5 Min | Im Fokus

Die ungleichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltwirtschaft


Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie waren die vergangenen sechs Jahre (2015-2020) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die globale Durchschnittstemperatur um 1,2 °C über das vorindustrielle Niveau gestiegen ist.

Während der Klimawandel für alle Regionen der Welt Folgen haben wird, werden die globale Erwärmung und die Niederschlagsraten nicht gleichmäßig verteilt sein. Es wird Gewinner und Verlierer geben.

Der Weltklimarat (IPCC) hat die Risiken des Klimawandels genauer untersucht. Dazu wurden die erzeugten Treibhausgase modelliert und verschiedene Szenarien des Klimawandels – sogenannte repräsentative Konzentrationspfade (Representative Concentration Pathways, RCPs) – generiert. Jedes Szenario entspricht einem anderen Erwärmungsgrad.

Überhitzung der Volkswirtschaften?

RCP2.6 ist ein „Best Case“-Szenario. In diesem Szenario werden die Treibhausgasemissionen erfolgreich reduziert, sodass die globale Erwärmung auf etwa 1,5 bis 2 °C über dem vorindustriellen Durchschnitt begrenzt wird. Am anderen Ende der Skala liegt RCP8.5. Das ist das „Worst Case“-Szenario. Es spiegelt das „Business as Usual“ wider, bei dem keine Anstrengungen zur Reduktion der Emissionen unternommen werden. Das Szenario geht von einem Anstieg der globalen Temperaturen um 4 °C gegenüber dem vorindustriellen Durchschnitt bis 2100 aus.

Der IPCC hebt hervor, dass – wie in Abbildung 1 gezeigt – bis Ende des Jahrhunderts in allen Ländern wahrscheinlich höhere Temperaturen herrschen werden, die globale Erwärmung jedoch in einigen Regionen der Welt stärker ausfallen wird. Daher werden auch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels unterschiedlich sein, was wichtige Folgen für die Renditen von Vermögenswerten hat.

Abbildung 1: Änderung der durchschnittlichen Oberflächentemperatur und des durchschnittlichen Niederschlags
(1986−2005 bis 2081−2100)

Quelle: IPCC, 2014: Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change.

Insbesondere die Arktis wird sich voraussichtlich weiterhin schneller als im globalen Durchschnitt erwärmen. Zudem werden die Temperaturen in höheren Breiten der nördlichen Hemisphäre schneller ansteigen als in den Tropenregionen.

Auch der Niederschlag wird sich nicht gleichmäßig über den Globus verteilen. Es wird erwartet, dass er in hohen Breitengraden und im äquatorialen Pazifik zunehmen wird – Regionen, die bereits von langen Monsunzeiten betroffen sind. Die Niederschläge in subtropischen Regionen der mittleren Breiten, die oft Trockengebiete sind, werden hingegen aller Voraussicht nach abnehmen.

Dies bedeutet, dass Feuchtgebiete der Welt mit zunehmendem Klimawandel voraussichtlich feuchter werden, während Wasser in Gebieten, in denen die Wasserversorgung bereits jetzt ein Problem ist, wahrscheinlich noch knapper werden wird. Beispielsweise werden Indien, Pakistan und Nepal wahrscheinlich stärkere Monsunzeiten erleben, dagegen werden afrikanische und südamerikanische Länder wahrscheinlich trockener.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Produktivität

Wir haben die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels in unseren langfristigen Produktivitätsprognosen einfließen lassen. Die Methodik und Implikationen für Anlegerinnen und Anleger werden in unseren 30-Jahres-Renditeprognosen dargelegt.

Wie jüngste Untersuchung von Burke und Tanutama zeigen, gibt es eine quadratische Beziehung zwischen Produktivitätswachstum und Temperatur. Dies bedeutet, dass die Produktivität in „kalten Ländern“ mit steigenden Jahrestemperaturen zunimmt, aber bei Jahrestemperaturen über 12–13 °C zu sinken beginnt.

In kalten Ländern könnten beispielsweise durch einen Temperaturanstieg neue Anbaugebiete erschlossen werden oder durch die Eisschmelze weitere Teile des Meeres schiffbar und befischbar werden. In heißen Ländern hingegen wird aufgrund der zunehmenden Wüstenbildung mit einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion gerechnet. Auch die Viehzucht wird aufgrund des erhöhten Hitzestresses zurückgehen.

Abbildung 2 zeigt die physischen Kosten in einem Szenario, in dem die globale Temperatur bis 2100 um mehr als 3 °C gegenüber dem vorindustriellen Durchschnitt ansteigt. Dieses Szenario geht davon aus, dass die Weltwirtschaften es versäumen, angemessene Strategien zur Reduktion der CO2-Emissionen umzusetzen.

Die Kosten werden relativ zum Szenario „Kein Klimawandel“ ausgedrückt, bei dem der Temperaturanstieg keine Auswirkungen hat. Über einen Zeitraum von 30 Jahren werden die Schweiz, Kanada, Deutschland, Frankreich und Großbritannien in einem Szenario, in dem die globale Erwärmung um mehr als 3 °C über dem vorindustriellen Niveau ansteigt, besser dastehen. In Australien und den meisten Schwellenländern sinkt die Produktivität.

Die sichtbareren Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel wird nicht nur langfristig wirtschaftliche Schäden verursachen. Extreme Wetterereignisse machen deutlich, dass es auch kurzfristige Folgen gibt. Die Hurrikane Harvey, Irma, Katrina und Sandy haben bereits gezeigt, welchen Schaden der Klimawandel schon heute anrichtet. Dies sind einige der offensichtlichsten Beispiele für die kurzfristigen Folgen der Erderwärmung.

Es ist allgemein bekannt, dass die globale Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten zu einem deutlichen Anstieg wetterbedingter Ereignisse geführt hat. Weltweit sind beispielsweise die durchschnittlichen tropischen Wirbelstürme pro Jahrzehnt seit Anfang der 1980er Jahre von 14 auf 23 gestiegen. Die Zahl der Überflutungen hat sich hingegen nahezu verdoppelt. Der IPCC hebt hervor, dass die mit Extremereignissen verbundenen Risiken weiter zunehmen, wobei diese Ereignisse mit steigenden Temperaturen häufiger und schwerwiegender werden.

Extreme Wetterereignisse wirken sich, da sie von Temperatur- und Niederschlagsänderungen abhängig sind, unterschiedlich auf verschiedene Regionen der Welt aus. Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme haben in den vergangenen Jahrzehnten nur in einigen Gebieten der Erde zugenommen. Abbildung 3 unten zeigt die Veränderung der durchschnittlichen Anzahl dieser Ereignisse im ersten Jahrzehnt des Jahres 2000 im Vergleich zu den 1980er Jahren. Sie zeigt, dass Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme in Südostasien häufiger geworden sind, was auch den Ergebnissen der Analyse des IPCC entspricht.

Diese Ereignisse können verheerende Folgen für die Menschen haben. Daten der Beobachtungsstelle für Binnenvertreibungen zeigen, dass seit 2008 fast 200 Millionen Menschen gezwungen waren, ihr Zuhause zu verlassen. In nahezu 98 % der Fälle waren dafür Überschwemmungen und Stürme verantwortlich.

Noch wichtiger ist, dass die Daten zeigen, dass einige Regionen der Welt stärker betroffen sind als andere. Insbesondere die Einwohner der Philippinen sind gefährdet: Die Zahl der Neuvertreibungen seit 2008 macht 46 % der Bevölkerung aus. Der Rest Südostasiens und China sind ebenfalls von extremen Wetterbedingungen betroffen, aber auch die USA und Japan. Menschen, die in europäischen Ländern und in Großbritannien leben, sind am wenigsten von Vertreibungen aufgrund extremer Wetterbedingungen betroffen.

Schließlich ist hervorzuheben, dass sich die Daten auf Vertreibungen innerhalb des Landes beziehen, wir jedoch davon ausgehen, dass die Binnenmigration positiv mit der Auslandsmigration korreliert. Dies könnte darauf hindeuten, dass mit zunehmender globaler Erwärmung und härteren Wetterextremen mehr Menschen aus Risikogebieten wie asiatischen Ländern in sicherere Regionen migrieren.

Was kostet das die Anlegerinnen und Anleger?

In Forschungsarbeiten wird diskutiert, ob Naturkatastrophen die Produktivität und das Wachstum auf lange Sicht fördern können. Diese Hypothese begründet sich darin, dass Unternehmen, die die Katastrophe überleben, ihr Kapital erhöhen und neue Technologien übernehmen. Die Hypothese, dass Katastrophen zu Wachstum führen, wird als „kreative Zerstörung“ bezeichnet.

Allerdings sprechen nicht alle Daten für diese Annahme. Eine aktuelle Studie [1] analysierte die physischen Folgen tropischer Wirbelstürme von 1950 bis 2008. Ihre Daten zeigen, dass das Volkseinkommen im Vergleich zu seinem Trend vor der Katastrophe sinkt und sich innerhalb von 20 Jahren nicht wieder erholt. Dies ließe sich dadurch erklären, dass Katastrophen das Wachstum vorübergehend bremsen, indem sie Kapital zerstören; eine Erholung tritt nicht ein, weil die verschiedenen Strategien zur Ankurbelung der Wirtschaft die kurzfristigen negativen Folgen des Kapitalverlusts nicht wettmachen.

Die Analyse scheint eher die Hypothese „keine Erholung“ zu unterstützen. Sie stellt fest, dass eine Standardabweichung in einem Jahr bei der Exponierung gegenüber Wirbelstürmen den BIP 20 Jahre später um 3,6 Prozentpunkte senkt. Das Land wird somit um nahezu zwei Jahre in seiner Entwicklung zurückgeworfen.

In unserer Analyse der 30-Jahres-Renditen haben wir die Konsequenzen der globalen Erwärmung auf die Produktivität berücksichtigt, um herauszufinden, ob sie sich auf die langfristigen Aktienrenditen auswirken wird. Die Produktivität ist langfristig ein wesentlicher Katalysator für die Aktienrendite. Daher werden die Aktienrenditen durch die Folgen des Klimawandels auf die Produktivität beeinflusst.

Abbildung 6 vergleicht unsere 30-jährigen Aktienrenditen mit und ohne globale Erwärmung. Klar ist, dass es aufgrund steigender Temperaturen Gewinner und Verlierer geben wird.

Insbesondere kanadische, britische und europäische Aktien werden im Vergleich zum Szenario „Kein Klimawandel“ höhere Renditen erzielen. Der Klimawandel ist eine schlechte Nachricht für Aktienanlegerinnen und Aktienanleger in Schwellenländern, wobei insbesondere Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika unter Druck gesetzt werden.

[1] The Causal Effect of Environmental Catastrophe on Long-Run Economic Growth. Hsiang, Solomon M. und Jina Amir S., 2013. NBER Working Paper.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von den Autor*innen und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.