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Wie werden sich die physischen Risiken des Klimawandels auf Unternehmen auswirken?

Unsere neue Analyse kann die physischen Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen weltweit quantitativ bestimmen. Es könnten erhebliche Kosten entstehen.

28.08.2018

Andrew Howard

Andrew Howard

Leiter Research für nachhaltige Anlagen & ESG

Marc Hassler

Marc Hassler

Analyst für nachhaltige Anlagen

Die potenziellen Kosten, die manche Unternehmen aufwenden, um ihre Vermögenswerte gegen die Auswirkungen des Klimawandels abzusichern, könnten sich gemäß unserer neuen Analyse des physischen Risikos auf über 4 % ihres Marktwerts belaufen. Diese neue Analyse – die jüngste Ergänzung im Bereich unserer Anlagekompetenzen im Zusammenhang mit dem Klimawandel – konzentriert sich auf die oftmals übersehenen physischen Risiken für Unternehmen. Sie basiert auf der Prämisse, dass Unternehmen sich – theoretisch – gegen physische Schäden, die sie durch klimabedingte Umweltveränderungen wie etwa extreme Wetterereignisse erleiden, versichern können. Unser Rahmenwerk für physische Risiken – das wir auf 10.000 Unternehmen weltweit angewendet haben – ermittelt die Beträge, die Unternehmen aufwenden müssten, um ihre physischen Vermögenswerte gegen Gefahren abzusichern, die durch die Erderwärmung und wetterbedingte Beeinträchtigungen entstehen. Vergleicht man die implizierten Kosten mit dem Marktwert der Unternehmen, so kann man die Risiken für die Unternehmen systematisch messen, überwachen und steuern.

Welche Sektoren sind am stärksten betroffen?

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Sektoren Öl und Gas, Versorger sowie Grundstoffe den physischen Auswirkungen des Klimawandels am stärksten ausgesetzt sind. In diesen Sektoren belaufen sich die potenziellen Kosten für die Versicherung physischer Vermögenswerte auf mehr als 3 % ihrer Marktwerte.

Für die Sektoren Technologie, persönliche Gebrauchsgüter und Haushaltsartikel sowie das Gesundheitswesen sind die Risiken am geringsten.

Wie stark die Sektoren gefährdet sind, hängt von der Kapitalintensität der Unternehmen ab

Veränderung des Gesamtwerts der Unternehmen, unter Berücksichtigung klimabedingter physischer Risiken (in %)

Quelle: Schroders. Auf Grundlage der jüngsten verfügbaren Daten, Stand: März 2018.

Finanzunternehmen sind in dieser Übersicht nicht enthalten, da das direkte Risiko ihrer physischen Vermögenswerte bei Weitem geringer ist als das mit ihren Aktiva oder Passiva einhergehende Risiko.

Andrew Howard, verantwortlich für die Nachhaltigkeitsanalysen bei Schroders, erklärt:

Beeinträchtigungen durch die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels scheinen unumgänglich – dass die Risiken für physische Vermögenswerte und die Infrastruktur größer werden, dürfte eine Tatsache sein. Allerdings befassen sich die meisten Klimaanalysen hauptsächlich mit den Auswirkungen der Maßnahmen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs, also zum Beispiel mit Kohlenstoffpreisen oder Investitionen in saubere Energien. Physischen Risiken hingegen wurde bislang nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Dieses Übersehen zeugt von Nachlässigkeit; die Auswirkungen sind zwar geringer, jedoch werden sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eintreffen. Unser internes Rahmenwerk bewertet das Risiko von Unternehmen in Bezug auf physische Klimarisiken. Die zeitliche Verzögerung zwischen Treibhausgasemissionen und der Erderwärmung bedeutet, dass ein weiterer weltweiter Temperaturanstieg angesichts der bereits freigesetzten Treibhausgase unvermeidbar scheint. Es ist davon auszugehen, dass kapitalintensive Sektoren, die in anfälligeren Teilen der Welt operieren, die Auswirkungen am stärksten spüren werden, während Geschäftsmodelle ohne große Fabriken, physischen Betriebsstätten oder ähnlichem das geringste Risiko aufweisen.

Diese Analyse physischer Schäden wird in die Anlageentscheidungen der Analysten und Fondsmanager von Schroders mit einfließen. Außerdem können sie so das Risiko der von ihnen verwalteten Portfolios genau abschätzen.

Die Analyse reiht sich in eine Auswahl bereits bestehender Tools ein: Auch das Climate Progress Dashboard von Schroders sowie das Carbon Value at Risk-Modell wurden entwickelt, damit Anleger durch den Klimawandel bedingte Risiken besser bewerten können.

Weitere Informationen und Einblicke in unsere strategischen Kompetenzen im Bereich nachhaltiges Investieren finden Sie hier.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Andrew Howard und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

Den vollständigen Bericht finden Sie nachstehend als PDF-Datei. Bitte beachten Sie jedoch, dass er in englischer Sprache verfasst wurde und sich nur an professionelle Anleger und Finanzberater richtet.