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Flugzeuge, Züge und Autos – wie reduziert Europas Verkehrssektor seine Emissionen?


Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind die Treibhausgasemissionen in der EU im Jahr 2019 um 3,8 % gesunken und liegen damit 24,0 % unter dem Niveau von 1990.

Die EU strebt jedoch eine Reduzierung um 55 % bis 2030 (im Vergleich zu 1990) an, mit dem Ziel, bis 2050 einen Netto-Nullverbrauch zu erreichen. Es ist noch ein langer Weg.

Die in einigen Sektoren erzielten Fortschritte sind ermutigend. So gehen beispielsweise die Treibhausgasemissionen aus der Energieversorgung rasch zurück. Die verkehrsbedingten Emissionen steigen jedoch weiter an, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Es liegt auf der Hand, dass der Verkehrssektor in kurzer Zeit einige große Veränderungen vornehmen muss. Der Unternehmenssektor muss eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Produkten und Innovationen spielen, die dazu beitragen können, die Ziele für 2050 zu erreichen.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass jede Verkehrsart – Straße, Schiene, Luftverkehr, Schifffahrt – eine andere Strategie zur Reduzierung der Emissionen erfordert. Einige dieser Bereiche sind in dieser Hinsicht schon viel weiter als andere. Aber die Notwendigkeit der Dekarbonisierung wird immer dringender, je näher die Klimatermine rücken.

Als Investierende sind wir der Meinung, dass sich in dieser bevorstehenden Zeit des raschen Wandels Renditen erzielen lassen, indem wir von Fehlbewertungen profitieren, wenn der breite Markt das Ausmaß der bevorstehenden Chancen nicht erkennt.

Elektrofahrzeuge sollen zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs beitragen

Auf den Straßenverkehr entfallen etwa 70 % der gesamten verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen in Europa (Quelle: EUA). Es gibt jedoch Technologien, mit denen diese Emissionen gesenkt werden können.

Elektrofahrzeuge stehen an der Spitze der Bemühungen, den europäischen Straßenverkehr zu dekarbonisieren. Mehrere Automobilhersteller des Kontinents sind bereits dabei, sich zu Vorreitern im Bereich der Elektrofahrzeuge zu entwickeln.

Volkswagen ist bereits eines der fortschrittlichsten Unternehmen und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. So sollen bis 2030 mindestens 70 % der verkauften Fahrzeuge in Europa rein elektrisch betrieben werden. Das wären mehr als eine Million Fahrzeuge. Ein weiteres Beispiel ist Stellantis, das aus der Fusion von Peugeot und Fiat Chrysler hervorgegangen ist. Stellantis hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 70 % der verkauften Pkw in Europa emissionsarme Fahrzeuge sein sollen.

Es sind auch andere Kraftstoffoptionen verfügbar. Das finnische Unternehmen Neste ist der weltweit führende Hersteller von erneuerbarem Diesel. Dieser kann die Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Diesel um bis zu 90 % senken.

Eine weitere Option sind Wasserstoff-Brennstoffzellen – insbesondere für schwerere Fahrzeuge wie Lkw und Busse, bei denen Batterien nicht sinnvoll sind. Der meiste Wasserstoff wird derzeit aus Erdgas hergestellt, das die Umwelt stark belastet. Wird jedoch erneuerbare Energie verwendet, kann Wasserstoff im Wesentlichen CO2-frei hergestellt werden. Bei der Verwendung in einer Brennstoffzelle ist das einzige Nebenprodukt Wasser.

Johnson Matthey, ein Unternehmen, das vor allem für die Herstellung von Katalysatoren zur Reinigung von Schadstoffemissionen bekannt ist, ist ebenfalls auf dem Gebiet des Wasserstoffs tätig. Die Gruppe stellt Membranen her, die eine zentrale Komponente in Brennstoffzellen sind.

Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellen und erneuerbarer Diesel sind jedoch keine vollständige Lösung für einen nachhaltigen Verkehr. Sie lösen zwar das Emissionsproblem, aber die Luftverschmutzung durch Reifen- und Bremsstaub sowie die Staus auf Europas stark befahrenem Straßennetz bleiben bestehen.

Bahnverkehr auf Kurs für eine nachhaltige Zukunft

Die Bahn hat den geringsten Kohlenstoff-Fußabdruck aller wichtigen Verkehrsmittel – sie hat nur ein Achtel des Kohlenstoff-Fußabdrucks des Flugverkehrs und ein Drittel des Kohlenstoff-Fußabdrucks des Straßenverkehrs. Das Jahr 2021 wurde zum „Europäischen Jahr der Eisenbahn“ erklärt, eine Initiative zur Förderung des Sektors und zur Unterstützung der Klimaziele der EU.

Die Bahn ist zwar bereits ein sehr nachhaltiges Verkehrsmittel, aber es gibt noch Raum für Verbesserungen. Die Zugtechnologie wird immer sauberer und effizienter. Darüber hinaus wird die Politik der Regierungen angesichts des Schwerpunkts auf Nachhaltigkeit immer stärker darauf ausgerichtet, Fahrgäste und Güter weg von der Straße auf die Schiene zu bringen. Ein Beispiel dafür ist das Verbot von Inlandsflügen in Frankreich, wenn eine alternative Strecke mit der Bahn in zweieinhalb Stunden oder weniger zurückgelegt werden kann.

Das bedeutet, dass es eine Chance für Unternehmen gibt, die nachhaltige Lösungen anbieten. Es gibt noch viel Spielraum für die Elektrifizierung, denn nur 54 % des europäischen Schienennetzes sind elektrifiziert (laut Statista-Daten für 2018).

Und das erwartete Volumenwachstum bedeutet, dass es auch Möglichkeiten für Innovationen gibt. Ein Beispiel ist Alstom, ein Entwickler von wasserstoffbetriebenen Zügen, die nur Wasser als Abgas freisetzen. Diese Züge fahren bereits in Deutschland und anderen Ländern. Der Coradia iLint von Alstom, der weltweit erste wasserstoffbetriebene Zug, kann mit einer einzigen Tankfüllung fast 1000 Kilometer weit fahren.

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Luftfahrtnachfrage kompensiert Effizienzgewinne

Eine bessere Treibstoffeffizienz hat dazu beigetragen, die Emissionen des Luftverkehrs in den letzten Jahren zu senken. So ist die pro Passagier verbrannte Treibstoffmenge zwischen 2005 und 2017 um 24 % gesunken (Quelle: Europäische Kommission). Dies wurde jedoch durch das Wachstum des Luftverkehrs ausgeglichen. Die Covid-19-Pandemie mag dieses Wachstum vorübergehend unterbrochen haben, aber der Sektor muss seine Emissionen immer noch drastisch senken.

Alternative Kraftstoffe sind eine mögliche Antwort. Neben erneuerbarem Diesel für Autos hat sich Neste mit der Entwicklung eines nachhaltigen Flugzeugtreibstoffs auch dem Flugzeug zugewandt. Dieser Treibstoff wird aus gebrauchtem Speiseöl sowie aus tierischen und Fischfettabfällen aus der Lebensmittelindustrie hergestellt.
Der daraus resultierende Kraftstoff reduziert die Treibhausgasemissionen um bis zu 80 % im Vergleich zu herkömmlichem Düsenkraftstoff. Das Produkt wird von der Lufthansa und von KLM als Beimischung zu fossilem Kerosin auf Flügen ab den Flughäfen Frankfurt und Schiphol verwendet.

Es handelt sich um einen Bereich mit spannenden Innovationen und Wachstum, der durch eine ehrgeizigere Regulierung gefördert werden könnte. Im Juli veröffentlichte die Europäische Kommission ihre RefuelEU Aviation-Vorschläge. Diese sehen einen nachhaltigen Flugzeugtreibstoff in Höhe von mindestens 5 % im Jahr 2030 und einen Anstieg auf 63 % im Jahr 2050 vor.

Ein entscheidender Punkt ist, dass nachhaltiger Flugzeugtreibstoff nicht mit Biokraftstoffen auf der Basis von Nahrungsmittelpflanzen hergestellt werden sollte. Dies birgt nämlich die Gefahr, dass Flächen, die für die Nahrungsmittelproduktion benötigt werden, verdrängt werden. Neste und andere Hersteller werden eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung und Produktion von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff in großem Maßstab spielen.

Die Kommission hat außerdem vorgeschlagen, die Befreiung von Kerosin von der Energiesteuer aufzuheben und die kostenlosen Treibhausgasemissionszertifikate für den Luftverkehr in der EU bis 2026 abzuschaffen.

Vorstoß in die grüne Schifffahrt

Der Anblick des Containerschiffs Evergreen, das Anfang des Jahres im Suezkanal festsaß, und die daraus resultierenden Störungen haben deutlich gemacht, wie sehr die Welt auf den Schiffsverkehr angewiesen ist. Von diesem gehen jedoch Schadstoffemissionen aus.

Wie im Luftverkehr zielen auch die jüngsten Vorschläge der Europäischen Kommission darauf ab, die Steuerbefreiung für Schweröl, das von der Schifffahrtsindustrie verwendet wird, abzuschaffen. Gleichzeitig wird es einen Nullsteuersatz für nachhaltige Kraftstoffe geben, um die Akzeptanz zu fördern. Des Weiteren wird das Emissionshandelssystem auf diesen Sektor ausgeweitet.

Dies kommt zu den bestehenden weltweiten Vorschriften hinzu, die den Schwefelgehalt in Schiffskraftstoffen begrenzen sollen. Jüngste Studien deuten jedoch darauf hin, dass sehr schwefelarmes Heizöl im Vergleich zu stark schwefelhaltigem Heizöl höhere Emissionen des schädlichen schwarzen Kohlenstoffs sowie eine suboptimale Motorleistung verursachen kann.

Kurzfristig könnte dies dazu führen, dass die Industrie wieder auf stark schwefelhaltiges Heizöl umsteigt und „Wäscher“ zur Reinigung der Emissionen einsetzt. Allerdings erhöht sich dadurch auch der Druck, eine alternative Kraftstoffquelle zu finden. Batterien sind eine mögliche Option, eignen sich aber nur für kleinere Schiffe auf kurzen Strecken.

Flüssigerdgas könnte mittelfristig der Gewinner sein, da es weniger Kohlendioxid, Schwefeldioxid oder schwarzen Kohlenstoff als stark schwefelhaltiges Heizöl emittiert. Aber auch das ist keine langfristige Lösung, da bei Flüssigerdgas erhebliche Mengen an Methan entstehen.

Längerfristig sind grüner Wasserstoff und Ammoniak vielversprechende kohlenstofffreie Lösungen. Wasserstoff hat eine ausreichende Energiedichte, um auf großen Schiffen und auf langen Fahrten eingesetzt zu werden, während die Kombination von Wasserstoff mit Stickstoff Ammoniak ergibt, das leichter zu speichern ist. Aber auch hier gilt, dass sowohl Wasserstoff als auch Ammoniak nachhaltig produziert werden müssen, und dies ist ein Bereich, in dem erhebliche Investitionen erforderlich sind.

Was bedeutet das für Investierende?

Wie wir sehen können, befinden sich die verschiedenen Verkehrssektoren in sehr unterschiedlichen Stadien des Übergangs zu einer emissionsarmen Zukunft.

Sowohl für die Straße als auch für die Schiene ist die erforderliche Technologie bereits verfügbar. Die Frage ist, ob sie angenommen wird und ob die Investierenden auf die Unternehmen setzen, die am besten in der Lage sind, von der wachsenden Nachfrage zu profitieren.

In der Luft- und Schifffahrt befinden sich die für die Dekarbonisierung erforderlichen Technologien noch in einem relativ frühen Stadium. Der Fall von sehr schwefelarmem Heizöl macht deutlich, dass Unternehmen und Aufsichtsbehörden vorsichtig vorgehen und sicherstellen müssen, dass die Lösung eines Emissionsproblems nicht einfach ein anderes schafft.

Unseres Erachtens bietet dies eine enorme Chance für Investierende, innovative Unternehmen zu identifizieren, die in der Lage sind Technologien und Produkte zu entwickeln imstande, die den Übergang Wirklichkeit werden lassen.


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