6 Min | Perspektiven

Private Assets 2020: Wie geht's weiter?


Die jüngste weltweite Befragung von institutionellen Anlegern durch Schroders zeigt, dass Private Assets etwa 10–15 % der institutionellen Portfolios ausmachen. Doch gehen die meisten Umfrageteilnehmer davon aus, dass sich dieser Anteil in den nächsten drei Jahren erhöhen wird.

Das leuchtet uns ein. Denn in einer Zeit, in der sich die Anleger zunehmend um die gesamtwirtschaftliche und geopolitische Situation sorgen, können Private Assets eine sinnvolle Diversifizierung und überzeugende Erträge bieten.

Allein die Zunahme des Interesses bringt Herausforderungen mit sich. Die zunehmende Nachfrage hat in einigen Bereichen aufgrund hoher Bewertungen zu Bedenken Anlass gegeben. Unseres Erachtens sollte der Fokus 2020 zunehmend auf Aspekte wie Diversifizierung, fachliche Kompetenz und die Fähigkeit, bisher noch zu wenig bediente Marktbereiche zu erschließen, gerichtet sein.

Wie immer sollte man daran denken, Geduld zu üben und den Blick aufs Detail zu werfen. Die aufmerksamsten und fleißigsten Anleger werden in den kommenden Jahren entsprechend belohnt werden. Private Assets haben bei Schroders eine lange Tradition. Und mit der Fähigkeit, durch agiles Handeln Wertpotenzial zu nutzen, bieten wir Anlegern, die in diesen Bereich expandieren wollen, eine einzigartige Plattform.

Private Equity – Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer, Schroder Adveq:

Wir sind der Auffassung, dass die Bedeutung von Private Equity als Wertbringer – für die Realwirtschaft und für Anleger gleichermaßen – ein Indiz dafür ist, dass dieser Anlagebereich auf einem langfristigen Wachstumstrend verharren wird. Dennoch hat das kurzfristige Interesse an Private Equity in den vergangenen Quartalen immer mehr zugenommen. Trotz unseres langfristigen Optimismus hat diese Beschleunigung der Kapitalflüsse zu einem überhitzten Umfeld und einigen Herausforderungen für Anleger geführt.

Zum Beispiel liegt die Kapitalbeschaffung für umfangreiche Übernahmen heutzutage deutlich über dem langfristigen Trend, wenngleich in einem geringeren Ausmaß als in den schwierigen Vintage-Jahren 2006–2008. Darüber hinaus sind Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang Bewertungen von über 1 Mrd. US-Dollar erreicht haben – sogenannte „Einhörner“ –, in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Bewertungen vieler dieser Unternehmen auf dem privaten Markt wurden derart in die Höhe getrieben, dass am Ende, als der Gang an die öffentlichen Märkte erfolgen sollte, die Enttäuschung groß war. Uber, Lyft, Slack und Pinterest etwa, die einst die Lieblinge der Privatmärkte waren, sanken bald unter ihre Börseneinstandskurse. 

Für kleine/mittlere Unternehmenskäufe in den USA und Europa, Start-up-Investitionen weltweit und Investitionen in asiatische Unternehmen in einer frühen Wachstumsphase waren die Trends bei der Kapitalbeschaffung zuletzt stabil oder gar rückläufig. Dies ist ein positiver Indikator für die Renditeerwartungen an ein Vintage-Jahr. Eine Folge dieser divergierenden Trends bei der Kapitalbeschaffung ist, dass die Akquisitionsbewertungen für große Buyouts auf historisch hohe Niveaus gestiegen sind. Bei kleinen Buyouts hingegen bewegen sich die Bewertungen weiterhin in einem angemesseneren Rahmen.

Private Schuldtitel/direkte Kreditvergabe – Ji-Eun Kim, Leiter Private Asset Manager Solutions:

Private Schuldtitel gehören zu den am schnellsten wachsenden Private-Asset-Klassen. Wenngleich Staatsfonds und große Pensionsfonds sich zuerst für diese Anlageklasse entschieden haben, zog auch die übrige institutionelle Anlegerwelt zusehends nach.

Die Selbstliquidierung privater Schuldtitel und ihre erhöhte Barrendite sind in einem Niedrigzinsumfeld besonders attraktiv. Zudem haben der Rückzug von Banken aus dem Darlehensgeschäft nach der Finanzkrise sowie ausgereiftere Beziehungen zwischen Unternehmen und direkten Kreditgebern das Chancenspektrum erweitert. Doch hat das Wachstum neue Kreditgeber auf den Plan gerufen und damit die Konkurrenz erhöht und zum vermehrten Aufbau von Barreserven geführt. Ungünstigere Bewertungen und Kreditbedingungen haben die Anleger vorsichtiger werden lassen.

Obschon die Vergabe von vorrangigen Darlehen 2019 weltweit nachgelassen hat, blieb der Markt kreditnehmerfreundlich und dürfte infolge der Konkurrenz unter den Kreditgebern auch 2020 kreditnehmerfreundlich sein. Der Druck, Kapital zu investieren, wächst, während sich das Wirtschaftswachstum offenbar verlangsamt. Vor diesem Hintergrund müssen Anleger nach unserem Dafürhalten vorrangig auf die Qualität der Manager sowie auf ein über Regionen und Branchen hinweg diversifiziertes Engagement in privaten Schuldtiteln achten. Anleger sollten auch nach Kreditgebern mit differenzierten Originationsansätzen – Art und Quelle der Darlehen – suchen und deren Kreditkompetenz und Zeichnungspolitik überprüfen, um die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios bei einem Abschwung zu beurteilen.  

Da es sich hier um eine relativ junge Anlageklasse handelt, existierten viele Manager privater Schuldtitel vor der Finanzkrise gar nicht. Kreditgeber, die über einen guten Leistungsausweis im Umgang mit Stressphasen an den Märkten sowie die Unternehmensinfrastruktur und die Größe verfügen, um Ressourcen für gefährdete Anlagen umzuleiten, sind eher in der Lage, die nächste Abschwungsphase zu meistern.

Gewerbeimmobilien – Duncan Owen, Global Head of Real Estate:

Ein auffallendes Merkmal der europäischen Gewerbeimmobilien besteht derzeit darin, dass sich die Werte in verschiedenen Sektoren nicht nur mit unterschiedlichem Tempo, sondern in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Anleger dürfen nicht nur einen, sondern müssen mehrere Immobilienmärkte im Blick behalten. Die größte Divergenz besteht zwischen Einzelhandels- und Lagerimmobilien (Industrie). So wird sich die Fragmentierung des Marktes – 2019 ein Kernthema – auch 2020 fortsetzen.

In Europa erachten wir Büroflächen in Wirtschaftsmetropolen mit vielfältigen Wirtschaftszweigen wie etwa Amsterdam, Berlin, Kopenhagen, Paris, München, Manchester, London und Stockholm nach wie vor als attraktiv. Die Leerstandsquoten in vielen dieser Städte befinden sich auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren, und die Zunahme der Bauvorhaben dürfte der Erhöhung des Mietpreisniveaus keinen Einhalt gebieten. London ist aufgrund des Brexit mit Unsicherheit behaftet. Doch unsere Strategie besteht darin, den Schwerpunkt auf Bezirke zu legen, wo die Ansiedlung von Unternehmen der Sektoren Technologie, Medien und Biowissenschaften bevorzugt wird – so etwa Bloomsbury und Shoreditch.

Der Einzelhandelssektor tut sich schwer. Die echte Chance besteht darin, überflüssig gewordene Einzelhandelsflächen anderweitig zu nutzen und zum Beispiel zu Hotels, Büros und Wohnungen umzubauen. An Standorten, wo miteinander konkurrierende Verwendungszwecke nachgefragt werden, sollte diese Neunutzung möglich sein. Es besteht gutes Potenzial, alte Ladengeschäfte in Stadtzentren und Einkaufszentren in wohlhabenden Gegenden Südenglands zu sanieren. Jedoch wird es wesentlich schwieriger sein, zweitklassigen Einkaufszentren in Städten mit einer schwachen Wirtschaftsstruktur neues Leben einzuhauchen.

In den USA wird nach unserer Einschätzung der Wechsel von Großstädten zu kleineren Städten ein wichtiges Marktthema sein. Die Immobilienmärkte abseits der sechs Metropolen Boston, New York, Washington DC, Chicago, San Francisco und Los Angeles dürften eine wichtige Quelle stabil wachsender Erträge sein und Anlegern, die eine Überbewertung befürchten, Schutz bieten. Die Unterschiede in der Wertentwicklung werden zum großen Teil von Migrations- und demografischen Trends sowie der Unternehmensentwicklung in Verbindung mit bestehenden positiven Fundamentaldaten der Gewerbeimmobilien bestimmt.

Infrastruktur – Charles Dupont Leiter Infrastructure Finance:

Vor dem Hintergrund des schwachen Wirtschaftswachstums – und der hohen Bewertungen an den öffentlichen Märkten – engagieren sich die Anleger zunehmend in Anlagen, die von langfristigen strukturellen Trends unterstützt werden. Da passt Infrastruktur gut dazu, die eine wesentliche Komponente der in Europa stattfindenden wirtschaftlichen und sozialen Revolution ist.

Lange Zeit beschränkten sich Infrastrukturinvestitionen in den Augen der Anleger auf Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten in den Industrieländern. Der Markt galt als gesättigt, und die Nachfrage nach Finanzierung schien rückläufig zu sein. Doch in den vergangenen Jahren begann diese anscheinend verstaubte Anlageklasse – weitab von der glanzvollen Welt der Technologie-Startups – allmählich auf sich aufmerksam zu machen.

Die Energiewende, die Beschreitung neuer Wege für die urbane Mobilität und die digitale Revolution werden allesamt von Investitionen in Bauvorhaben getragen, die von großen Unternehmensbeteiligungsgesellschaften finanziert werden. Intelligente Energienetzwerke können die Produktion von Ökostrom ermöglichen oder die Spitzenlastzeiten eliminieren. Neue Autoparkplätze können Stadtzentren für Fußgänger attraktiver machen (welche auch ein Auto auf Abruf im Rahmen des Carsharing mieten können). Glasfaserkabel und klimapositive Rechenzentren können neuen Generationen vollständig digitale Netzwerke ermöglichen.

Das Bild der Infrastruktur wird modernisiert, zum Teil weil ihre Manager ein bisschen jünger werden. Doch abgesehen von der Bedeutung der Anlageklasse für die Modernisierung und Verbindung von Gesellschaften sind wir davon überzeugt, dass Infrastruktur immer mehr als sozial verantwortliche Investition verstanden wird. Seit Jahrhunderten stehen Infrastrukturanlagen im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Fortschritts.

Versicherungsbezogene Anlagen – Beat Holliger, Leiter Product Management, ILS:

Die aktuelle Unsicherheit an den öffentlichen Märkten spricht für die Aufnahme von unkorrelierten Ertragstreibern – wie etwa versicherungsbezogenen Anlagen (Insurance Linked Securities, ILS) – in das Portfolio. Aus unserer Sicht sind ILS für die Anleger nach wie vor ein angemessen entlohnter Risikodiversifikator. ILS sind schon immer ein zusätzlicher Stabilisator in Anlagestrategien gewesen, die den Wertschwankungen der klassischen Anlageklassen ausgesetzt sind.

Der liquide Bereich am ILS-Markt – Katastrophenanleihen – hat weiterhin eine solide Transaktionspipeline. Im privaten Bereich des ILS-Markts waren einige ILS-Manager gezwungen, nach schwierigen Jahren im Hinblick auf die Performance und die Sicherheiten für abgeschlossene Verträge mit Zukunftsrisiken (Trapped Collateral) ihre Kapazitäten zurückzufahren. Attraktive Transaktionen lassen sich hier immer noch finden, wenngleich die Identifizierung von Anlagechancen mit günstigen Bedingungen von einem verlässlichen Emittentennetzwerk abhängig ist.

Die vergangenen Jahre waren für ILS nicht ohne Schwierigkeiten. Nach einem Jahrzehnt mit nur wenigen Hurrikanen in den USA waren die Renditen rückläufig. Doch nach den verheerenden Naturkatastrophen 2017 und 2018 gehen wir davon aus, dass die Renditen mit bevorstehenden Policenerneuerungen deutlich steigen werden. Dies verschafft Anlegern einen Ausgleich für die überdurchschnittlichen Verluste aus Naturkatastrophen, und Manager mit einem langfristigen Fokus sind ideal platziert, um von der frei gewordenen Kapazität nach dem Rückzug anderer Teilnehmer zu profitieren.

 


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.