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Welche Schwellenländer sind am stärksten durch künftige Covid-Ausbrüche gefährdet?


Unterbrechungen der Lieferkette und die jüngsten Wellen von Covid-19-Ausbrüchen scheinen die Wirtschaftstätigkeit in Asien stärker getroffen zu haben als in Mittel- und Osteuropa sowie in Lateinamerika.

Die rasche Verteilung von Impfstoffen deutet darauf hin, dass die Aktivitäten in Asien für künftige Wellen von Covid-Infektionen weniger anfällig sein werden. In Osteuropa ist das Bild jedoch weniger rosig, was darauf hindeutet, dass die Region mit Störungen konfrontiert sein könnte, wenn in der nördlichen Hemisphäre der Winter beginnt.

Unterschiedliches Wachstum in den Schwellenländern

Jüngste Daten deuten darauf hin, dass das Wachstum der Schwellenländer nach einer starken anfänglichen Erholung bereits wieder zu den Raten vor der Pandemie zurückgekehrt ist. Der stetige Rückgang bei den veröffentlichten Zahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in den letzten Wochen stand im Einklang mit einem saisonbereinigten Quartalswachstum von nur etwa 1 %. Der zukunftsgerichtete Composite EM Purchasing Managers’ Index (PMI) lag im Juli und August im Durchschnitt bei 50,7 – gegenüber 52,4 im zweiten Quartal. Sofern die nächste Woche veröffentlichten Messwerte für September nicht ansteigen, deutet dies darauf hin, dass das Wachstum im dritten Quartal noch geringer ausfallen wird.

Wenn man sich die Daten genauer ansieht, wird deutlich, dass die Wachstumsdynamik in den wichtigsten Schwellenländerregionen etwas unterschiedlich ist. Wie die nachstehende Grafik zeigt, liegen die Einkaufsmanagerindizes in Lateinamerika und in Teilen Mittel- und Osteuropas im Allgemeinen bei über 50 mit einem Aufwärtstrend. In Asien hingegen sind sie im Allgemeinen rückläufig.

Nichts davon ist besonders überraschend. Anfang dieses Jahres haben wir darauf hingewiesen, dass ein schleppendes Wachstum in den Schwellenländern negativ für die Märkte wäre und dass die Investierenden eine Rotation ihrer Treiber weg von Asien und hin zu anderen Regionen, wie Lateinamerika, erwarten sollten.

Diese Trends wurden jedoch durch einige idiosynkratische Probleme verschärft. Relativ geschlossene Volkswirtschaften in Lateinamerika werden deutlich weniger stark betroffen sein als exportorientierte Märkte in Asien, da Engpässe in den globalen Lieferketten die Industrietätigkeit hemmen.

Inzwischen gibt es auch einige Hinweise darauf, dass die Covid-Pandemie immer noch Auswirkungen auf die relative Leistung der Schwellenländer hat. Die meisten Teile der Welt haben mit Infektionswellen zu kämpfen. Und es gibt eine gewisse Korrelation zwischen der Impfstoffdurchdringung und den jüngsten Trends bei den EMIs. Insbesondere die niedrigen Impfraten haben dazu geführt, dass Ausbrüche der Delta-Variante in ganz Asien und in Südafrika zu Störungen geführt haben. Selbst in China, wo die Impfrate hoch ist, hat die Null-Toleranz-Politik der Regierung die Aktivitäten im dritten Quartal stark beeinträchtigt.

Wie sind die Aussichten an der Impffront für die Schwellenländer?

Es gibt bessere Nachrichten an der Impffront. Wenn es den Schwellenländern gelingt, die jüngsten Impfraten aufrechtzuerhalten, werden die meisten großen Länder, die wir beobachten, 70 % ihrer Bevölkerung bis Ende dieses Jahres mindestens einmal geimpft haben. Die vollständige Impfung ist schon kurze Zeit später zu erwarten. Tatsächlich ist dies einigen Schwellenländern wie China und Chile bereits gelungen. In Brasilien dürfte dies nur noch eine Frage weniger Tage sein.

Innerhalb Asiens bilden Indonesien und die Philippinen die Nachzügler und sind möglicherweise am anfälligsten für Störungen durch weitere Ausbrüche von Covid in den kommenden Monaten. Aber es sind Südafrika und vor allem Teile Osteuropas, die hervorstechen.

Nach guten Fortschritten in der Anfangsphase der Impfstoffversorgung ist diese in vielen Ländern mittlerweile ins Stocken geraten. Somit wird der Großteil der Bevölkerung bei den derzeitigen Raten erst Mitte nächsten Jahres geimpft sein. Da sich der Winter auf der Nordhalbkugel nähert, scheinen diese Volkswirtschaften relativ anfälliger für Störungen durch Covid zu sein. Folglich könnten sich Investitionen unterdurchschnittlich entwickeln.


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