Was haben wir im Lockdown gemacht? Das Tagebuch eines Private-Equity-Managers


Mehr Fitnessübungen und öfter mal mit den Kindern frühstücken – nicht alles war schlecht am Lockdown. Die Zeit, die ich dadurch gewonnen habe, weil ich nicht mehr pendeln musste, habe ich sicherlich gut genutzt.

Die Pandemie brachte große Einschnitte mit sich. Das trifft auch für diejenigen zu, die das Glück hatten, weiterarbeiten zu können. Dabei wurden viele Prioritäten neu gesetzt, die viele bestimmt nicht mehr ändern wollen.

Nicht viel anders stellte es sich für professionelle Investierende dar, die sich am Eigenkapital von Unternehmen beteiligen. Wir wurden zudem vor viele Herausforderungen gestellt, aber es boten sich auch zahlreiche Chancen, die es zu nutzen galt. Im Bereich Private Equity fanden sich diese in zwei Lagern.

Zum einen unter an sich soliden Unternehmen, die einen heftigen, wenn auch nur vorübergehenden, Nachfrageschock erlitten. Einige dieser Firmen könnten stärker aus der Krise hervorgehen, wie durch eine Übernahme. Wer als Anlegerin oder Anleger Geduld mitbringt, kann also fehlbewertete Wachstumschancen finden.

Zum anderen ergaben sich Chancen unter Unternehmen, die davon profitieren, dass gewisse Trends durch die Pandemie zusätzlich an Dynamik gewonnen haben oder jetzt in der Realität fest verankert sind. So hat der Online-Handel beispielsweise nicht einfach nur zugenommen, für viele Firmen war er ein Ausweg, um sich aus der schwierigen Lage zu befreien. Und einige Gesellschaften dürften von der schnellen und dauerhaften Veränderung des Verbraucherverhaltens profitieren und künftig stark wachsen.

Wie sind wir vorgegangen?

Wir haben überlegt, welche Auswirkungen der Pandemie dauerhaft und welche nur vorübergehend sind und wie sich daraus Chancen ableiten.

Fehlbewertete Wachstumschancen

Anbieter von Bildungsleistungen zum Beispiel wurden von der Pandemie hart getroffen. So mussten die Schulen schließen und Universitäten ihren Unterricht aussetzten. Im Zuge dessen führten die Bildungseinrichtungen den Fernunterricht ein. Dieser wird aber nicht unser Alltag werden, sondern das Präsenzlernen nur ergänzen. Die praktische Ausbildung und die Zusammenarbeit lassen sich vor allem in den Naturwissenschaften und der Medizin nicht einfach ersetzen. Vor diesem Hintergrund haben wir in den führenden britischen Schulungs- und Ausbildungsspezialisten Learning Curve investiert. Das Unternehmen ist seit seiner Gründung im Jahr 2004 schnell gewachsen und bietet mit seinem flexiblen Geschäftsmodell sowohl Online- als auch Präsenzkurse.

Ähnlich wie das Bildungsangebot wird sich auch unser Arbeitsleben flexibler gestalten und das Home-Office dürfte immer mehr zur Regel werden. Als die Panik in der Pandemie ihren Höhepunkt erreichte, sahen viele sogar das Ende der Arbeit im Büro. So weit gehen wir natürlich nicht. Schließlich braucht ein jeder von uns auch Klatsch und Tratsch.

Früher oder später werden alle wieder ins Büro zurückkehren. Und dann werden wir dort auch wieder die Wasserspender nutzen. Zumal sie auch viel umweltfreundlicher sind als Wegwerfflaschen aus Plastik. Die Zweifel, ob Büros ihre Belegung wieder erreichen werden, sind durchaus berechtigt. Doch eines ist sicher: Trinkwasser wird gebraucht.

Angesichts dieser Überlegungen haben wir in Waterlogic investiert, einem weltweit führenden Anbieter von Wasserspendern mit Sitz in Großbritannien. Da wir unsere Mittel mit einem langen Anlagehorizont bereitgestellt haben, hat Waterlogic die Möglichkeit, seine ehrgeizigen Ziele durch organisches Wachstum und Übernahmen weiter zu verfolgen.

Hohes Wachstum durch nachhaltige Veränderung

Ein Trend, der nach der Pandemie nicht abreißen wird, sind bargeldlose Zahlungen. Der Online-Handel boomt und sein Wachstum wird sich fortsetzen. Davon profitieren nicht zuletzt Anbieter von Zahlungslösungen, weshalb wir während der Pandemie in Rapyd investierten.

Rapyd bietet weltweit die schnelle Abwicklung von Zahlungen und ermöglicht Unternehmen rund um den Globus einen zügigen Marktzugang. Mit den von uns gewährten Finanzierungsmitteln wird der Anbieter die Größe seiner Technik- und Produktteams verdoppeln. Gleichzeitig können Neukunden den Dienst schneller denn je implementieren.

2020 zeigte eines deutlich und auch unsere genannten Investments stehen beispielhaft dafür: Wir sind auf eine schnelle und stabile digitale Infrastruktur angewiesen. Dabei ist die Vorhersagbarkeit der Netzleistung ganz entscheidend, und bei der Erkennung von Fehlermustern, um Ausfälle durch die Automatisierung von Reparaturen zu verhindern, spielt künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle.

Wir investierten deshalb in das in Bristol ansässige Unternehmen Graphcore. Es stellt eine neue Art von Mikroprozessor her, die Intelligence Processing Unit (IPU), die speziell für die Unterstützung von Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz entwickelt wurde. Die Produkte von Graphcore können vielseitig eingesetzt werden, und die Technologien des Unternehmens werden einschneidende Veränderungen in allen Branchen hervorbringen. Ob in der medizinischen Forschung, in der Robotik oder beim Bau autonomer Autos – in der nächsten Entwicklungsphase wird künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielen.

Keine einseitige Ausrichtung

Die genannten Investments sind nur eine Handvoll Beispiele. Unser Ansatz richtet sich sowohl auf Unternehmen, die durch die Pandemie getroffen wurden, als auch auf solche, deren Wachstum durch Covid-19 deutlich an Fahrt gewann. Für den Zugang zu diesen spannenden Wachstumsmöglichkeiten bedarf es eines umfangreichen Private-Equity-Netzwerks. Allerdings muss man auch erkennen, wie wichtig das Wachstumskapital für Firmen sein kann. Gleich ob ein Unternehmen eine schwierige Zeit überstehen muss oder noch im Aufbau begriffen ist – privates Beteiligungskapital bietet oft die zentrale Unterstützung.


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