen zu den künftigen Renditen auswirken.“

 

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* Achtung: geringe Erhebungsgrundlage (n<30) 
 
Anleger im Ruhestand wurden auch gefragt, ob sie glauben, dass ihre Ersparnisse ausreichen werden. Insgesamt sind Anleger, die bereits in Rente sind, optimistischer: Nur 20 % machen sich Sorgen im Vergleich zu 24 % der noch berufstätigen Anleger.

Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass in einigen Ländern den Anlegern möglicherweise ein Schock bevorsteht, da dort ein deutlicher Anstieg der Besorgnis zwischen den noch berufstätigen Anlegern und solchen, die bereits im Ruhestand sind, besteht.

Insbesondere in Russland, Polen, Portugal, Südkorea und Brasilien sorgen sich Rentner mehr als die Berufstätigen darüber, dass ihre Ersparnisse nicht ausreichen könnten. Russland weist den größten Anstieg der Unsicherheit auf, von 41 % der berufstätigen Anleger und 58 % der Anleger im Ruhestand.

Im Gegensatz dazu gibt es Regionen, in denen sich erwerbstätige Anleger große Sorgen machen.
Beispielsweise in den Niederlanden, Österreich, Kanada, Dänemark, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Anleger, die bereits in Rente sind, mit ihren Ersparnissen wesentlich zufriedener als die noch berufstätigen Anleger andernorts.

In Österreich beispielsweise sind 22 % der Anleger mit ihren Ersparnissen für den Ruhestand unzufrieden, aber nur 4 % der Anleger im Ruhestand.

Sangita Chawla ergänzt: „Wenn sich Anleger Sorgen machen, sollten sie einen unabhängigen Finanzberater zu Rate ziehen. Entscheidungen rund um den Ruhestand sind schwierig, weil so viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Die Unterstützung durch einen Experten kann Anleger darin bestätigen, dass sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben.“ 
 
Im April 2019 beauftragte Schroders das unabhängige Institut Research Plus Ltd. mit einer Online-Umfrage von 25.743 Personen, die in 32 Märkten rund um die Welt investieren, darunter Deutschland, Australien, Brasilien, Kanada, China, Spanien, die USA, Frankreich, Indien, Italien, Japan, die Niederlande und Großbritannien. Für diese Studie wurden Anleger befragt, die in den nächsten zwölf Monaten mindestens 10.000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Anlagen vorgenommen haben.