2 Min | Perspektiven

Johanna Kyrklund: Warum mich Bitcoin an die Vorteile des Büros erinnert


In England war am 19.07. „Freedom Day“: Alle virusbedingten Beschränkungen wurden aufgehoben.

Das ist eine große Veränderung für die Millionen von Menschen, die seit über einem Jahr von Zuhause arbeiten: Die britische Regierung empfiehlt die allmähliche Rückkehr ins Büro.

Homeoffice oder Büro – ein Balanceakt

Bei Schroders wird das Homeoffice auch künftig ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsalltags bleiben. Wir haben uns zu einer flexiblen Arbeitsweise verpflichtet. Wir sind davon überzeugt, dass eine Kombination aus Homeoffice und Büro zu den besten Anlageentscheidungen im Namen unserer Kundinnen und Kunden führt und eine dynamische Investmentgemeinde gewährleistet.

Rückblickend erscheint es merkwürdig, dass einige unserer Investmentmeetings vor der Pandemie dadurch eingeschränkt waren, wie viele Personen wir in einem Konferenzraum unterbringen konnten.

Durch die Lockdowns haben wir jedoch festgestellt, dass einige Meetings am besten virtuell funktionieren, insbesondere wenn wir Informationen über verschiedene Investitionsabteilungen hinweg austauschen. Mittlerweile wählen sich routinemäßig über 100 Anlegerinnen und Anleger zu einigen der Investmentmeetings ein.

Das soll nicht heißen, dass das Homeoffice immer am besten ist. Ganz im Gegenteil. Erst in den vergangenen Tagen ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig der persönliche Kontakt mit dem Gegenüber ist.

Häufig höre ich, wie wichtig es ist, dass erfahrene Investorinnen und Investoren ins Büro kommen, um ihr Wissen mit jüngeren Teammitgliedern zu teilen. Meines Erachtens gilt das vor allem für Unternehmen wie Schroders, die auf die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeitenden großen Wert legen. 

Dieser Erfahrungsaustausch ist gegenseitig. Häufig wird jedoch vergessen, dass auch die jüngeren Teammitglieder den erfahrenen Mitgliedern etwas beibringen. Der Austausch mit jüngeren Teammitgliedern ist ein echter Vorteil für erfahrene Investorinnen und Investoren. Ich habe zweifelsohne die Herausforderungen und Ideen vermisst, die sich aus einem spontanen Gespräch mit den unterschiedlichsten Kolleginnen und Kollegen im Büro ergeben.

Junge Leute und ihre Kryptowährungen

Bitcoin ist ein gutes Beispiel, weil ich, wie viele meiner Generation, Kryptowährungen skeptisch gegenüberstehe.

Ich betrachte sie nicht als Alternative zu Gold. Ihre Geschichte ist zu kurz, die Korrelationen sind instabil und die Preise schwanken zu stark. Außerdem habe ich meine Bedenken in Bezug auf Geldwäsche und Umweltauswirkungen.  

Die Millennials im Büro gehen die Sache ganz anders an. Im Rahmen eines großen Researchprojekts haben sie ein Rahmenwerk erstellt, um Kryptowährungen zu bewerten und zu beurteilen. Das Projekt ist definitiv sinnvoll. Selbst wenn wir heute nicht investieren, ist das aktuell durchgeführte Research eine Anlage in unsere Kompetenzen von morgen.

Es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem Bitcoin und andere Kryptowährungen als Anlageklasse marktreif und für institutionelle Investitionen bereit sind. Es ist immer besser, auf eine Anlagechance vorbereitet zu sein, die niemals eintreten wird, als für eine Chance nicht bereit zu sein, die dann tatsächlich eintritt.

Die jüngeren Teammitglieder erklären mir zudem, dass es schwierig ist, die Funktionsweise und den Vorteil vollständig zu verstehen, wenn ich nicht selbst Bitcoin gekauft habe.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass alle meine jüngeren Teammitglieder eingefleischte Bitcoin-Fans sind. Ganz im Gegenteil. Einige teilen meine Skepsis hinsichtlich gewisser Aspekte. Sie halten Kryptowährungen für professionelle Investierende mit Treuepflicht gegenüber unseren Kundinnen und Kunden für unangebracht.

Option auf die Zukunft

Ihre Begeisterung für Bitcoin oder Ethereum haben einen anderen Grund: Es ist für sie eine Option auf die Zukunft.

Sie haben eine andere Sichtweise, was den Kauf der Bitcoin angeht. Die meisten Innovationen, die die Welt am stärksten verändert haben, wurden anfangs abgelehnt. Dabei sollte man bedenken, wie das Internet, die Glühbirne, das Flugzeug zunächst als unwichtig abgetan wurden. 

Unsere Millennials empfehlen keineswegs, einen erheblichen Teil der Ersparnisse in Bitcoin anzulegen. Ihrer Ansicht nach überwiegen aber die Vorteile der Anlage eines kleinen Betrags die Gefahr, den investierten Betrag zu verlieren. Was durchaus eine Möglichkeit ist, wie sie zugeben.

Für sie ist nicht nur der Preis des Bitcoins wichtig. Es geht vielmehr darum, sich an einer disruptiven Technologie wie Blockchain zu beteiligen, die die Welt verändern könnte.

Bitcoin ist, so denken sie, aktuell wie eine Art „Reservewährung“, auf der die gesamte digitale Finanzplattform künftig aufbauen könnte. Bitcoin könnte sich wie Nokia entwickeln. Dass Nokia fast in Vergessenheit geraten ist, ändert nichts an der Tatsache, dass Handys unser Leben grundlegend verändert haben.

Neue Vorstellungen, neue Ideen

Meine sporadischen Bürobesuche lehrten mich in den vergangenen Monaten, dass es aufschlussreich ist, meine Gedankenwelt zu verlassen und neue Denkanstöße durch andere zu erhalten. Es geht nicht darum, dass ich mit ihnen übereinstimme. Es geht vielmehr darum, dass ich mit anderen Sichtweisen konfrontiert werde.

Und nun die Gretchenfrage: Was halte ich momentan von Bitcoin und Kryptowährungen?

Ich bin der Ansicht, dass digitale Währungen als Tauschmittel an Bedeutung gewinnen werden. Trotzdem ist es zu früh, um Bitcoin als sicheren Hafen zu betrachten, wenn man u. a. die mangelnde Marktreife und das Regulierungsrisiko berücksichtigt. Ich sehe Bitcoin auch nicht als Währung, sondern als spekulative Anlage.

Die Blockchain-Technologie ist dagegen bedeutend und ein wichtiger Trend im digitalen Banking.

Ich halte Bitcoin zwar nicht für eine sinnvolle Investition, ich glaube jedoch, dass diese Technologien insgesamt maßgebliche Auswirkungen auf unsere Zukunft haben könnten.

Vielleicht sollte ich einfach Bitcoin kaufen, damit die Millennials Ruhe geben.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von den Autor*innen und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.