2 Min | Perspektiven

Staatsanleihen in Turbulenzen, Hochzinsanleihen im Aufwind

In vielen Ländern sind die Covid-19-Impfkampagnen in vollem Gange, so dass im Sommer 2021 mit einer weitgehenden Rückkehr zum gesellschaftlichen Leben zu rechnen ist. Damit dürfte ein synchrones Wirtschaftswachstum einhergehen, wie es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nicht gegeben hat.

Die besseren wirtschaftlichen Aussichten bringen Herausforderungen für Anleiheinvestoren mit sich. Da Einlagenzinsen aktuell auf einem extrem niedrigen oder gar negativem Niveau liegen, dürften Anlagen, die Erträge abwerfen, stark nachgefragt bleiben. Auf der anderen Seite sind die Märkte darauf bedacht, die radikal veränderten Wachstumsaussichten einzupreisen, während gleichzeitig die Unsicherheiten über die zukünftige Geld- und Fiskalpolitik groß sind. Dies hat zu volatilen Renditen bei Staatsanleihen weltweit geführt und in vielen Segmenten festverzinslicher Wertpapiere sind die Renditen seit Jahresbeginn negativ.

Neue Herausforderungen für Rentenanleger

Vor diesem Hintergrund fragen sich die Anleger zu Recht, ob sie für die erhöhte Volatilität angemessen entschädigt werden. In der Vergangenheit konnten Rentenanleger in Zeiten des zyklischen Aufschwungs auf absolute oder relative Gewinne hoffen, die aus der Verringerung der Spreads bei Unternehmensanleihen resultierten. Diese tritt ein, wenn sich die Anleiherenditen in einem Marktsegment denen eines weniger risikoreichen Marktsegments annähern. Dadurch haben Anleger oft Verluste durch steigende langfristige Zinsen ausgleichen können.

Im bisherigen Jahresverlauf sind die Gesamtrenditen im Investment-Grade-Bereich jedoch negativ (Anleihekurse fallen, wenn die Zinsen steigen). Die Spreadverengung hat zu Überschussrenditen gegenüber Staatsanleihen geführt, konnte aber den Ausverkauf an den Märkten für Staatsanleihen nicht vollständig kompensieren.

Hochzinsanleihen federn Turbulenzen bei Staatsanleihen ab

Hochzinsanleihen, also Anleihen unterhalb von Investment Grade, waren in diesem Umfeld die klaren Gewinner. Begünstigt wurde dies sowohl durch die Spreadverengung als auch durch die vergleichsweise kurze Duration der Anlageklasse (ein Maß für die Sensitivität von Anleihekursen auf Veränderungen von Renditen oder Zinsen).

Unten vergleichen wir die Duration, die Rendite und die daraus resultierenden Breakeven-Zinsbewegungen des europäischen Hochzins- und Investment-Grade-Marktes. Der Breakeven-Zins berechnet sich als Rendite geteilt durch Duration und gibt an, um wie viel sich die Renditen nach oben bewegen müssten, bevor ein Anleger negative Gesamtrenditen verzeichnen würde.

Es zeigt sich, dass Hochzinsanleihen sowohl über das Carry- als auch über das Spreadverengungspotenzial verfügen, um Zinsschocks abzufedern, und dass sie eine niedrige Gesamtduration aufweisen. Die Breakeven-Zinsen sind sogar noch attraktiver, wenn man sie mit den negativen Einlagenzinsen in Europa vergleicht.

Betrachtet man die Korrelation der Renditen mit denen 10-jähriger Bundesanleihen in der Vergangenheit, so zeigt sich, dass positive Korrelationen, also wenn sowohl Bundesanleihen als auch Hochzinsanleihen abverkauft werden, eher kurzlebig sind und in der Regel eine Gelegenheit zum Kauf von Hochzinsanleihen darstellen.

Unserer Meinung nach wird dies auch im Laufe dieses Jahres der Fall sein, zumal höhere Zinsen grundsätzlich bessere Wirtschaftsaussichten widerspiegeln, welche es den Emittenten von Hochzinsanleihen ermöglichen sollten, ihre Rentabilität zu steigern und ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern.

Eine Wende hin zu einer restriktiveren Geldpolitik, die ein Grund zur Sorge über steigende Zinsen wäre, liegt unserer Meinung nach noch in weiter Ferne.

Des Weiteren dürften die günstigen Aussichten in Bezug auf Downgrades und Ausfälle Hochzinsanleihen stützen.

Die Abbildung unten zeigt die Quote der notleidenden Anleihen, das heißt den prozentualen Anteil des Hochzinsmarktes mit einem Spread von 1000 Basispunkten oder mehr gegenüber entsprechenden Staatsanleihen. In der Vergangenheit war dies ein zuverlässiger Frühindikator für zukünftige Ausfallraten. Aktuell zeichnet sich für die kommenden Monate eine sinkende Ausfallrate ab. Was die Ratings angeht, so steht ein relativ geringer Anteil des Hochzinsmarktes vor einem Downgrade, was darauf hindeutet, dass auch der Herabstufungszyklus seinen Höhepunkt überschritten hat.

Auch wenn das Umfeld für Hochzinsanleihen generell günstig erscheint, ist eine selektive Anlage wichtig. Denn zum einen besteht wegen der Pandemie weiterhin Unsicherheit, zum anderen bewegen sich Teile des Marktes auf einem hohen Niveau. Die im Vergleich zu fast allen anderen Bereichen attraktiven Erträge und die geringe Duration sprechen für Hochzinsanleihen im weiteren Jahresverlauf.


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