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Auf dünnem Eis: Wie sich Unternehmen auf die Erwärmung von Permafrostböden vorbereiten sollten


Das schnelle Auftauen der arktischen Permafrostböden ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Klimaerwärmung auf natürliche Ökosysteme und damit auf Unternehmen auswirkt.

Permafrost bezeichnet die Erdoberfläche, deren Temperatur zwei oder mehrere Jahre unter dem Gefrierpunkt liegt. Er existiert in dieser Region seit Jahrtausenden.

Seit 1970 sind die Temperaturen in Russland jedoch um den zweieinhalbfachen Weltdurchschnitt angestiegen, so das Federal Service for Hydrometeorology and Environmental Monitoring.

Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird ein weiterer Temperaturanstieg um 1,9–3,4 °С prognostiziert. Einem von Russian Meteorology and Hydrology veröffentlichten Papier zufolge könnte die Erwärmung in den kritischen Wintermonaten noch dramatischer sein.

Welche Gefahren ergeben sich durch das Auftauen der Permafrostböden?

Rund ein Viertel der nördlichen Hemisphäre sind Permafrostzonen und eine Temperaturerhöhung führt gleich zu mehreren Umweltproblemen. An erster Stelle steht die Freisetzung von CO2 und Methan, die zum Klimawandel und folglich zur Klimaerwärmung beitragen.

Schätzungen zufolge speichern die Permafrostareale zweimal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Das entspricht bis zu 1.600 Mrd. Tonnen.

Tauende Permafrostböden stellen ein erhebliches physisches Klimarisiko für Unternehmen dar, die in Permafrostgebieten tätig sind. Wenn sich beispielsweise die Böden verschieben, ist die Infrastruktur bedroht und Überschwemmungen werden wahrscheinlicher.

Im vergangenen Jahr ereignete sich eine Dieselölkatastrophe bei Norilsk in der Region Krasnojarsk, oberhalb des nördlichen Polarkreises. Aufgrund solcher Katastrophen nehmen die Bedenken über die Auswirkungen der Klimaerwärmung, vor allem das Auftauen des Permafrostbodens, auf die Infrastruktur zu.

Die anschließende Untersuchung der Dieselölkatastrophe gab die Klimaerwärmung nicht als Grund an. Nach unserer Einschätzung ist sie künftig dennoch ein bedeutendes Infrastrukturrisiko für russische Unternehmen.

Wir sind der Auffassung, dass die Klimaerwärmung bei den Risikoüberlegungen und den Entscheidungen der Kapitalallokation insbesondere bei großen russischen Energie- und Rohstoffunternehmen an vorderste Stelle stehen sollte.

Wie lässt sich das Risiko des Klimawandels quantifizieren?

Schroders hat es sich zur Aufgabe gemacht, Investitionsrisiken aus dem physischen Klimawandel anhand von Modellen zu untersuchen.

Unsere für Dateneinblicke, nachhaltige Anlagen und Schwellenländeraktien zuständigen Teams wollen gemeinsam künftige Risiken im Zusammenhang mit Permafrostgebieten in Sibirien identifizieren.

Hierzu werden die Oberflächentemperaturen der Standorte untersucht, an denen die maßgeblichen Unternehmen angesiedelt sind, und schließlich die gefährdeten Gebiete festgestellt.

Die Data Insights Unit von Schroders hat ein Permafrost-Dashboard entwickelt, mit dem die Analyse der Wetterbedingungen sowie der geografischen Trends in der Öl- und Gasproduktion innerhalb Russlands möglich ist. Dies ermöglicht eine Überwachung der Auftauraten von Permafrostböden an unterschiedlichen Standorten.

Wie gestaltete sich der Dialog von Schroders mit gefährdeten Unternehmen?

Die Teams von Schroders für globale Schwellenländeraktien und nachhaltige Anlagen kontaktierten sechs Unternehmen, die in russischen Risikogegenden tätig sind.

Neben einem Fragenkatalog sandten wir einen detaillierten Brief an jedes Unternehmen. Darin erläuterten wir unsere Kenntnisse zur Erwärmung von Permafrostböden im betreffenden Tätigkeitsbereich des Unternehmens und wie der Klimawandel das Problem verschärft.

Ebenfalls Gegenstand dieser Arbeit ist, welche Unternehmensstandorte aufgrund der Destabilisierung von Permafrostböden im Zusammenhang mit dem Klimawandel am meisten gefährdet sind.

Anhand der Antworten können wir zu Einschätzungen gelangen, wie das physische Klimarisiko durch tauende Permafrostböden von den jeweiligen Unternehmen beurteilt wird.

Wie geht es weiter? Das Ziel von Schroders besteht darin, den Umgang mit der Erwärmung von Permafrostböden zu beeinflussen

Mithilfe unserer Analysen wollen wir Feedback zusammenstellen und die Unternehmen einstufen.

Die aus den Antworten der Unternehmen erhaltenen Informationen dienen zur besseren Beurteilung, wie sie mit den Risiken umgehen. Ferner können wir somit unsere firmeneigenen Instrumente weiterentwickeln und im Auge behalten, wie sich die Risiken in den kommenden Jahren gestalten werden.

Sollten Unternehmen die aktuellen Risiken nicht ausreichend in Angriff nehmen oder auf künftige Risiken nicht hinlänglich vorbereitet sein, werden wir uns um eine noch engere Zusammenarbeit bemühen, um sie durch einen Dialog zu nachhaltigeren Geschäftspraktiken zu beeinflussen.

Fazit: Wir wollen das Bewusstsein jener Unternehmen schärfen, deren aktuelle Beurteilung und Handhabung der Permafrostproblematik ungenügend ist.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.