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Ausblick für 2021: Europa


Die europäische Wirtschaft erholte sich im Sommer stark, nachdem sie im Frühjahr erheblich von Covid-19 betroffen war. Im Herbst folgte jedoch eine zweite Welle.  

Azad Zangana, Senior European Economist, hat seine BIP-Prognose für 2020 für die Eurozone von -7,8% für 2020 auf -7,1% angehoben. Für 2021 prognostiziert er ein Wachstum von 5,2%, was er als eine „solide Erholung“ bezeichnet.

Das bevorstehende Konjunkturpaket dürfte dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im Jahr 2021 und darüber hinaus zu unterstützen.

„Polen und Ungarn halten derzeit die Fortschritte beim EU-Wiederaufbaufonds auf, aber wir erwarten eine Auszahlung in der zweiten Hälfte des Jahres 2021, was zu einer verstärkten Investitionstätigkeit im Jahr 2022 führen wird“, meint Zangana.

Für alle, die eine Investition in europäische Aktien in Betracht ziehen, könnte es jetzt an der Zeit sein, eine Bestandsaufnahme der Veränderungen in der Region vorzunehmen. Europa ist weit davon entfernt, wie vor zehn Jahren von Finanztiteln dominiert zu werden, und bietet jetzt ein ausgewogeneres Engagement.

Im Folgenden betrachten unsere Investoren die Chancen, wie sie sich im Jahr 2021 darstellen.

Ist es die Zeit für eine Erholung in Europa?

Lockdowns im Frühjahr und erneut im Herbst schränkten die Fähigkeit der Unternehmen der Eurozone ein, wie gewohnt zu arbeiten. Europäische Unternehmen haben das schwierige Jahr 2020 jedoch gut überstanden und befinden sich im Allgemeinen in guter Verfassung.

Fondsmanager Martin Skanberg erläutert: „Die Unternehmensgewinne für das dritte Quartal 2020 (das letzte verfügbare Quartal) waren sehr stark. Wir schätzen, dass Europa den höchsten Anteil an über den Erwartungen liegenden Gewinnen seit zehn Jahren hatte. Dies zeigt, dass es tatsächlich eine aufgestaute Nachfrage nach der ersten Phase des Virus gab.

Es stellt außerdem unter Beweis, wie Unternehmen in der Lage waren, die Kosten zu kontrollieren, wenn auch teilweise durch Maßnahmen wie ausgebliebene Geschäftsreisen. Dies dürfte ihnen zugutekommen, wenn die Auswirkungen des Virus nachlassen, und liefert europäischen Unternehmen eine gute Grundlage für eine solide Erholung der Gewinne im Jahr 2021.“

Der Schwerpunkt liegt auf einer grünen Erholung

Es werden Wiederaufbaufonds im Jahr 2021 bereitgestellt werden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Programm „Next Generation EU“ in Höhe von 750 Mrd. EUR liegen wird. Damit soll ein umweltfreundlicheres, digitaleres und robusteres Europa geschaffen werden. Eine lockere Geldpolitik der Zentralbanken wird ebenfalls Unterstützung bieten.

 „In Europa und den USA wird es erhebliche fiskalische Anreize geben, da die Erholung von Covid-19 Vorrang hat“, analysiert Skanberg. „Dies wird zur Unterstützung von Aktien beitragen, ebenso wie die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. Die Betonung einer „grünen“ Erholung ist ermutigend und sollte beispielsweise Titel im Bereich erneuerbarer Energien unterstützen.

„Insgesamt würde ich bei nachlassenden Auswirkungen der Pandemie und der Erholung der Wirtschaft erwarten, dass sich konjunktursensible Teile des Marktes wie Grundstoffe gut entwickeln. Dies könnte auch Aktien einschließen, die von der Wiedereröffnung der von Covid am stärksten betroffenen Teile der Wirtschaft profitieren werden – wie beispielsweise Ingenieurfirmen im Luftverkehrssektor.”

Steht eine Umschichtung an?

Nach einer längeren Zeit der Outperformance bei Wachstums- und Qualitätsaktien könnten die Bedingungen für eine Änderung gegeben sein.

„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gefahr einer dauerhaften Deflation nachlässt“, meint Skanberg. „Konjunkturmaßnahmen gehen mit einer wirtschaftlichen Erholung und einer Neukonfiguration der Lieferketten einher, wenn Unternehmen mehr lokale Lieferanten suchen. Steigende Preise tendieren dazu, niedrig bewertete Teile des Marktes zu bevorzugen, die in den letzten Jahren zurückgeblieben sind. Wir könnten eine Umschichtung in diese Substanzwerte und weg von einigen hochwertigen Teilen des Marktes sehen, die mittlerweile überteuert sind. Die Märkte könnten dabei Volatilität an den Tag legen.  

Andere Marktbereiche stehen möglicherweise weiterhin vor Herausforderungen. Der Energiesektor stand angesichts der gedämpften Ölpreise, niedrigerer Dividenden und der zunehmenden Bedeutung von Umweltfaktoren für Investoren unter Druck. Diese Kombination könnte als Gegenwind für den Sektor auch noch 2021 vorherrschen.“   

Nachhaltigkeit im Fokus

Nachhaltiges Investieren wurde durch die Pandemie ins Rampenlicht gerückt, nicht nur aufgrund des Fokus auf den Umgang von Unternehmen mit ihren Stakeholdern, sondern auch aufgrund der Wertentwicklung nachhaltiger Investitionen.

Der MSCI Europe ESG Leaders Index erzielte seit Jahresbeginn eine Rendite von -1,9 % gegenüber -5,6 % im MSCI Europe-Index (Quelle: Morningstar, Stand 30. November 2020).

Nicholette MacDonald-Brown, Leiterin European Blend, erklärt: „Es war wirklich ermutigend, die starke relative Wertentwicklung nachhaltiger Anlageprodukte in diesem Jahr zu beobachten. Dies zeigt uns, dass nachhaltiges Investieren nicht länger als Luxus angesehen wird – etwas, über das sich Anleger nur in einem Bullenmarkt Gedanken machen können.

Fondsmanager Scott MacLennan ist der Ansicht, dass Nachhaltigkeit bei skeptischen Investoren inzwischen eine höhere Glaubwürdigkeit hat. „Das Jahr 2020 war eine Bewährungsprobe für Nachhaltigkeit, um zu beurteilen, wie hierdurch Mehrwert geschaffen wird“, erläutert er. „Nachdem diese bestanden werden konnte, wird Nachhaltigkeit nun als zentraler Bestandteil der Unternehmenspolitik und der grundlegenden Unternehmensanalyse akzeptiert.“

Sowohl Menschen als auch der Planet

Die Ausweitung der Diskussion über Nachhaltigkeit ist im Jahr 2020 deutlich geworden und sollte sich darüber hinaus fortsetzen.

„Zuvor hatten Klima- oder Umweltfaktoren die Diskussion um Nachhaltigkeit dominiert“, meint MacLennan. „Die Pandemie hat die Besorgnis um die Menschen in den Vordergrund gerückt. Somit wurde die Behandlung von Mitarbeitern durch Unternehmen einer genaueren Prüfung unterzogen als je zuvor.“ Wir würden erwarten, dass dieses Gleichgewicht bis 2021 und darüber hinaus bestehen bleibt.

„Unternehmen haben eine Reihe unterschiedlicher Stakeholder: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Aufsichtsbehörden, Umwelt und Aktionäre. Die relative Bedeutung dieser verschiedenen Interessengruppen wird zu bestimmten Zeitpunkten in Abhängigkeit von größeren Ereignissen schwinden, aber Nachhaltigkeit wird sicherlich nicht mehr als vorwiegend umweltbezogen angesehen.“ 

Die regulatorischen Ambitionen steigen

Die Dringlichkeit, auf die Pandemie reagieren zu müssen, hat eine Reihe von Initiativen zur Bewältigung der Klimakrise auf Eis gelegt. Die Verschiebung der COP26-Klimakonferenz in Glasgow ist hierfür nur ein Beispiel.

„Europa war unter regulatorischen Gesichtspunkten in Sachen Nachhaltigkeit führend, aber Covid-19 hat hier eine Pause erzwungen“, sagt MacDonald-Brown.

„Mit dem Ende der Pandemie würden wir erwarten, dass die Regulierung zunimmt und zusätzliche Instrumente zur Messung des Fortschritts eingeführt werden. Wir hoffen auch, dass 2021 das Jahr sein wird, in dem nachhaltiges Investieren nicht einfach dasselbe ist wie qualitativ hochwertiges Wachstum. Unternehmen mit qualitativ hochwertigem Wachstum tendieren dazu, konstante Renditen zu erzielen, und diese Beständigkeit wurde in den letzten Jahren von Investoren geschätzt.

„Da die Wirtschaft mit Abklingen der Pandemie wieder an Stärke gewinnt, besteht Spielraum für günstig bewertete Unternehmen, bessere Renditen zu erwirtschaften. Solche Unternehmen können auch eine nachhaltige Investition darstellen, insbesondere dann, wenn wir als Investoren mit ihnen zusammenarbeiten und zu positiven Veränderungen beitragen.“

Innovation in Europa auf dem Vormarsch

Innovation wird von entscheidender Bedeutung sein, wenn Europa im Einklang mit den Zielen ihres Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ zu einer kohlenstoffarmen, digitalen Wirtschaft übergehen soll.

Fondsmanager Paul Griffin führt hierzu aus: „Ich hoffe, dass 2021 das Jahr sein wird, in dem sich veraltete Vorstellungen von Investitionen in Europa zu ändern beginnen. Es gibt eine weit verbreitete Meinung, nach der Europa einfach eine Wette auf globales Wachstum bedeutet, und dass dort nichts besonders Neues oder Innovatives geschieht. Das ist nicht der Fall.

Laut dem Global Innovation Index 2020 der Weltorganisation für geistiges Eigentum befinden sich sieben der zehn innovativsten Länder der Welt in Europa. Die beiden Spitzenplätze belegen die Schweiz und Schweden, während die USA auf dem dritten Platz liegen.

In den letzten Jahren wurden Innovationen häufig mit einigen der großen US-amerikanischen Technologieunternehmen in Verbindung gebracht. Diese Unternehmen haben die Art und Weise, wie wir Nachrichten und Unterhaltung konsumieren, wie wir einkaufen und kommunizieren, verändert und enorme Kursgewinne verzeichnet. Viele fragen sich, wo die europäischen Entsprechungen dieser US-amerikanischen Technologieunternehmen sind. Innovation kann jedoch so viel mehr sein als verbraucherorientierte Technologien, die uns an unsere Bildschirme fesseln.“

Innovation zur Lösung der Probleme in der Welt

„Innerhalb der Investmentbranche und darüber hinaus wird der Schwerpunkt zunehmend auf die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) gelegt“, erläutert Fondsmanager Leon Howard-Spink.

„Dies sind die großen Herausforderungen, vor denen die Welt heute steht, vom Klimawandel über Ernährungssicherheit bis hin zum Zugang zur Gesundheitsversorgung und vielem mehr. Es gibt eine enorme potenzielle Chance, starke Renditen über Unternehmen zu erzielen, die auf die in den SDGs beschriebenen Probleme abzielen.

Nehmen wir zum Beispiel die Medizintechnik. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der Suche nach einem Covid-19-Impfstoff, und Innovationen waren für diesen Prozess von entscheidender Bedeutung. Nach der Zulassung müssen die Impfstoffe in großem Maßstab hergestellt und verteilt werden. Einige der Impfstoffe müssen bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert werden, was sehr spezielle Ampullen erfordert. In Europa sind Unternehmen ansässig, die über derart fortschrittlichen Fertigungskapazitäten und Spezialprodukte verfügen.“

Griffin hebt hervor, wie Innovation Produkte schafft, die zu höheren Marktanteilen führen, neue Märkte erschließen und zur Weiterentwicklung der UN-SDGs beitragen.

„Elektrofahrzeuge zum Beispiel bilden einen wichtigen Teil des Umstiegs auf eine nachhaltigere Verkehrsinfrastruktur“, erklärt Griffin. „Elektrofahrzeuge erfordern spezialisierte Halbleiter, die nur eine Handvoll Unternehmen produzieren können. Einige davon haben ihren Sitz in Europa.

Wir sehen auch Investitionsmöglichkeiten in Bereichen wie Grundstoffe, Daten und Verarbeitung, im Gesundheitsbereich und im Ingenieurwesen. Europäische Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, sind vielleicht keine bekannten Namen, aber es gibt viele, die auf ihrem Gebiet führend sind. Europa ist in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen sowohl auf Regierungs- als auch auf Unternehmensebene bereits einen Schritt voraus. Die im Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ vorgeschlagenen Investitionen geben diesbezüglich weiteren Auftrieb.“

Steht eine Umschichtung an?

Europäische Unternehmen sollten gut aufgestellt sein, um von einer wirtschaftlichen Erholung zu profitieren, sobald der Gegenwind aufgrund von Covid-19 nachlässt, so der Fondsmanager für kleinere Unternehmen, Luke Biermann.

„Die Jahre 2018 und 2019 waren schwierig für das verarbeitende Gewerbe in Europa. Italien befand sich in einer Rezession und Deutschland schrammte um Haaresbreite an einer Rezession vorbei“, sagt Biermann.

„Dies bedeutet, dass sich das verarbeitende Gewerbe bereits auf eine geringere Nachfrage eingestellt hat. Diese Unternehmen gingen also nicht mit einer riesigen Kostenbasis oder überschüssigen Lagerbeständen in die Covid-19-Krise. Damit sind sie für die bevorstehende Erholung gut aufgestellt, vorausgesetzt, die Auswirkungen der Pandemie klingen allmählich ab.

„Großzügige geldpolitische und staatliche Anreize tragen ebenfalls dazu bei, das Potenzial für eine Erholung des verarbeitenden Gewerbes zu schaffen. Andere Volkswirtschaften wie China haben sich bereits von der Krise erholt und die Nachfrage steigt. Dies könnte dazu beitragen, die für Europa besonders wichtigen Exporte anzukurbeln. Selbst wenn man den Handel innerhalb der Eurozone ausschließt, machen die Exporte 28 % der Wirtschaft der Eurozone aus, verglichen mit 12 % in den USA, 19 % in Japan und 20 % in China.“

Die Digitalisierung wird weiter voranschreiten

Der Übergang zu einer digitalen Wirtschaft war ein Merkmal der Pandemie, wird sich aber auch darüber hinaus fortsetzen Satya Nardella, CEO von Microsoft, erläuterte beispielsweise, dass in nur zwei Monaten zwei Jahre digitale Transformation stattgefunden haben.

Luke Biermann stimmt zu, dass die Umstellung auf Digital zu Beginn der Pandemie für immense Umwälzungen sorgte.

„Sowohl industrielle als auch verbraucherorientierte Unternehmen, die über keine digitale Strategie verfügten, um ihre Kunden zu erreichen, litten umgehend unter der Pandemie“, fügt Biermann hinzu.

„Es gibt eine Nachfrage nach Domain-Experten, Beratungsunternehmen und spezialisierten Unternehmen für digitales Marketing, um diesen Unternehmen helfen, schnell Strategien zu entwickeln. Dies wird sich weiterentwickeln, da Unternehmen hier einen hohen Verbesserungsbedarf aufweisen, um relevant zu bleiben. Für Investoren in kleineren europäischen Unternehmen bieten diese Arten von Spezialfirmen Engagements, die bei größeren Unternehmen möglicherweise schwieriger zugänglich sind.“

Gaming - nicht nur im Lockdown

Es gibt bestimmte Branchen, in denen kleinere Unternehmen ein Engagement in Trends bieten können, die mit größeren Unternehmen nur schwer erreichbar sind. Biermann hebt dabei die Videospielbranche als Beispiel hervor.

„Videospiele entwickeln sich sehr schnell weiter. Das Tempo des Wandels in den letzten 40 Jahren war unglaublich und die Innovation setzt sich fort. Videospiele sind in den Köpfen einiger Anleger mit Lockdown verbunden. Eine solche Denkweise ignoriert jedoch das enorme Potenzial für strukturelles Wachstum in der Branche.

Wir haben eine große Anzahl von Menschen gesehen, die sich mit Videospielen beschäftigen. Wir haben auch beobachtet, wie sich Spiele weiterentwickelt haben, so dass es mindestens ebenso um Geselligkeit geht wie um das Spiel selbst. Hinzu kommen die laufenden Innovationen im Bereich E-Sport und Virtual Reality. Unter Investitionsgesichtspunkten ist das Potenzial zur Monetarisierung dieser Entwicklungen äußerst spannend. Die Preisgestaltung ist weitgehend zum Stillstand gekommen, aber das beginnt sich allmählich zu ändern.“

Die Co-Fondsmanagerin für kleinere europäische Unternehmen Hannah Piper unterstreicht, dass Gaming eine Branche ist, die bis 2021 und darüber hinaus weiter gut laufen kann. „Covid-Gewinner sind nicht unbedingt Impfstoffverlierer“, sagt Piper. „Viele der Gewohnheiten, die sich im Lockdown gebildet haben, werden wahrscheinlich Bestand haben. Videospiele als eine Form der Unterhaltung und Geselligkeit scheint eine dieser Gewohnheiten zu sein.

Ein weiterer Lockdown-Hit war die Lieferungen von Mahlzeiten. Auch hier denke ich, dass dies ein Trend ist, der über die Pandemie hinaus anhalten wird. Lockdown und das Arbeiten von zu Hause aus bedeuten, dass die Menschen mehr denn je zuvor ihr eigenes Essen zubereiten und sich zugleich viele Abwechslung vor ihrer eigenen Kochkunst wünschen. Selbst wenn die Restaurants wieder geöffnet sind, bieten Essenslieferungen Abwechslung und sind günstiger als Ausgehen.“

„Winner takes all“ im Reise- und Freizeitbereich

Im Gegensatz dazu wurden andere Branchen durch das Virus stark beeinträchtigt. Die Reisebranche ist eine der offensichtlichsten, mit Einschränkungen für nationale und internationale Reisen, Quarantäneregeln und stark reduzierten Geschäftsreisen. Die Nachfrage könnte jedoch sehr schnell zurückkehren, sobald Impfstoffe das Vertrauen in die Sicherheit des Reisens wiederherstellen. Piper merkt an, dass es „große Gewinner und große Verlierer“ aus der Krise geben wird, und dass die Unternehmen, die zuvor am stärksten betroffen waren, am besten in der Lage sein werden, sich zu stark erholen, wenn die Krise vorüber ist.

Piper führt aus: „In der Hotelbranche dürften die besten Betreiber mit einer soliden Finanzlage noch stärker aus der Krise hervorgehen. Das Angebot wird sinken, wenn schwächere Hotelbetreiber insolvent werden oder Vermögenswerte verkaufen. Die stärkeren Betreiber werden in der Lage sein, die besten Vermögenswerte dieser schwächeren Unternehmen auszuwählen. Wenn die Nachfrage anzieht, werden sie in einer guten Position sein, um die Preise zu erhöhen.“

„Für Fluggesellschaften und Reiseveranstalter gilt dies genauso. Selbst vor der Pandemie gab es Kapazitäten, die den Markt verließen. Thomas Cook beispielsweise ging letztes Jahr pleite. Die Kapazität wurde während der Krise drastisch reduziert. Während des Sommers gab es ein kurzes Zeitfenster, in dem die Menschen in Europa reisen konnten, und dabei gab es einen Wettlauf, um Flüge und Urlaube anzubieten.

Nach einem Winter voller Einschränkungen wird die aufgestaute Nachfrage nach Reisen, sobald Impfstoffe verfügbar sind, enorm sein. Unternehmen mit starken Bilanzen, die die Krise überstanden haben, werden dabei die Gewinner sein.“    

Private Equity in Europa zieht Interesse aus Übersee an

In Bezug auf Private Equity dürfte die Nachfrage nach europäischen Investitionen stark bleiben. Nach Angaben von Alternatives Director Emily Pollock haben die Geschäfte im europäischen Private-Equity-Bereich Ende 2020 angezogen.

„Der Technologie- und Gesundheitssektor war besonders aktiv“, meint Pollock. „Wir sehen jetzt eine Zunahme der Aktivitäten in anderen Sektoren, einschließlich Bildung und Basiskonsumgüter.“

Es gibt einige langfristige Trends im Bereich Private Equity, von denen Emily erwartet, dass sie 2021 und darüber hinaus anhalten werden. „Wir haben dieses Jahr immer wieder gesehen, dass Unternehmen tendenziell länger warten, bevor sie an die Börse gehen. Dies bedeutet, dass Unternehmen häufig warten, bis sie größer sind, bevor sie eine Notierung an der Börse anstreben, und es gibt eine größere Anzahl von Akquisitionszielen für Private-Equity-Käufer.“

Emily Pollock sagt, dass das Interesse ausländischer Investoren an europäischem Private Equity weiterhin hoch ist. „Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Erstens gibt es in Europa viel Spielraum für eine Konsolidierung. Viele Branchen sind sehr fragmentiert mit einer großen Anzahl kleiner lokaler Unternehmen. Dies bedeutet für Private-Equity-Käufer die Möglichkeit, in ein Unternehmen zu investieren, dann Wettbewerber zu übernehmen und/oder dem Unternehmen zu helfen, über seinen lokalen Markt hinaus zu expandieren.

Zweitens hat Europa einen hohen Anteil an Gründer- und Familienunternehmen. Angesichts der alternden Bevölkerung versuchen viele Gründer, ihre Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben. Familienmitglieder verfügen vielleicht jedoch nicht über die richtigen Fähigkeiten oder den Wunsch, diese zu übernehmen. Hier kann Private Equity einspringen, möglicherweise über ein Management-Buyout, bei dem Private Equity-Finanzierungen den Mitarbeitern helfen können, das Unternehmen zu kaufen.

Drittens gibt es in Europa eine Reihe hochwertiger Akquisitionsziele. In Europa hergestellte Waren werden als qualitativ hochwertig angesehen, sodass Exporteure vom Wachstum in den überseeischen Märkten profitieren können.“  

Aus einer Kundenperspektive heraus fügt Emily Pollock hinzu, dass neue Produkte entwickelt werden, die dazu beitragen können, dass Private Equity-Investitionen künftig über ihren herkömmlichen Bereich hinausgehen.

„Wir sehen eine stärkere Demokratisierung von Private Equity, sodass diese Anlageklasse einem breiteren Spektrum von Anlegern zur Verfügung gestellt werden kann. Fonds, die eine Mischung aus öffentlichen und privaten Unternehmen umfassen, tragen dazu bei, dass Private-Equity-Investitionen eine Option für mehr Menschen darstellen.“

Risikohinweise      

Der Wert von Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück. 

Aktienkurse unterliegen aufgrund verschiedener Faktoren, wie der allgemeinen Nachrichten und Wirtschafts-, Branchen- oder Unternehmensnachrichten, täglichen Schwankungen.

Investitionen, die sich auf eine begrenzte Anzahl von geografischen Regionen, Branchen und Märkten konzentrieren, können starken Wertschwankungen unterliegen, sowohl nach oben als auch nach unten. Dies kann sich nachteilig auf die Wertentwicklung auswirken.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.