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Im Fokus - Märkte

Die wachsende Bedeutung chinesischer A-Aktien in acht Bildern

Immer mehr internationale Anleger wenden sich dem an Bedeutung zunehmenden Markt für chinesische A-Aktien zu. Dies sind die Gründe dafür.

21.11.2019

Andrew Rymer

Andrew Rymer

Investment-Redakteur

Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China für die Anleger heute wichtiger denn je. Allerdings dürften viele internationale Anleger nicht über die optimale Allokation für die Anlagechancen am chinesischen Aktienmarkt verfügen.

Wenngleich der chinesische Anteil an der weltweiten Wertschöpfung fast 16 % beträgt, ist das Land in den großen globalen Aktienindizes unterrepräsentiert. Beispielsweise entfallen im MSCI All Country World Index weniger als 4 % auf chinesische Unternehmen.

Diese Diskrepanz ändert sich jedoch gerade. So wird der chinesische Hauptmarkt, an dem Aktien gemeinhin als A-Aktien bekannt sind, schrittweise in die großen Aktienmärkte aufgenommen. Wer die Anlagechancen verstehen will, sollte auch den Hintergrund verstehen.

Einführung in die chinesischen Märkte

Bisher blieb ausländischen Anlegern der Zugang zu den Börsen in Shanghai und Shenzhen in Festlandchina verwehrt. Internationale Anleger konnten erstmals durch Investitionen in chinesische Aktiengesellschaften in Festlandchina, die in der Sonderverwaltungszone Hongkong notiert sind, chinesische Aktien erwerben. Diese Aktien werden gemeinhin als H-Aktien bezeichnet. Es gibt 268 H-Aktien von Unternehmen wie China Construction Bank und Ping An Insurance Group. Insgesamt haben diese Aktien einen Börsenwert von rund 761 Mrd. US-Dollar (Stand: 5. September 2019).

Andere gängige Anlagemöglichkeiten erfolgten durch P-Chips, Red-Chips, N-Chips und B-Aktien.

  • P-Chips sind in Hongkong notierte Unternehmen, die nicht in China eingetragen sind, doch den Großteil ihrer Umsätze in Festlandchina erwirtschaften. Ein Beispiel hierfür ist Tencent.
  • Red-Chips sind in chinesischem Staatsbesitz befindliche Unternehmen, wie China Mobile. Die Unternehmen sind außerhalb von Festlandchina eingetragen und in Hongkong notiert. Den Großteil ihrer Einkünfte oder ihres Vermögens beziehen sie jedoch vom Festland.
  • N-Chips sind chinesische Unternehmen, die außerhalb Chinas eingetragen sind und in den USA als American Depositary Receipts (ADRs) notiert sind. Hierzu zählt beispielsweise Alibaba.
  • B-Aktien sind Titel von chinesischen Unternehmen, die in Shanghai oder Shenzhen notiert sind, aber auf eine ausländische Währung lauten. Diese Aktien verlieren angesichts der verhältnismäßig geringen Anzahl zunehmend an Relevanz.

Allerdings hat sich die Sachlage fundamental geändert. A-Aktien – also Titel von Unternehmen, die an Börsen auf dem Festland notiert und gehandelt werden – bieten den Anlegern wesentlich umfangreichere und vielfältigere Chancen.

Es gibt mehr als 3.600 A-Aktien-Unternehmen mit Notierungen in Shanghai oder Shenzhen. In puncto Marktkapitalisierung oder Marktwert ist der Markt für chinesische A-Aktien mit einem Gesamtwert von 7.903 Mrd. US-Dollar einer der größten Märkte weltweit.

Im Vergleich dazu haben die New York Stock Exchange und die Nasdaq einen Marktwert von 28.124 Mrd. US-Dollar bzw. 12.310 Mrd. US-Dollar (Stand:13. September 2019). Insgesamt hat das chinesische Aktienuniversum mit seinen A-Aktien, H-Aktien, Red-Chips, P-Chips und N-Chips einen Marktwert von über 10 Bio. US-Dollar.

Abbildung 1: Möglichkeiten zur Beteiligung an chinesischen Unternehmen

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Quelle: CICC Strategy Research, Stand der Daten: 5. September 2019

All diese Details verdeutlichen: Am chinesischen Aktienmarkt investieren kann komplex sein. Aufgrund der Schwierigkeiten, die mit einem Zugang zu den Märkten auf dem Festland früher verbunden waren, befinden sich mit rund 3 % nach wie vor wenige chinesische A-Aktien in ausländischem Besitz. In anderen Schwellenländern wie Südkorea (32 %) oder Taiwan (40 %) sind diese Werte viel höher. Ein fehlender Zugang war der hauptsächliche Hinderungsgrund. Beschränkungen wurden erst in der jüngeren Vergangenheit gelockert.

Wie sich chinesische Anlagemärkte geöffnet haben

Ein Zugang zu den Börsen in Festlandchina war für ausländische Anleger aufgrund von Quotensystemen und Kapitalkontrollen immer schwierig. Dies war der Fall bis zur Einführung der Stock-Connect-Programme Shanghai-HK (2014) und Shenzen-HK (2016), mit denen grundlegende Änderungen einhergingen.

Diese Programme erlauben internationalen Anlegern über die Börse in Hongkong Zugang zu Festland-Aktien (Northbound Investment). Gleichzeitig haben inländische Anleger in China Zugang zum Aktienmarkt in Hongkong (Southbound Investment). Die Einführung dieser Programme war für die Entscheidung von MSCI, A-Aktien in seine Indizes aufzunehmen, von entscheidender Bedeutung.

Die Abbildung unten veranschaulicht, wie die Investitionsströme seit der Einführung des Stock-Connect-Mechanismus gestiegen sind. Der leichte Einbruch 2019 ist auf die Unsicherheiten zurückzuführen, die vorherrschten, als der Handelsstreit zwischen den USA und China eskalierte.  

Abbildung 2: Die gestiegenen Investitionsströme nach China 

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Quelle: Wind, 12. September 2019

Warum rücken A-Aktien jetzt ins Blickfeld?

Der Hauptgrund, weshalb A-Aktien nun mehr nachgefragt werden, ist die Entscheidung von MSCI aus dem Jahr 2018, A-Aktien in seine Leitindizes, wie den MSCI China, den MSCI Emerging Markets und MSCI All Country World, aufzunehmen. Anfangs nahm MSCI nur 5 % der Marktkapitalisierung von 267 Large-Cap-A-Aktien auf, die das Unternehmen für seine Indizes als geeignet erachtete.

Im Februar 2019 gab MSCI Pläne bekannt, wonach dieser Faktor bis November 2019 von 5 % auf 20 % erhöht werden soll.

Dies erfolgt in einem dreistufigen Prozess, in dem einige Large-Cap-Aktien, die am ChiNext – dem Nasdaq-Pedant der Börse in Shenzhen – notiert sind, sowie chinesische Mid-Cap-A-Aktien ebenfalls aufgenommen werden. Zudem haben weitere Indexanbieter wie FTSE Russell mit der stufenweisen Aufnahme chinesischer A-Aktien in ihre globalen Indizes begonnen.

Bis Jahresende sollen lediglich 20 % des chinesischen A-Aktien-Universums in Indizes von MSCI aufgenommen werden – somit bleibt noch erheblicher Spielraum nach oben.

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China überschattet diesen Ausblick etwas. Ein weiteres Haupthindernis sind jedoch die von den chinesischen Behörden verhängten Beschränkungen für ausländischen Aktienbesitz.

Diese Beschränkungen geben vor, in welchem Maße sich ausländische Anleger höchstens an chinesischen Unternehmen beteiligen dürfen. In vielen Fällen liegt die Obergrenze bei 30 % der Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Die Bereitschaft und die Geschwindigkeit, mit der die chinesischen Behörden diese Obergrenzen anheben, bestimmen auch das Tempo, mit dem A-Aktien in Zukunft in den MSCI und andere Indizes aufgenommen werden.

Der Abbildung unten ist zu entnehmen, wie das Gewicht chinesischer A-Aktien im MSCI Emerging Markets Index bis November zunehmen wird. Der äußere Ring stellt die möglichen Auswirkungen einer vollständigen Aufnahme chinesischer A-Aktien dar. Dadurch könnte das chinesische Index-Gesamtgewicht (auf dem Festland und nicht auf dem Festland notierte Aktien) auf über 40 % ansteigen (von derzeit rund 32 %).

Abbildung 3: Wie chinesische A-Aktien von MSCI aufgenommen werden

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Quelle: Schroders und MSCI, Stand der Daten: 4. September 2019

Ein vielfältigeres Universum für ausländische Anleger

Die Abbildung und die Tabelle unten zeigen die verschiedenen Anlagemöglichkeiten an den chinesischen Aktienmärkten auf – von „A” bis „P”, wie weiter oben erörtert.

Durch den besseren Zugang zu den Aktienmärkten in Festlandchina ist das Anlageuniversum vielfältiger geworden. Internationale Anleger erhalten mehr Möglichkeiten für Anlagen am Festland. Kurz gesagt: Es wird einfacher, ein ausgewogeneres Portfolio mit chinesischen Aktien zu erstellen.

Abbildung 4: Die Vielfalt der chinesischen Märkte

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Quelle: CICC Strategy Research, Stand der Daten: 5. September 2019

Worin investieren die Anleger?

Zwar sind viele internationale Anleger mit den chinesischen Aktienmärkten außerhalb des Festlands bereits vertraut. Allerdings stellt dieses Universum nur einen kleinen Teil des chinesischen Aktienuniversums dar. Tatsächlich befindet sich der Großteil der chinesischen Börsenkapitalisierung im A-Aktien-Markt des Festlands. Die Marktkapitalisierung des A-Aktien-Markts beträgt fast 7 Bio. US-Dollar im Vergleich zu H-Aktien und US-notierten chinesischen ADRs mit einer Marktkapitalisierung von jeweils unter 1 Bio. US-Dollar (Stand: 5. September 2019).

Der A-Aktien-Markt umfasst mehr als 3.500 Titel, die an zwei Börsen notiert sind. Allerdings handelt es sich beim Großteil dieser Titel um Small-Cap-Unternehmen (Marktkapitalisierung von unter 2 Bio. US-Dollar).

Der Markt ist äußerst liquide und belegt in Bezug auf den durchschnittlichen Tagesumsatz bereits den dritten Platz nach der NYSE und der Nasdaq. Allerdings sind die größten Marktteilnehmer Privatanleger, auf die mehr als 80 % des Handelsvolumens entfallen (im Vergleich zu 23 % für H-Aktien).

Da Privatanleger tendenziell kürzere Zeithorizonte haben und auf kurzfristige Meldungen überreagieren können, kann es sein, dass sich der A-Aktien-Markt weniger rational verhält als andere Märkte. Auch war er in der Vergangenheit immer von stärkeren Kursschwankungen gekennzeichnet.

Abbildung 5: Small-Caps dominieren den A-Aktien-Markt

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Quelle: Wind, 10. September 2019

Abbildung 6: Wie private Anleger den Markt für A-Aktien dominieren

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Quelle: Wind und Börse Hongkong, 18. September 2019

Zwar ist der A-Aktien-Markt relativ unreif und tendenziell volatiler. Was ihn jedoch interessant macht, ist seine Vielfalt an Unternehmen.

Wie die Abbildung unten verdeutlicht, haben Anleger Zugang zu Unternehmen in Branchen und Sektoren, die ansonsten an den chinesischen Aktienmärkten außerhalb des Festlands nicht verfügbar sind. Dazu zählen Sektoren wie Konsumgüter (Wohnungseinrichtung, Haushaltswaren und Spezialartikel, Wohnungsbau), Verbraucherdienste (Reise und Freizeit), Basiskonsumgüter, Prozessautomatisierung, Medien und Rundfunk sowie das Gesundheitswesen.

Viele dieser Branchen bieten den Anlegern Möglichkeiten für Investitionen in die Bereiche, die künftig das chinesische Wachstum, welches zunehmend auf Konsum beruht, vorantreiben dürften.

Abbildung 7: Aufschlüsselung der chinesischen Märkte nach Sektor

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Quelle: Schroders

Wenngleich die Anlagechancen am A-Aktien-Markt attraktiv sind, müssen die Anleger vorsichtig vorgehen.

China ist ein aufstrebender Aktienmarkt und weist somit die Risiken eines Schwellenlandes auf. Viele Unternehmen folgen niedrigeren Standards in der Unternehmensführung. Die Rechnungslegungsstandards unterscheiden sich nicht zu sehr von den internationalen Normen. Allerdings kann die Qualität der offengelegten Informationen dürftig sein – insbesondere in Bezug auf Transaktionen zwischen verbundenen Parteien. Hier können oftmals Interessenkonflikte bestehen. Angesichts der zentral gelenkten Natur der chinesischen Wirtschaft kann der Markt infolge von oftmals plötzlichen oder fundamentalen regulatorischen Änderungen erheblichen Schwankungen unterliegen.

Die Chance für geschickte Anleger

Die Hauptchance für globale Anleger liegt darin, dass sich aktiven Fondsmanagern aufgrund der Breite des A-Aktien-Universums und der relativen Ineffizienz des Marktes eine echte Möglichkeit zur überdurchschnittlichen Wertentwicklung gegenüber den Hauptindizes eröffnet.

Auf dem A-Aktien-Markt bedeutet die Dominanz privater Anleger, die sich im Allgemeinen weniger auf die Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren, dass Aktien oftmals erheblich unterbewertet sein können (und umgekehrt sind Aktien auch oft überbewertet).

Eine begrenzte Abdeckung durch Broker trägt auch zur Informationsineffizienz auf dem Markt bei; ein Drittel des Marktes wird von Broker-Analysten überhaupt nicht behandelt.

Die Sprache kann für internationale Anleger ebenfalls ein Hindernis sein. Relativ wenige Unternehmen mit A-Aktien – vielleicht nicht mehr als 20 – veröffentlichen ihre Abschlüsse regelmäßig auf Englisch.

Kurzum: Die Möglichkeiten für Stockpicker mit ausreichendem Wissen und genügend Ressourcen vor Ort zur Wertschöpfung am A-Aktien-Markt sind beträchtlich. Dieser Punkt wird durch die jüngsten Zahlen erhärtet: Die Abbildung unten verdeutlicht, dass der durchschnittliche aktive Fondsmanager im Bereich der chinesischen A-Aktien in fünf der vergangenen sechs Jahre eine bessere Wertentwicklung als der Index erzielen („Alpha” genieren) konnte.

Zwar wird der Markt mit dem Eintritt institutioneller und internationaler Anleger effizienter werden, doch dürfte diese Entwicklung nur schrittweise vorangehen. Der ausländische Aktienbesitz beträgt derzeit nur 3 %, und auf institutionelle Anleger entfallen lediglich 18 % des Marktes.

Abbildung 8: Die Performance aktiver Manager in den vergangenen fünf Jahren

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Quelle: Schroders, Mercer und Morningstar, Stand: Februar 2019. Der MSCI China A Mercer Peer Group Median ist ein durchschnittlicher Manager-Ertrag von vergleichbaren chinesischen A-Aktien-Fonds. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen. Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück. Wechselkursschwankungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen in Fremdwährungen steigt oder fällt. 

Die richtige Balance beim Engagement in China wahren

Durch den besseren Zugang zu den inländischen Aktienmärkten Chinas verändert sich das Umfeld für internationale Anleger. Dies geschieht zu einer Zeit, in der die Bedeutung Chinas für die globale Wirtschaft weiter zunimmt. Anleger in den Schwellenländern, die Geld gegenüber einem Vergleichsindex, wie dem MSCI Emerging Markets Index, verwalten, müssen sich nun aktiv gegen ein Engagement in A-Aktien entscheiden, sofern sie das so wollen. Zuvor hätten sie sich aktiv dafür entscheiden müssen, sich in einem Markt zu engagieren, der nicht in ihrem Vergleichsindex enthalten ist.

Ob A-Aktien oder andere chinesische Titel das Portfolio adäquat aufbessern, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Doch für internationale Anleger machen chinesische Aktien in den kommenden zehn Jahren wohl einen zunehmenden Teil ihrer Aktienallokation aus und rechtfertigen unseres Erachtens langfristige, strategische Positionen. Innerhalb dieser chinesischen Allokation wird die größte Zunahme wohl beim Anteil der A-Aktien erfolgen. 

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Andrew Rymer und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.