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Climate Progress Dashboard: Wird Bidens Wiederbeitritt zum Pariser Klimaabkommen zum Handeln bewegen?


Eigentlich hätte die 26. UN-Klimakonferenz der Vertragsstaaten diesen Monat in Glasgow (Schottland) stattfinden sollen. Regierungschefs aus der ganzen Welt hätten erneut zusammenkommen sollen, um strengere und detailliertere Pläne vorzulegen, die das Pariser Klimaabkommen untermauern.

Inzwischen wurde die Konferenz auf 2021 verschoben. Allerdings haben sich die wesentlichen Akteure in den vergangenen Monaten bereits für härtere und schnellere Maßnahmen ausgesprochen, um die Treibhausgasemissionen weltweit zu senken.

Unser aktuelles Climate Progress Dashboard ist zur Jahresmitte von einem Temperaturanstieg von 3,9 °C über dem vorindustriellen Niveau auf 3,8 °C gesunken. Jedoch liegt dieser Wert immer noch weit über den vereinbarten „unter 2 °C“ des Pariser Abkommens. Mittlerweile gibt es jedoch Hinweise, dass härtere Regelungen getroffen werden könnten.

Gegen die möglichen Gefahren des Klimawandels gibt es keine Patentlösung. Eine hartnäckige Politik, rasche Umverteilung von Kapital und solide Finanzanreize sind unter anderem gefragt.

Immerhin gibt es vier Indizien dafür, dass sich schon bald etwas ändern könnte, und die Wahl von Joe Biden in den USA ist eines davon.

Zusammen deuten diese Indizien darauf hin, dass der Druck auf den gegenwärtigen Zustand zunehmen wird. Sollten die Pläne in die Tat umgesetzt werden, dürfte der von unserem Climate Progress Dashboard angezeigte seit Langem anhaltende Temperaturanstieg viel weiter zurückgehen.

1. Ausrichtung der Wiederaufbaupläne nach Covid auf die Klimaziele in Europa

Erstens haben sich viele Staaten dazu verpflichtet, den Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaften an die langfristigen Klimaziele zu koppeln. Weitläufig wird der Standpunkt vertreten, dass der Wiederaufbau nach der Pandemie eine Chance bietet, nachhaltigere Volkswirtschaften zu schaffen und den Klimawandel zu bekämpfen.

Der EU Green Deal bildet das Kernstück des Wiederaufbaus in Europa. Mit den 2019 vereinbarten Rahmenbedingungen und dem geschnürten Paket wird ein Umbau der europäischen Wirtschaft mit dem übergreifenden Ziel der Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 angestrebt.

Die EU-Kommission kündigte im Mai den Wiederaufbauplan „Next Generation EU“ an, der im angepassten langfristigen EU-Haushaltsplan verankert wurde. In diesem Monat schnürten das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten ein Paket von 1,8 Bio. Euro. Darin enthalten ist eine Verpflichtung, dass 30 % für den Kampf gegen den Klimawandel ausgegeben werden. Dies ist der größte Posten im größten Haushaltsplan, den es jemals gab.

2. Bidens Kehrtwende in der US-Klimapolitik

Zweitens dürfte die Präsidentschaft Bidens die US-Klimapolitik grundlegend verändern. Am selben Tag, an dem die USA offiziell aus dem freiwilligen Pariser Klimaabkommen unter Donald Trump austraten, sagte Biden, dass er die Rückkehr der USA in den Kreis der Klimaschützer plane, sobald er im Amt ist.

Am 5. November hat er Folgendes getweetet: „Heute ist die Trump-Administration offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten.Und in genau 77 Tagen wird die Biden-Administration ihm wieder beitreten.“

Das Pariser Klimaabkommen wurde unter Barack Obama 2015 unterzeichnet. Biden hat versprochen, dem Abkommen wieder beizutreten und die USA zu einem Netto-Null-Emissionsziel bis 2050 zu verpflichten. Fazit: Erhebliche Investitionen dürften somit in grüne Industrien und Technologien fließen. Er hat außerdem einen Plan für saubere Energie und Infrastruktur von 2 Bio. US-Dollar vorgestellt.

Für Industriebereiche mit höheren Emissionen, wie Öl- und Gasunternehmen, Versorger und die Automobilbranche, werden zudem strengeren Vorschriften gelten.

3. Neue Netto-Null-Emissionszusagen in Asien erhöhen den für die Klimaneutralität festgelegten Anteil des globalen BIP

Drittens gab es eine Reihe nationaler Verpflichtungen zu Netto-Null-Emissionen. Die Regierungschefs Chinas, Japans und Koreas haben sich seit Oktober zu Netto-Null-Emissionen verpflichtet.

4. Weltweit rasche Erhöhung der Unternehmensziele zur Senkung von Treibhausgasemissionen

Viertens haben immer mehr Unternehmen ihre ehrgeizigen Ziele zur Dekarbonisierung öffentlich bekannt gegeben. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Unternehmen, die ihre Verpflichtungen über die Initiative für wissenschaftsbasierte Klimaziele (Science Based Target Initiative – SBTi) angemeldet haben, regelrecht explodiert.

Die SBTi ist eine Partnerschaft zwischen dem Klimaforschungsanbieter CDP, dem United Nations Global Compact (UNGC), dem World Resources Institute (WRC) und dem World Wide Fund for Nature (WWF).

Über 1.000 Unternehmen arbeiten mit dem SBTi zusammen, um wissenschaftsbasierte Vorgaben und Fortschritte für ein Geschäftsjahr festzulegen. Im vergangenen Jahr lag diese Zahl noch bei weniger als 400.

Insgesamt haben mittlerweile Länder oder US-Bundesstaten, die mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgase und fast die Hälfte des BIP ausmachen, Netto-Null-Zusagen gemacht.

Das Pariser Klimaabkommen auf einen Blick

Hauptziel des Pariser Klimaabkommens ist eine verstärkte globale Antwort auf die Gefahr des Klimawandels. Dazu soll der Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert weit unter 2 Grad Celsius über dem Stand vor der Industrialisierung betragen. Die Unterzeichner sind bestrebt, die Temperaturerhöhung sogar auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Worum handelt es sich beim Climate Progress Dashboard von Schroders?

Schroders hat das Climate Progress Dashboard entwickelt, um den Fortschritt nachzuverfolgen, der eine Reihe von Faktoren einbezieht, wie CO2-Preise, erneuerbare Energien, CO2-Erfassung und -Speicherung. Das Dashboard wurde Mitte 2017 entwickelt.

Die nachstehende Abbildung zeigt die Veränderungen der einzelnen Indikatoren im Vergleich zur letzten Aktualisierung (zweites Quartal 2020).

Zusammenfassung der Änderungen des Climate Progress Dashboard seit Mitte 2017

Die folgende Abbildung zeigt die Veränderungen für einzelne Messgrößen seit Einführung des Climate Progress Dashboards Mitte 2017.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.