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Perspektiven - Märkte

Wie geht es weiter für Chinas A-Aktien?

Der Aufstieg des Marktes für chinesische A-Aktien ist ein Thema, das nicht ignoriert werden kann. Hier beleuchten wir die Anlagechancen im Land.

10.09.2019

Louisa Lo

Louisa Lo

Head of Greater China Equities

Chinas heimischer Aktienmarkt ist im Aufstieg begriffen, und wir glauben, dass sich dieser Markt langfristig für Anleger als sehr attraktive Chance erweisen könnte.

Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Anteil Chinas am Weltwirtschaftswachstum und seiner Gewichtung im globalen Aktienmarktindex. So machen chinesische Aktien derzeit lediglich 3,8 % des MSCI All Country World Index aus, während das Land beim globalen Bruttoinlandsprodukt auf einen Anteil von 16 % kommt.

Nun, da sich der Markt für ausländische Anleger öffnet und MSCI sich entschlossen hat, chinesische A-Aktien in seine weltweiten Indizes aufzunehmen, erwarten wir, dass China in den kommenden Jahren deutlich stärker in globalen Portfolios vertreten sein wird.

Wie Anleger Zugang zu chinesischen Aktien bekommen

Anleger können über verschiedene Kanäle in Chinas Aktienmärkte investieren:

  • Die Unternehmen, die in Hongkong notiert sind (H-Aktien, Red Chips und P-Chips)
  • Die Hinterlegungsscheine von Depotbanken, die an der NASDAQ-Börse in den USA gelistet sind (diese sogenannten American Depositary Receipts ermöglichen den Zugang zu Technologieschwergewichten wie Alibaba und Baidu)
  • Der chinesische Inlandsmarkt (A-Aktien)

Bei A-Aktien bedarf es noch großer Fortschritte, hat sich der Inlandsmarkt doch erst vor ein paar Jahren durch die Stock-Connect-Programme Shanghai-Hong Kong (2014) und Shenzen-Hong Kong (2016) für internationale Anleger geöffnet.  

Diese Programme erlauben ausländischen Anlegern den Zugang zu chinesischen Inlandsaktien (A-Aktien) über die Hongkonger Börse. Allerdings sind nur 3 % der Anleger im Inlandsmarkt Ausländer.

Von Privatanlegern dominiert

Der Markt für A-Aktien bleibt von chinesischen Privatanlegern geprägt, die für 86 % des täglichen Handelsvolumens aufkommen, verglichen mit 35 % für den Markt in Hongkong.

Dieser hohe Anteil privater Investoren trägt zu einer stärkeren Volatilität des Marktes bei, als man sie an besser entwickelten Börsen beobachten kann. Der Grund dafür ist, dass Kleinanleger in der Regel kürzere Anlagehorizonte haben und stärker auf Marktereignisse reagieren, was zu vermehrten Käufen und Verkäufen von Aktien führt und damit letztendlich zu stärkeren Marktschwankungen.

Allerdings ist der Markt auch attraktiv für aktive Fondsmanager, die seine Ineffizienzen auszunutzen verstehen. Dabei zeigt sich, dass in vier der vergangenen fünf Jahre die Fondsmanager im A-Aktien-Bereich den Vergleichsindex MSCI China A Onshore im Schnitt übertroffen haben.

Marktverschiebungen

In den vergangenen Jahren hat sich das Anlegerinteresse von Aktien der chinesischen „Old Economy“ (Infrastruktur, Banken, Telekommunikation) hin zu einem größeren Fokus auf Konsumwerte (Basiskonsumgüter, Nahrungsmittel und Getränke) sowie Aktien der „New Economy“ (Gesundheitswesen, Nicht-Basiskonsumgüter, IT) verschoben.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass die treibende Kraft hinter dem Wachstum in China zunehmend auf dem Verbraucher beruht. Wir rechnen mit einer anhaltenden Verlagerung in diese Richtung.  

Ein weiteres Thema, das wir in China feststellen, ist angesichts der dortigen Notwendigkeit zur Produktivitätssteigerung der Trend zur Automatisierung. Diese Entwicklung steht auch im Einklang mit dem Erfordernis, Waren von besserer Qualität zu produzieren, und eigenständiger in Bezug auf technologische Kompetenz zu werden.

Der Markt für A-Aktien stellt sich in Sektor-Hinsicht weiterhin sehr ausgewogen dar, vor allem im Vergleich zu Hongkong, wo Technologie, Banken und Rohstoffe den Index noch immer dominieren. Somit bietet der A-Aktienmarkt die Möglichkeit, ein diversifizierteres Portfolio zu verwalten.

Unterdessen konnte der Markt trotz regelmäßiger Schlagzeilen über amerikanisch-chinesische Handelsspannungen seit Jahresbeginn beständig hohe Kapitalzuflüsse für sich verbuchen.

Zudem weist der chinesische Markt einen geringen Zusammenhang mit den anderen globalen Märkten auf, was Diversifikationsvorteile bieten kann. Anleger sollten allerdings nicht vergessen, dass es sich hierbei immer noch um einen aufstrebenden Markt handelt, mit entsprechend höheren Preisschwankungen.

Welchen Sektoren sind bei chinesischen A-Aktien von Interesse?

Derzeit können wir nach wie vor eine Reihe potenziell attraktiver Anlagegelegenheiten am chinesischen Markt erkennen.

Einer der Sektoren, an denen wir besonders interessiert sind, ist das Gesundheitswesen. Seitens der chinesischen Pharmaindustrie gibt es einen starken Trend, die Produktion sowie die Forschung und Entwicklung von Medikamenten auszulagern. Wir gehen daher davon aus, dass Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, künftig eine größere Rolle spielen werden.

Ansonsten stehen wir Immobilienunternehmen weiterhin vorsichtig gegenüber, während der Versicherungssektor interessant für uns ist, da in China die Marktdurchdringung von Versicherungsprodukten unverändert niedrig ist.

Nachholbedarf in Corporate Governance

Aus Sicht der Unternehmensführung schließlich haben viele Unternehmen in China gemessen an den Standards, die in weiter entwickelten Märkten generell angetroffen werden können, noch Nachholbedarf. Der Trend ist jedoch definitiv positiv, und wir glauben, dass sich mit einem verstärkten Engagement institutioneller Investoren das Niveau chinesischer Standards für Umwelt, Soziales und Governance (ESG) künftig verbessern wird.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen geben die Auffassung des Autors wieder und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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