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Können bestimmte Hedgefonds-Strategien das 60/40-Portfolio verbessern?


Wenn Aktien schlecht abschnitten, schnitten Anleihen gut ab und umgekehrt (im Durchschnitt). Ihre gegenläufigen Renditen haben es Anlegern ermöglicht, weniger volatile Portfolios zu konstruieren, Marktrückgänge zu überstehen und die Wertentwicklung zu verbessern.

Die außergewöhnliche geld- und fiskalpolitische Reaktion auf die Covid-19-Krise hat jedoch für eine engere Beziehung zwischen Aktien und Anleihen gesorgt.

So wurde beispielsweise die 6-Monats-Korrelation zwischen US-Aktien und US-Treasuries kürzlich positiv, was die Diversifizierung von Portfolios erschwert.



Gleichzeitig machen die Aktienbewertungen einen immer teureren Eindruck, und die Anleiherenditen befinden sich auf einem Allzeittief – was darauf hindeutet, dass für beide Anlageklassen schwierigere Zeiten bevorstehen.

Diese Bedingungen untergraben das Vertrauen in das 60/40-Modell. Aber natürlich wollen Anleger immer noch Kapitalwachstum erwirtschaften und gleichzeitig ihr Portfolio vor Marktrückgängen schützen.

Bestimmte Arten von Hedgefonds könnten dabei aufgrund ihres Alpha-Potenzials, ihrer relativ geringen Volatilität und ihrer minimalen Korrelation zu den Mainstream-Märkten hilfreich sein.

Wir analysieren zwei alternative Strategien, die Anleger in Betracht ziehen sollten: aktienmarktneutrale (EMN HF) und Multi-Strategie-Hedgefonds (MS HF).

Vergleichbare Renditen mit weniger Risiko

EMN-Strategien zielen darauf ab, positive Ergebnisse unabhängig von der Entwicklung der Aktienmärkte zu erreichen.

Möglich machen dies ein geringes Nettoengagement am Markt und die Konzentration auf idiosynkratische Renditen von Long- und Short-Positionen innerhalb eines Portfolios.

Da diese Strategie dazu neigt, im Laufe der Zeit eine konstante Wertentwicklung zu erzielen, könnte sie den Anleiheanteil des 60/40-Portfolios ersetzen.

In den vergangenen 20 Jahren haben EMN-Hedgefonds beispielsweise ähnliche Renditen wie US-Treasuries erzielt, jedoch mit etwa nur halb so viel Volatilität und einer Korrelation von lediglich 0,3 zu den globalen Aktienmärkten (siehe Tabelle unten).

MS-Hedgefonds bieten außerdem eine zusätzliche Diversifikationsebene, indem sie in mehrere HF-Strategien investieren. Im Gegensatz zu EMN-Strategien können sie aber ein gewisses direktionales Marktrisiko eingehen.

Dies führt in der Regel zu aktienähnlichen Renditen mit anleiheähnlichem Risiko. Obwohl MS-Hedgefonds unterschiedlich stark mit den Aktienmärkten korrelieren, weisen sie im Vergleich zu direktionaleren Hedgefonds tendenziell ein niedrigeres Beta auf.

Aus diesem Grund können Anleger diesen Ansatz entweder als „Aktien-“ oder „Anleiheersatz“ betrachten.

Nichtsdestoweniger haben sowohl EMN- als auch MF-Strategien in der Vergangenheit höhere risikobereinigte Renditen erzielt als Aktien oder Anleihen allein, unabhängig davon, ob das Risiko als Standardabweichung der Gesamtrenditen oder Standardabweichung unterdurchschnittlicher Renditen definiert wird.

Abwärtsschutz bei Marktrückgängen

Eine weitere Folge des relativ geringen Risikoprofils dieser Hedgefonds-Strategien ist das Potenzial, große Verluste bei Marktkorrekturen zu begrenzen.

Seit dem Jahr 2000 beispielsweise übertrafen sowohl EMN- als auch MS-Hedgefonds Aktien während ihrer schlimmsten Verlustphasen, wenn auch etwas weniger deutlich als US-Treasuries.

Jetzt besteht jedoch die Sorge, dass die Anleihekurse bei einem Ausverkauf in der Tat gemeinsam mit Aktien abrutschen könnten und somit weniger Diversifikation als in der Vergangenheit bieten.

Dies könnte passieren, wenn die Inflation unerwartet ansteigt oder die Zentralbanken die Zinsen präventiv anheben. In einem solchen Umfeld müssten Anleger nach alternativen Diversifikationsquellen Ausschau halten.

Bei früheren Anleiheverkäufen haben sich EMN- und MS-Hedgefonds überdurchschnittlich entwickelt und positive Renditen erzielt (siehe nächste Abbildung).

Welche Auswirkungen hätte eine Hedgefonds-Allokation auf Ihr Portfolio?

EMN- und MS-Strategien können Ihre Anleihen- und Aktienallokationen ergänzen und das Risiko-/Renditeprofil verbessern.

Nehmen wir an, Ihr Portfolio weist eine Aufteilung von 60/30/10 auf, wobei 60 % auf globale Aktien, 30 % auf US-Treasuries und 10 % auf einen EMN-Hedgefonds-Index entfallen.

Ist dieses Portfolio mehr oder weniger volatil als die traditionelle 60/40-Aktien-/Anleihen-Allokation? Nun, das hängt davon ab, wie sehr Aktien und Anleihen miteinander korrelieren.

In einem Szenario, in dem Anleihen und Aktien eine Korrelation von 0 oder mehr aufweisen, kann eine 10%-ige EMN-Allokation die Portfoliovolatilität reduzieren (dunkelblaue Linie in der folgenden Abbildung).

Tatsächlich sind die Auswirkungen sogar noch ausgeprägter, wenn wir 10 % des Aktienengagements gegen 10 % in einem MS-Hedgefonds-Index austauschen, sodass das Portfolio eine Aufteilung von 50/40/10 (hellblaue Linie) aufweist.

Zugegebenermaßen kann angesichts der hohen Volatilität globaler Aktien eine ähnliche Risikoreduzierung auch durch eine EMN-Allokation erreicht werden.

Diese würde jedoch keine mit Aktien vergleichbare absolute Rendite liefern (denken Sie daran, dass MS-Hedgefonds tendenziell aktienähnliche Renditen bei einem anleiheähnlichen Risiko bieten).

Das heißt, dass eine MS-Allokation ungeachtet unserer Korrelationsannahme das Potenzial hat, die Portfoliovolatilität zu reduzieren, ohne das Renditepotenzial zu beeinträchtigen.

Eine wichtige Folge dieses Merkmals ist, dass die risikobereinigten Renditen für Portfolios mit einer MS-Allokation tendenziell deutlich höher sind.

Die Portfolioeffizienz ließe sich mit einer EMN-Strategie ebenfalls verbessern, allerdings müsste die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen größer als 0 sein, um die Allokation zu rechtfertigen. Dies zeigt die nachstehende Abbildung.

Datenbeschränkungen

Eine der häufigen Kritikpunkte an Hedgefonds ist, dass Fondsmanager Renditen freiwillig an Datenanbieter melden und dies wahrscheinlich nur tun, wenn sie mit ihrer Wertentwicklung zufrieden waren.

Dieses freiweillige und unbeständige Reporting („Backfill Bias“) führt zu verzerrten Ergebnissen, da Indizes mit in der Vergangenheit realisierten Renditen hinterfüllt werden.

Darüber hinaus können Fondsmanager die Berichterstattung einstellen, wenn ihre Renditen extrem schlecht sind und die Schließung des Fonds erwartet wird. All diese Faktoren können die Indexperformance aufblähen und die Volatilität herunterspielen.

Es ist schwierig, das genaue Ausmaß dieser Verzerrungen abzuschätzen, da sie je nach HF-Strategie und Datenbankanbieter variieren.

Dies untergräbt jedoch weder die Gesamtanalyse noch ihre Schlussfolgerungen.

Beispielsweise müsste die historische Volatilität für EMN- und MS-HFs um mindestens 165 % bzw. 210 % höher sein, um die gleiche Sharpe Ratio wie ein 60/40-Portfolio zu erzielen.

Umgekehrt müssten die Renditen mindestens 40 % bzw. 54 % niedriger sein.

Wir halten dies für eine große Sicherheitsmarge, die einige dieser potenziellen Verzerrungen ausgleicht.

Zeit, den Klassiker 60/40 zu überdenken

Obwohl Aktien und Anleihen in der Vergangenheit invers korrelierten, gibt es keine Garantie dafür, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Wenn Sie dies befürchten, können EMN- und MS-Strategien eine wertvolle Portfoliodiversifikation bieten, indem sie das Abwärtsrisiko begrenzen, die Volatilität dämpfen und eine zusätzliche Renditequelle bieten.

Eine kombinierte Strategie könnte eine überzeugende Alternative zum 60/40-Portfolio darstellen, da sie die Vorteile von EMN- und MS-Investitionen in einem Vehikel vereint.

Ferner konzentrierte sich die obige Analyse auf die Wertentwicklung eines durchschnittlichen Hedgefonds – doch die tatsächliche Bandbreite der Ergebnisse ist viel größer und die Chancen für die Auswahl von Managern im obersten Quartil sind beträchtlich.


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