Perspektiven - Märkte

Die Bedeutung von ESG beim Value Investing

Nicht nur das «E» in ESG spielt eine Rolle – für Value-Investoren sind auch das «S» und das «G» von größter Bedeutung.

30.07.2019

Kevin Murphy

Kevin Murphy

Fund Manager, Equity Value

Als Value-Investoren1 berücksichtigen wir seit Langem bei unseren Aktienanlagen Aspekte wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, ESG). Denn schließlich liegt es an uns, Risiken und Chancen gegeneinander abzuwägen. Dies können wir nur dann auf kompetente Weise tun, wenn wir sämtliche potenziellen Risiken einer Anlage in Erwägung ziehen, an der wir interessiert sind. ESG hat sich eindeutig zu einem gewichtigen Thema im Finanzbereich entwickelt, das jedoch unterschiedlich aufgefasst werden kann.

So konzentrieren sich viele vor allem auf das «E», also die umweltspezifische Seite («Environment») von ESG. Dabei liegt das Hauptaugenmerk häufig auf Unternehmen wie Windparks oder Start-ups, die neue Batterietechnologien bieten.

Das Problem eines solchen Schwerpunkts ist, dass er allzu oft dazu führt, dass Anleger in kleine Unternehmen mit Spezialisierung auf neue Technologien und sehr kleiner Marktkapitalisierung (Microcaps) investieren. Daraus können sich beträchtliche und unerwünschte Schwerpunkte für Portfolios ergeben. Stattdessen lohnt es sich nach unserem Dafürhalten, über ESG als Gesamtheit nachzudenken. Das «E» für die Umwelt ist wichtig. Ebenso bedeutend sind aber das «S» für soziale Aspekte und das für die Unternehmensführung stehende «G».

Bei der sozialen Dimension denken wir an die Stakeholder bzw. Interessengruppen. Dabei handelt es sich um die Zulieferer, Kunden, alle Mitarbeiter und die Aufsichtsbehörden, mit denen ein Unternehmen zu tun hat. Hier geht es um sämtliche Beziehungen eines Unternehmens entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Diese Beziehungen sind unabdingbar, wenn es etwa um die Nachhaltigkeit der Ertragsmargen eines Unternehmens geht. Zahlt ein Unternehmen beispielsweise zu wenig Steuern oder zu geringe Löhne oder setzt es seine Zulieferer unter Druck, dann legt der fundamentale ökonomische Sachverhalt nahe, dass die damit einhergehenden Risiken zunehmen. Für uns ist also das ESG-Thema Stakeholder/Soziales außerordentlich wichtig und ein umfassendes zu berücksichtigendes Risiko, wenn wir eine Anlage in einem Unternehmen anvisieren.

Der Aspekt Unternehmensführung bzw. Governance ist ebenso wichtig, denn darin kommt zum Ausdruck, wie ein Unternehmen geleitet wird. Wir würden diesbezüglich folgende Fragen stellen: Ist der Vorstand kompetent? Gibt es geeignete Kontrollmechanismen? Gibt es eine angemessene Vergütungsstruktur? Schließlich gilt es noch zu berücksichtigen, ob das Management dazu in der Lage ist, das Unternehmen im Interesse der Aktionäre zu leiten.

Als aktive Anleger sind diese Fragen zur Governance offensichtlich von außerordentlicher Wichtigkeit für unsere Anlagethese. Wenn wir nicht der Ansicht sind, dass ein Unternehmen im Interesse langfristiger Investoren handelt, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun und mit der Unternehmensleitung aktiv zusammenarbeiten, um so unsere Anlage zu schützen und ihren Wert zu steigern.

Die Berücksichtigung von ESG ist von fundamentaler Bedeutung bei all unseren Anlageentscheidungen und ein Thema, das mit wertorientierten Anlagen gut zusammenpasst. Ethische Kapitalanlagen verfolgen häufig den Zweck, langfristige Veränderungen herbeizuführen. Dies entspricht unserem Ansatz, denn Anleger benötigen eine langfristige Perspektive, um die bestmöglichen Renditen aus einem wertorientierten Investmentstil zu erzielen.

Letztlich geht es bei wertorientierten Anlagen darum, günstig bewertete Aktien zu kaufen, bei denen unseres Erachtens die potenziellen Erträge größer sind als die Risiken. Bei der Analyse der Risiken in diesem Zusammenhang berücksichtigen wir sämtliche Aspekte, die uns helfen, wohlüberlegte Schlussfolgerungen zu ziehen. ESG spielt dabei eine unverzichtbare Rolle.

 

1 Der Value-Ansatz (engl. Value = Wert) bezeichnet die Anlage in „werthaltige“ Unternehmen, die bislang unterbewertet sind. Solche Unternehmen weisen meist eine gute Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung auf.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Kevin Murphy, Fondsmanager, Equity Value, und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.