3 Min | Im Fokus

Welche Aktiensektoren können einer höheren Inflation die Stirn bieten?


Die Befürchtung, dass fiskalpolitische Anreize und hohe Staatsausgaben auch nach der Pandemie zu einem Inflationsanstieg führen könnten, ließ in den letzten Wochen die Anleiherenditen stark steigen und sorgte an den Aktienmärkten für Verunsicherung.

Die fünfjährigen Inflationserwartungen, gemessen an der Renditedifferenz zwischen nominalen und inflationsgeschützten US-Staatsanleihen, haben sich von ihren Tiefs in der Pandemie deutlich erholt und liegen nun bei 2,5 % – dem höchsten Stand seit 2008.

Eine moderate Inflation ist im Allgemeinen gut für Aktien, da sie in der Regel mit einem positiven Wirtschaftswachstum und steigenden Unternehmensgewinnen einhergeht.

Wenn die Wirtschaft überhitzt und die Inflation zu stark ansteigt, kann es für die Anleger am Aktienmarkt jedoch schnell ungemütlich werden.

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Aktien die Inflation in 90 % der Fälle übertroffen haben, wenn die Inflation niedrig (im Durchschnitt unter 3 %) und steigend war – und genau an diesem Punkt sind wir heute.

In Zeiten hoher und steigender Inflation (im Durchschnitt über 3 %) glich die Aktienperformance jedoch einem Münzwurf, wie die folgende Grafik zeigt.

Doch glücklicherweise sind nicht alle Sektoren gleichermaßen betroffen, einige konnten sich bei einer anziehenden Inflation als widerstandsfähiger erweisen.

Wie ist die Beziehung zwischen Aktienkursen und Inflation?

Theoretisch sollten Aktien einen Schutz vor Inflation bieten: Höhere Preise lassen die nominalen Umsätze steigen, was wiederum die Aktienkurse treibt.

Dies kann jedoch unter Umständen durch einen Rückgang der Gewinnmargen aufgrund eines Anstiegs der Inputkosten der Unternehmen unterlaufen werden.

In der Praxis variieren die Auswirkungen von Inflation auf den Umsatz je nach Wirtschaftssektor und dessen Möglichkeit, höhere Inputkosten an die Endverbraucher weiterzugeben.

Solange aber die Inputkosten nicht in gleichem Maße wie die Umsätze steigen, sollte sich der Anstieg der Gewinnmargen in höheren nominalen Gewinnen niederschlagen.

Das Problem ist, dass bei steigender Inflation der Markt die künftigen Cashflows häufig mit einem höheren Zinssatz diskontiert, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sie gemessen am aktuellen Geld weniger wert sind.

Bei ansonsten gleichbleibenden Parametern ist der Abzinsungssatz für Erträge umso höher, je höher die Inflation ist, und desto niedriger ist das KGV, das die Anleger zu zahlen bereit sind (siehe folgende Grafik).

Zu beachten sei jedoch, dass die Beziehung bei niedriger Inflation (z. B. unter 3 %) nicht eindeutig ist, da hier andere Faktoren für die Bewertungen ausschlaggebend sein können.

Welche Aktiensektoren bieten eventuell Schutz vor steigender Inflation?

Eine Inflationsabsicherung ist eine Anlage, die Schutz vor Preissteigerungen bietet. Wie häufig erreichen die einzelnen Aktiensektoren dies und wie hoch fällt dieser Absicherungseffekt aus?

Die folgende Grafik veranschaulicht es. Auf der x-Achse ist der Prozentsatz der rollierenden 12-Monats-Zeiträume seit 1973 dargestellt, in denen die Aktienrenditen die Teuerung in einem Umfeld hoher und steigender Inflation übertrafen – ein Maß dafür, wie beständig jeder Sektor die Inflation unter diesen Umständen hinter sich gelassen hat.

Die y-Achse zeigt die reale (inflationsbereinigte) Rendite, die in diesen Zeiträumen erzielt wurde – ein Maß dafür, um wie viel die Renditen die Teuerung unter diesen Umständen im Durchschnitt übertroffen haben.

Obwohl Aktien in einem Umfeld hoher und steigender Inflation im Allgemeinen eher schlecht abschneiden, gibt es auf Sektorebene Möglichkeiten, um Zuflucht zu suchen. 

Dazu gehört der Energiesektor, der Öl- und Gasunternehmen umfasst. Diese Unternehmen übertrafen die Inflation in 71 % der Fälle und erzielten im Durchschnitt eine reale Rendite von 9,0 % p.a.

Das erscheint plausibel. Die Umsätze von Energieunternehmen sind naturgemäß von den Energiepreisen abhängig, die eine wichtige Komponente der Inflationsindizes sind. Demnach sollten sich Energietitel gut entwickeln, wenn die Inflation steigt.

Auch Equity REITs (Real Estate Investment Trusts) können Schutz bieten. Sie übertrafen die Inflation in 67 % der Fälle und erzielten eine durchschnittliche reale Rendite von 4,7 %.

Auch das ist logisch. Equity REITs besitzen Immobilienanlagen und durch die Weitergabe von Preissteigerungen in Mietverträgen und beim Immobilienverkauf bieten sie eine gewisse Inflationsabsicherung.

Mortgage REITs, die in Hypotheken investieren, gehören dagegen zu den Sektoren mit der schlechtesten Performance. Genau wie bei Anleihen verlieren ihre Kuponzahlungen bei steigender Inflation an Wert, wodurch ihre Renditen steigen und die Kurse zum Ausgleich sinken.

Ähnlich verhält es sich mit dem in Aussicht stehenden zukünftigen Gewinnwachstum bei IT-Aktien. Das Gros ihrer Cashflows wird in ferner Zukunft erwartet, deren Barwert bei steigender Inflation deutlich geringer ist.

Finanzwerte hingegen schneiden im Vergleich besser ab, da sich ihre Cashflows eher auf kürzere Zeiträume konzentrieren.

Eine hohe Inflation kann aber dennoch nachteilig sein, vor allem für Banken, weil der Barwert bestehender Kredite, die in der Zukunft zurückgezahlt werden, sinkt.

Versorger weisen eine etwas enttäuschende Erfolgsquote von 50 % auf. Als natürliche Monopolisten sollten sie eigentlich in der Lage sein, Kostensteigerungen an die Verbraucher weiterzugeben, um ihre Gewinnspannen zu wahren. In der Praxis werden sie jedoch oft durch Auflagen daran gehindert, dies in vollem Umfang zu tun.

Darüber hinaus werden Versorger angesichts der stabilen Natur ihres Geschäfts und ihrer Dividendenzahlungen häufig als Stellvertreter für Anleihen gesehen, was bedeutet, dass sie im Vergleich zu anderen Sektoren abgewertet werden könnten, wenn die Inflation anzieht (und die Anleihekurse fallen).

Auch wenn Gold oft als Absicherung gegen eine befürchtete Währungsabwertung gepriesen wird, ist die Erfolgsbilanz von Unternehmen aus dem Edelmetall- und Bergbausektor bestenfalls gemischt.

Sie erzielten in einem Umfeld hoher und steigender Inflation eine durchschnittliche reale Rendite von 8,0 %. Doch die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance glich einem Münzwurf – sie übertrafen die Inflation nur in 47 % der Fälle, deutlich seltener als viele andere Sektoren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aktienkurse negativ reagieren könnten, wenn die Inflation irgendwann anzieht. Allerdings dürften einige Sektoren die Auswirkungen besser auffangen und andere sogar davon profitieren.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.