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Perspektiven - Märkte

Zehn Dinge, die jeder Anleger über Offshore-Windenergie wissen sollte

Die Kosten der Offshore-Windenergie werden zunehmend wettbewerbsfähig – und das Wachstumspotenzial ist enorm. Was bedeutet das für Anleger?

25.11.2019

Isabella Hervey-Bathurst

Isabella Hervey-Bathurst

Globales Aktienteam

Solar- und Onshore-Windenergie stehen seit Langem im Zentrum der Aufmerksamkeit von Anlegern, die am Klimawandel interessiert sind. Offshore-Windenergie blieb aufgrund ihrer höheren Kosten bislang hinter diesen Sektoren zurück. Dies dürfte sich jetzt aber ändern. In den kommenden Jahren wird der Sektor aller Voraussicht nach erheblich wachsen, da die Kosten der Offshore-Windenergie gegenüber konventioneller Stromerzeugung wettbewerbsfähig werden. 

Seit wann gibt es Offshore-Windenergie?

Die erste Offshore-Windanlage wurde 1991 in Dänemark in Betrieb genommen und wies eine installierte Nennleistung von 5 Megawatt (MW) auf. Die elf Turbinen verfügten über einen Durchmesser von jeweils 35 Metern. Ein wichtiger erster Schritt auf der Lernkurve – letztlich handelte es sich aber um ein kleines und teures Projekt, das nur wenige Tausend Haushalte mit Energie versorgen konnte.

Warum jetzt?

Für Offshore-Windenergie sprechen schon immer einige überzeugende Argumente. Die Windenergiekapazität ist offshore in der Regel größer. Außerdem können Offshore-Turbinen größer und leistungsfähiger sein als auf dem Land, denn per Schiff lassen sich wesentlich größere Flügel transportieren als auf der Schiene oder Straße. Aufgrund ihres entlegenen Standorts sind Anwohnerproteste bei diesen Projekten seltener zu erwarten – oft sind sie von der Küste aus noch nicht einmal sichtbar. Außerdem korreliert die Energie von Offshore-Windanlagen in der Regel negativ mit Solarenergie, was dem typischen Problem der Leistungsschwankungen erneuerbarer Energiequellen entgegenwirkt. 

Aufgrund der hohen Kosten im Vergleich zu Photovoltaik, Onshore-Windenergie und fossilen Brennstoffen waren Offshore-Windanlagen bislang eine Nischentechnologie. Durch die Kostensenkungen der vergangenen Jahre steht die Offshore-Windenergie jetzt jedoch kurz davor, konventioneller Stromerzeugung Konkurrenz zu machen. Der steigende politische Druck hin zur Dekarbonisierung von Energie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Der Offshore-Windmarkt wird bis 2030 voraussichtlich mit einer jährlichen Rate von 17 % wachsen und bis dahin eine installierte Leistung von 154 Gigawatt (GW) erreichen. Dies zeigen Daten von Bloomberg New Energy Finance. Offizielles Ziel der Länder sind 170 GW bis 2030. Wenn man sich nach dem historischen Wachstumsverlauf der Solar- und Onshore-Windenergie richtet, sind die Schätzungen für das Wachstum von erneuerbaren Energien eher zu konservativ.

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Ist die Branche immer noch von Subventionen abhängig?

Der erste Auftrag für einen Offshore-Windpark ohne Subventionen wurde 2017 vergeben. Die Zahl nicht subventionierter Projekte steigt, zumal die Kapazitäten inzwischen wettbewerblich ausgeschrieben werden. Zwar kommt die Branche bislang noch nicht in allen Ländern ohne Subventionen aus, da die Offshore-Winderzeugung bislang noch nicht günstiger ist als konventionelle Stromerzeugung – die Kosten sinken aber ständig.

Wie haben sich die Kosten für Offshore-Windenergie in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Die Kosten von Offshore-Windkraft sind in den vergangenen zehn Jahren um rund 60 % gefallen. Der Grund: Skaleneffekte, Fortschritte bei der Turbinentechnologie und wettbewerbsgerechte Auktionen. Seit den ersten Offshore-Windrädern mit einem Durchmesser von 35 Metern hat sich viel getan. Die Turbinen der Hornsea-2-Anlage vor der Küste Yorkshires in Großbritannien (die 2022 in Betrieb genommen werden soll) werden einen Durchmesser von 167 Metern aufweisen.

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Inwieweit ist die Offshore-Energieerzeugung gestiegen?

Die globale installierte Leistung von Offshore-Windkraftanlagen ist von 2 GW im Jahr 2009 auf 27 GW in diesem Jahr gestiegen. Damit handelt es sich hier immer noch um eine Nischentechnologie: Die installierte Erzeugungskapazität weltweit lag 2017 bei rund 6.500 GW – der Anteil von Offshore-Windenergie machte nur 0,27 % aus. (Quelle: Bloomberg New Energy Finance). Für Länder, die sich zur Dekarbonisierung verpflichtet haben, werden Offshore-Windparks in Zukunft eine wesentlich größere Rolle spielen müssen. 

Welche Länder nehmen die Vorreiterrolle ein?

Europa – insbesondere Großbritannien und Deutschland – weist die größte installierte Leistung auf. Die bis 2030 gesetzte Frist deutet weiterhin auf ein breitangelegtes Wachstum in Europa hin. Auch neue globale Märkte werden einen deutlichen Beitrag leisten (Indien, Südkorea, Japan, Taiwan und die USA).

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Welche Unternehmen sind an der Wertschöpfungskette für Offshore-Windkraft beteiligt?

Es gibt eine Reihe börsennotierter Unternehmen, die an der Offshore-Wertschöpfungskette beteiligt sind. Siemens Gamesa ist der führende Hersteller von Offshore-Windkraftanlagen. Sein Konkurrent Vestas (gegenwärtig der führende Hersteller von Onshore-Windkraftanlagen) erweitert aktuell sein Offshore-Angebot. Ørsted ist der führende Entwickler von Offshore-Windparks: Neben seiner starken Präsenz in Europa expandiert er inzwischen auch in die USA und Taiwan.

Weitere Versorger, wie RWE und Iberdrola, verfügen über relativ bescheidene Offshore-Windkapazitäten und einen Auftragsüberhang für den Bau weiterer Anlagen. Einige konventionelle Energieunternehmen planen ebenfalls Investitionen in Offshore-Windenergie: Equinor zielt bis 2035 auf eine Offshore-Windkapazität von 9 GW ab, und Shell hat mit EDP Renewables ein Joint Venture gegründet, um sich an Offshore-Windprojekten zu beteiligen.

Entlang der Wertschöpfungskette stellen die Kabelunternehmen Prysmian, Nexans und NKT die Unterseekabel her, die Windkraftanlagen mit dem Festland verbinden. Offshore-Windenergie ist auch ein interessanter Markt für Unternehmen wie Hexcel, das Verbundwerkstoffe für Onshore-Rotorblätter produziert, und TPI Composites, ein führender ausgelagerter Hersteller von Rotorblättern. 

Haben Anleger in erneuerbaren Energien in den 2000er Jahren nicht Verluste gemacht, weil die Subventionen gestrichen wurden?

In der Vergangenheit sahen sich Anleger im Bereich der erneuerbaren Energien einer beträchtlichen Schwankungsbreite bei den Aktienkursen ausgesetzt. Subventionen wurden eingesetzt, um die Entwicklung erneuerbarer Technologien voranzutreiben und den Ausbau dieser Industrien gezielt zu fördern. Der (unerwartete) Entzug der Subventionen hat zu erheblichen Schwankungen bei der Nachfrage nach erneuerbaren Energien geführt, was Überkapazitäten und deutlich sinkende Preise zur Folge hatte. Als die großzügigen Solarsubventionen der südeuropäischen Länder mitten in der Eurokrise abgeschafft wurden, brach die Nachfrage massiv ein.

Zuletzt führte auch die reduzierte Solarförderung in China 2018 zu Einbußen in der Branche, die sich inzwischen aber wieder erholt. Wie der jüngste Fall in China zeigt, schadet der Entzug von Subventionen der Branche nicht notwendigerweise auf lange Sicht (auch wenn die Aktien vorübergehend sehr zu leiden hatten). Tatsächlich erhielt die Solarbranche in China letztlich den Impuls, die Kosten zu senken und die Kostenwettbewerbsfähigkeit zu erreichen. 

...aber diesmal wird es anders sein?

Wir glauben, dass es diesmal anders sein wird, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist die Nachfrage nach erneuerbaren Energien heute deutlich breiter angelegt. Das bedeutet, dass die Nachfrage gegenüber politischen Änderungen in einem einzelnen Land wesentlich robuster ist. Noch wichtiger ist, dass erneuerbare Energien bei den Kosten in vielen Ländern mit anderen Arten der Energieerzeugung konkurrieren und daher auch ohne Subventionen wirtschaftlich sinnvoll sein können. Obwohl die Subventionen vereinzelt weiterlaufen (wobei in der Regel ein schrittweiser Abbau geplant ist), glauben wir, dass die großen Nachfrageschwankungen, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, nun endgültig hinter uns liegen.

Anleger in die Trends des Klimawandels müssen viele Entwicklungen im Auge behalten. Wie wichtig ist dieser Aspekt?

Als Anleger im Klimawandel interessieren uns vor allem Sektoren, die sich einem Wendepunkt nähern (was bei Offshore-Windenergie derzeit der Fall zu sein scheint). Diese historischen Einschnitte führen oft zu einem Wachstum, das an den linear orientierten Finanzmärkten nicht eingepreist ist. Wir glauben, dass das Wachstumspotenzial für Offshore-Windenergie enorm sein könnte, und haben Anlagechancen identifiziert, um von diesem Wachstum zu profitieren.

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Isabella Hervey-Bathurst vom globalen Atkienteam und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.