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Small Caps vs. Large Caps: Bewertungen im Vergleich

26.04.2017

David Brett

David Brett

Redakteur

Small Caps vs. Large Caps: Bewertungen im Vergleich

Globale Nebenwerte haben seit ihrem Tiefststand im Jahr 2009 eine Rendite von 317 % erwirtschaftet. Unseres Erachtens sind sie aber nach wie vor attraktiv. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, warum, und zeigen Ihnen, wo Wertpotenzial zu finden ist.

Aktien kleinerer Unternehmen haben im Lauf der Zeit eine überdurchschnittliche Entwicklung verzeichnet. Globale „Small Caps“ erzielten während der vergangenen 16 Jahre eine dreimal höhere Rendite als große Unternehmen.
Seit März 2001 erwirtschaftete der MSCI Global Small Cap Index gemäß internem Research eine Rendite in Höhe von 317 % einschließlich Dividenden gegenüber 107 % beim MSCI Global Large Cap Index.
Anleger sind möglicherweise bereit, mehr für Aktien zu bezahlen, die über das Potenzial für eine schnellere Ertragssteigerung verfügen.
Wie es unter Anlegern heißt: „Elefanten galoppieren nicht“. Mit anderen Worten: Es ist einfacher für ein Zwergunternehmen, seine Größe zu verdoppeln als für ein großes Unternehmen. 

Wenn Sie also am 31. März 2001 1.000 US-Dollar in globalen Small-Cap-Werten angelegt hätten, dann wäre Ihre Anlage einschließlich Dividenden und inflationsbereinigt um 2,3 % (historischer globaler Durchschnitt) nun 2.903 US-Dollar wert.

Hätten Sie den gleichen Betrag in globalen Large-Cap-Titeln angelegt, läge der Wert basierend auf MSCI-Indizes inzwischen bei 1.438 US-Dollar.
Es gilt zu beachten, dass die vergangene Wertentwicklung kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung darstellt und sich möglicherweise nicht wiederholen lässt. Darüber hinaus können Anlagen in kleineren Unternehmen weniger liquide und volatiler sein als solche in größeren Unternehmen.
Anleger könnten angesichts dieser positiven Wertentwicklung denken, dass das Schiff der Small-Cap-Werte schon zu lange zu gut gefahren ist. Doch die Bewertungen deuten darauf hin, dass es nicht zu spät sein könnte, noch mit an Bord zu springen.

Was also ist ein Small-Cap-Wert?

Die Definition von Small-Cap-Werten kann je nach Markt variieren und verändert sich mit der Zeit. Der MSCI World Small Cap Index umfasst 23 Industrieländer. Der größte Einzelwert im Index hat eine Marktkapitalisierung von 11 Mrd. US-Dollar, die des kleinsten beträgt hingegen lediglich 44 Mio. US-Dollar.

Bieten Small-Cap-Werte nach wie vor Wertpotenzial?

Im Durchschnitt sind die Small-Cap-Bewertungen bislang nach wie vor relativ attraktiv, ungeachtet ihres rasanten Anstiegs.
Eine Möglichkeit, einzelne Aktien oder den Aktienmarkt als Ganzes zu bewerten, besteht darin, die Aktienpreise und Gewinne anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) zu vergleichen. Ein niedriges KGV deutet auf ein höheres Wertpotenzial.
Der Zehn-Jahres-Durchschnitt für das KGV globaler Small-Cap-Werte liegt bei 25,8 im Vergleich zu einem KGV der Large-Cap-Werte von 16. Somit wurden globale Small-Cap-Titel seit 2007 mit einer Prämie von 61 % gegenüber Large-Cap-Titeln gehandelt.
Derzeit liegt die Prämie bei 46 %. Das KGV von Small-Cap-Titeln hat sich im Jahr 2007 von 27,5 auf 30,8 erhöht, wobei es bei Large-Cap-Titeln von 16,3 auf 21 kletterte.

Regionale Verzerrungen

Globale und europäische Small-Cap-Werte werden gemäß MSCI-Daten im Vergleich zu Large-Cap-Titeln unterhalb ihrer historischen durchschnittlichen Prämien (Zehn-Jahres-Durchschnitt ab dem vierten Quartal 2006 bis zum vierten Quartal 2016) gehandelt. Die USA und Großbritannien erscheinen teurer.

Warum sollte man Anlagen in Small-Cap-Werten in Betracht ziehen?

Kommentar von Matthew Dobbs, globaler Leiter Small Cap bei Schroders:


„Der Ausblick für Anleger gestaltet sich schwierig angesichts des beispiellosen technologischen, sozialen und regulatorischen Wandels, der derzeit auf der ganzen Welt um sich greift. Für kleinere Unternehmen kann dies jedoch eine Chance sein. Es gelingt ihnen gegebenenfalls, „unter dem Radar“ zu agieren und Nischenmärkte besetzen, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie im Fahrwasser dieser Veränderungen Wachstum erzielen werden.
Unternehmen, die flexibel sind und weniger stark durch verschiedene Führungsebenen in ihrer Reaktionsfähigkeit eingeschränkt werden, sind möglicherweise besser gerüstet, um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten. Eine starke Marke und ein weitreichendes Vertriebsnetz sind nicht mehr unbedingt von Vorteil.
Es zeichnet sich eine neue Generation von Gewinnern ab – wenig kapitalintensive Unternehmen mit einer starken Online-Präsenz. In dieser Richtung werden Eintrittsbarrieren abgebaut und Innovationen beschleunigt. Damit entstehen bessere Chancen für kleine Unternehmen.
Anleger müssen jede Investition als Einzelfall bewerten. Sie sollten sich nicht auf die Annahme verlassen, dass Risikoprämien für Small-Cap-Werte überall zu finden sind.“

Kommentar von Paul Marriage, globaler Leiter Dynamic Small Cap bei Schroders:

„Man kann sich Anlagen in kleinere Unternehmen ungefähr so vorstellen wie die Kindererziehung. Wenn sich die Unternehmen in einem sehr frühen Stadium befinden, sind sie problematisch. Ebenso werden alle Eltern Ihnen sagen, was für eine schwierige Zeit die Trotzphase ist. Sobald Unternehmen wiederum zu groß werden, sind sie wie Jugendliche, die möglicherweise schwer unter Kontrolle zu halten sind.
Doch zwischen diesen beiden Phasen befindet sich ein potenziell optimaler Punkt für Eltern wie für Anleger. Dies ist das Stadium, in dem wir investieren, d. h. nach dem Kleinkindstadium, jedoch vor dem Teenageralter.
Wir sind der Ansicht, dass unter Small-Cap-Werten mehr Möglichkeiten existieren, Anlagen mit Wertsteigerungspotenzial auszumachen.
Aufgrund ihrer Größe finden sie bei Analysten und in den Medien weniger Berücksichtigung, weshalb sie tendenziell nicht so stark im Blickfeld der Anleger stehen.
Wenn ein Small-Cap-Unternehmen dann erste Erfolge verzeichnet, könnte sich möglicherweise ein doppelter Bonuseffekt von Wachstum und Neubewertung ergeben. Das KGV eines Small-Cap-Werts kann auf das 10- bis 20-fache steigen, sobald das Unternehmen anfängt, zu wachsen und entdeckt zu werden.
Dies lässt sich mit größeren Unternehmen wesentlich schwerer erreichen.“

Es gibt vier Voraussetzungen für eine erfolgreiche Small-Cap-Anlage:

  1. Das Unternehmen sollte ein Marktführer in seiner Nische sein und weiter Wachstum verzeichnen.
  2. Das Unternehmen sollte über ein einzigartiges Produkt oder eine einzigartige Dienstleistung verfügen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen.
  3. Das Unternehmen sollte über ein gutes Management verfügen, dessen Mitglieder vorzugsweise eine wesentliche Beteiligung am Unternehmen halten.
  4. Das Unternehmen sollte einen starken Cashflow haben und rentabel sei

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von David Brett, Investment Writer, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.