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Sieben überraschende Fakten zu den weltweiten Steuereinnahmen

Anhand neuer OECD-Daten wurde verglichen, wie verschiedene Regierungen Steuern erheben. Einige der Erkenntnisse sind erstaunlich.

11.09.2018

Duncan Lamont

Duncan Lamont

Head of Research and Analytics

Steuern sind immer ein brisantes Thema für die Personen und Unternehmen, die sie zahlen. Deshalb sollte es nicht überraschen, dass eine Untersuchung der OECD, einer Organisation, die sich hauptsächlich aus reichen Nationen zusammensetzt, einige Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bei der Studie wurden Daten zur Besteuerung in 35 Ländern zusammengetragen und verglichen.

Hier greifen wir einige der interessantesten Fakten heraus.

1. Die meisten Volkswirtschaften erheben heute mehr Steuern im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) als zu jedem anderen Zeitpunkt seit 1990

In rund 80 % der erfassten Länder wurden die Steuern zwischen 1990 und 2016 erhöht. Aufgrund der höheren Steuereinnahmen in allen wesentlichen Sektoren, insbesondere aus Mehrwert- und Unternehmenssteuern, stieg das Verhältnis der Steuern zum BIP auf ein Rekordhoch von 34 %.

Die Gründe dafür sind komplex. Dies gilt insbesondere für den starken Anstieg seit der Finanzkrise von 2008. Der Anstieg ergibt sich, wie wir nachstehend erklären, nicht zwangsläufig daraus, dass verschuldete Regierungen die Steuersätze anheben, um mehr Geld einzunehmen.

Steuern in Prozent des BIP: Durchschnitt der OECD

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Der OECD-Durchschnitt beruht auf den Daten von 2015.

2. Zu diesem allgemeinen Anstieg der Besteuerung kam es, obwohl die Unternehmenssteuersätze seit den 1980er-Jahren um etwa die Hälfte gesunken sind

Eine markante Entwicklung war der „Steuerkrieg“ bei der Unternehmenssteuer. Die Länder kämpften darum, die niedrigsten Steuersätze anzubieten, um Unternehmen anzuziehen. Um dies besser zu veranschaulichen, bedienen wir uns einer Grafik aus einer kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Studie. Sie zeigt, dass der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz über längere Zeit hinweg massiv gesunken ist. Beachtenswert ist auch, dass die Gesamteinnahmen aus Unternehmenssteuern dank höherer Vorsteuergewinne trotz der niedrigeren Steuersätze gestiegen sind.

Globaler Durchschnitt der Unternehmenssteuersätze (in %)

Quelle: The Missing Profits of Nations, 2018, Tørslø, Wier, Zucman.

3. Unternehmenssteuern sind eine ziemlich bedeutungslose Quelle von Staatseinnahmen

Beitrag zu den gesamten Steuereinnahmen: Durchschnitt der OECD

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Der OECD-Durchschnitt beruht auf den Daten von 2015.

Dies ist nichts Neues. Trotz der rückläufigen Unternehmenssteuersätze sind die Unternehmenssteuern im Vergleich zum BIP seit 1990 nicht gesunken. Angesichts ihres geringen Beitrags zu den Gesamteinnahmen ist eine Senkung der Unternehmenssteuer ein viel weniger kostspieliger Schritt als eine Senkung der Einkommensteuer – trotz des wachsenden Widerstands in der Bevölkerung. Die Regierungen hoffen auch, dass eine Senkung der Unternehmenssteuer Unternehmen dazu ermutigt, sich in einem Land niederzulassen oder ihre Präsenz dort auszuweiten und mehr Menschen zu beschäftigen, die Einkommensteuern zahlen und besteuerte Güter und Dienstleistungen kaufen.

4. Mehrwertsteuern und andere Steuern auf Güter und Dienstleistungen (zum Beispiel Zölle) bringen erheblich höhere Summen in die Staatskassen

Einnahmen aus Güter- und Mehrwertsteuern im Verhältnis zur Unternehmenssteuer

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

5. In den meisten Ländern hat die Einkommensteuerlast im Vergleich zum BIP seit dem Jahr 2000 nicht zugenommen. Steuererhöhungen wurden über die Hintertür realisiert. 

Die Hauptlast machte sich in weniger aufsehenerregenden Bereichen wie Mehrwertsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen bemerkbar.

Prozentualer Anteil der OECD-Länder, deren Abhängigkeit von verschiedenen Steuern seit 2000 gestiegen ist

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

6. Der Obsession der britischen Verbraucher mit den Hauspreisen steht ein ebenso großer Wunsch der Regierung gegenüber, aus diesem Sektor Einnahmen zu erzielen

In Großbritannien sind die Steuereinnahmen aus Immobilien in Prozent des BIP höher als in jeder anderen großen Volkswirtschaft und mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt.

Steuern in Prozent des BIP

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Japan und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.

7. Griechenland und Italien werden häufig kritisiert, nehmen im Verhältnis zum BIP aber mehr Steuern ein als die meisten anderen großen Volkswirtschaften 

Die Steuerlast noch viel weiter anzuheben, ist keine realistische Option. Die fiskalische Situation kann nur durch Ausgabenkürzungen verbessert werden (zum Beispiel durch eine Reduzierung der sehr großzügigen Sozialleistungen) und/oder durch Bemühungen zur Erhöhung der Produktivität, etwa eine Lockerung der Arbeitsgesetze. Vor allem in Italien ist im gegenwärtigen politischen Klima jedoch keine der beiden Maßnahmen eine denkbare Option, jedenfalls auf kurze Sicht.

Steuereinnahmen in Prozent des BIP

Quelle: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. Alle Daten beziehen sich auf Ende 2016, mit Ausnahme der Daten für Australien, Griechenland, Japan, Mexiko und den OECD-Durchschnitt, die sich auf 2015 beziehen.


1 http://www.oecd.org/

2 http://www.nber.org/papers/w24701

 

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Duncan Lamont und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.